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Beruf versus Berufung – und warum meine Friseurin das perfekte Beispiel ist

Ich werde immer wieder gefragt, wie sich die Wörter Beruf und Berufung eigentlich unterscheiden. Hier dazu der Versuch einer kurzen Begriffsdefinition und die Antwort auf die Frage, was dies mit meiner Friseurin zu tun hat.

Beruf und Berufung – Was heißt das eigentlich und wo liegt der Unterschied

Das Wort Berufung bedient sich des Reichtums mehrerer Bedeutungen. Es ist also ein Homonym oder ein Polysem. Oder, um es viel entzückender auszudrücken, ein Teekesselchen.

So lässt sich das Wort Berufung als Rechtsmittel gegen ein Urteil definieren oder als Angebot, ein Amt in einem wissenschaftlichen, politischen oder künstlerischen Bereich anzunehmen. Viel bedeutender für diesen Artikel ist jedoch seine spirituelle und berufliche Auslegung und die Frage, wie sich die Vokabel von dem Wort Beruf abgrenzt.

A little about the big meaning

Laut Duden ist mit dem Wort Berufung u.a. eine besondere Befähigung gemeint, die jemand als Auftrag in sich fühlt. Ich mag diese Definition, da sie neben der Leidenschaft für eine bestimmte Tätigkeit, die Bedeutungskraft dieses Wortes in sich birgt. Es sagt aus, dass wir für etwas bestimmt sind. Mehr noch, wir können unsere Berufung als Auftrag unserer Seele verstehen.

Ich selbst grenze die Begriffe Beruf und Berufung ganz klar voneinander ab. Während Beruf für mich das Ausüben einer Tätigkeit per se bedeutet, mit der wir unseren Lebensunterhalt verdienen, geht die Bedeutung der Vokabel Berufung darüber hinaus. Trifft Beruf auf Berufung ist dies ein Doppelsieg und die Klaviatur einer lebenslangen Berufsromanze.

Berufung impliziert unsere persönlichen Interessen, Neigungen und Begeisterungen. Wir schaffen, kreieren, stellen her oder beschäftigen uns mit etwas, für das wir brennen, folgen einer Leidenschaft und Passion. Nebenbei sind wir darin zumeist sehr gut, da wir die Tätigkeit nicht als Belastung empfinden, sondern eher einen inneren Drang verspüren, diese so oft wie möglich auszuüben, wobei wir die Zeit, um uns herum oft vergessen.

Meine Friseurin – oder wie geht Berufung

Meine Friseurin versteht es, selbst aus einer einfachen Föhnfrisur ein Amour Fou zu zaubern (jede Handbewegung sitzt, wird zelebriert und mit ihrem ansteckenden Lächeln untermalt). Sie hat ihre Berufung entdeckt und lebt sie. Für sie ist der Friseurinnenjob eine Herzensangelegenheit, mit der sie ihre Existenz sichert. Und da Augustinus Aurelius bereits zu sagen pflegte, dass unsere Seele sich von dem ernährt, worüber sie sich freut, ist ihr Job für sie eine Win-Win Situation, die für sie nicht nur zutiefst sinnstiftend ist, sondern ihr wahrhaftige Freude und Energie schenkt.

Und das Beste an der Sache: mit ihrer Berufung macht sie andere Menschen, in diesem Fall mich, glücklich. Und ich glaube, genau hier liegt die wahnsinnige Bedeutungskraft des Wortes verborgen. Berufung ist etwas Tieferes, ist heilsam und wertvoll, für dich und andere.

Und sind wir mal ehrlich, wollen wir uns nicht alle zu etwas berufen fühlen und einen Job zelebrieren, so wie meine Friseurin?