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Der Stress mit dem Stress – und wie geht Entschleunigen?

Wohl jede von uns kennt Situationen, wenn uns noch zu erledigende Aufgaben und To-Do Listen in Business und Beruf zu erobern scheinen, uns Alltag oder Freizeitstress über den Kopf wachsen. Häufig sind es dann nicht die Aufgaben per se, die uns überwältigen, sondern vielmehr der Verlust von Klarheit und die Verbindung zu uns selbst. Das Zauberwort an dieser Stelle heißt entschleunigen. Dahinter verbirgt sich der Bedarf, Dinge so simpel wie möglich anzugehen.

Dem Wort Stress seine Energie nehmen

Nicht jede empfindet Stress als Belastung, denn dies hängt sehr stark von unserer Persönlichkeit ab und manch eine blüht erst unter Stress zu Höchstleistungen auf. Zusätzlich bestimmen Situation und individuelle Verfassung das Ausmaß unserer Stressempfindung. Eine neue uns unbekannte Situation wird so bspw. in den meisten Fällen mehr Stress verursachen, als eine uns bekannte, die in gewohnten Rahmenbedingungen verläuft.

Wie sich der Stress wiederum auswirkt, hängt davon ab, wie wir mit den Belastungen umgehen. Schließlich definiert Stress nicht nur ein natürliches Gefühl des Körpers, das sich in Form von Anspannung, Druck und Belastung äußern kann, sondern häufig ist Stress mit negativen Erfahrungen und Empfindungen belegt, die gewisse Konditionierungen wie Flucht und Abwehr generiert haben. Außerdem wird Stress oft als von außen kommend angesehen, sodass wir uns den Belastungen hilflos ausgeliefert fühlen.

Assoziieren wir Stress mit etwas Negativem, nehmen ihn als bedrohlich wahr und betrachten ihn als Feind, ist es hilfreich, dem Wort zunächst seine Energie zu nehmen. Etwa, indem es durch ein Synonym oder eine positive Vokabel ersetzt wird.

Aber mehr noch: Die Häufigkeit der Nutzung des Wortes Stress spiegelt unser Verhalten und unseren Lebensstil wider. Stress ist zum gesellschaftlichen Schlagwort annonciert und muss heutzutage für vieles herhalten. Ich bin total gestresst ist eine gängige Antwort auf die Frage ‚wie es uns geht‘ geworden und durch Aussagen wie Ohne Stress kein Erfolg erhält das Wort den Charakter einer Auszeichnung oder eines Status. Einen sehr interessanten Artikel dazu findet sich auf der Website der Wirtschaftswoche hier.

Stress als Selbstverständlichkeit, Ausrede oder anzustrebender Zustand. Sie alle stehen für keinen verantwortungsvollen Umgang mit diesem Wort. Ertappen wir uns dabei, sollten wir in uns hineinhorchen: Wie oft nutzen wir das Wort Stress, wofür und in welchen Situationen? Wann empfinden wir Druck und einen Zustand der Belastung und Überforderung? Auch die Frage, ob wirklich alle Aufgaben, die wir uns auferlegen ein Muss sind, oder wir nur glauben sie machen zu müssen, führt uns zu selbstauferlegtem Stress.

Hilfreich ist das Führen eines Tagebuchs oder das nachstehende Printable, das hier kostenlos zum Download bereit steht:

 

Zudem lohnt es sich, mit einem Wochenplaner zu arbeiten. Auch diesen kannst du hier kostenlos downloaden:

Ich möchte“ statt „Ich muss“

Das einfache Wort muss kann Druck ausüben. Es löst ein negatives Gefühl in uns aus, da ein Muss gleichzusetzen ist mit Ich habe keine Wahl. Ersetzt durch das Wort möchte erhalten To-Do’s eine andere Motivation, nämlich die der intrinsischen – heißt die innere, aus sich selbst heraus entstehende Motivation.

1. Kurze Aufgabenlisten schreiben und nicht zu viel auf eine Liste packen

Häufig schauen wir auf unsere Aufgabenliste und würden den Zettel am liebsten so schnell wie möglich wieder in der Tiefe einer Schublade verschwinden lassen. Der Grund: Wir sind überwältigt von der Vielzahl der Aufgaben.

Das Setzen von Prioritäten ist hier unabdingbar. Sie schaffen Entlastung. Häufig sind es nämlich nur 2-3 Aufgaben, die unbedingt am selben Tag erledigt werden müssen.

2. Tages-, Wochen- und Monatslisten anfertigen

Meistens kennen wir bereits im Vorwege unseren Arbeitsplan und wichtige Termine. Oft sind sie aber durcheinander – meist in unserem Kopf. Tages-, Wochen- und Monatslisten schaffen Klarheit und Forscher konnten beweisen, dass das Aufschreiben von Aufgaben und Vorhaben das Gehirn entspannt. Dabei ist unbedingt zu beachten:

 

  1. Wenn möglich To-Do’s nicht auf Tage legen, an denen wir lange arbeiten, ein wichtiges Projekt bei der Arbeit ansteht oder Termine, deren Länge nicht planbar sind und sich erfahrungsgemäß verlängern. An diesen Tagen bleiben die To-Do’s eh gerne liegen und das schlechte Gewissen ist vorprogrammiert. An ebendiesen Tagen nichts für den Feierabend einplanen ist zudem herrlich entspannend. Kurz: Freie Tage oder Tage mit ausreichend Luft für zu Erledigendes nutzen.

 

  1. Bei der Kreation von Tageslisten achtsam sein mit der Anzahl der Aufgaben. Häufig ist es bereits eine Angabe mehr, die Stresssymptome nach sich ziehen kann. Es ist wichtig, seinen eigenen und idealen Wert zu finden.

 

  1. Manchmal ist es auch eine bestimmte Uhrzeit, zu der wir energetisch am fittesten sind. Sie ist unser Mußegarant, denn Produktivität hat sehr viel mit unserer Verfassung zu tun. Beim Verfassen einer Liste dies unbedingt beachten.

 

  1. Nützlich sind feste Tage, die für bestimmte Aufgaben und größere Projekte geblockt sind. So können wir uns ganz bewusst auf anliegende Dinge konzentrieren. Wir wissen, was an den einzelnen Tagen ansteht und entwickeln eine Routine. Das Ganze ähnelt dann einem Stundenplan.

3. Aufgaben in Teilaufgaben gliedern

Bei großen Aufgaben oder Projekten ist es günstig, sie in Teilaufgaben zu zerlegen. Sie sind schneller erledigt als das große Projekt und bringen, wenn erledigt, einen zusätzlichen Motivationsschub. Lästige Aufgaben, die wir gerne vor uns herschieben, verlieren dadurch ebenfalls ihren bitteren Beigeschmack.

4. Pausen und Puffer einplanen

Wir können einen Tag noch so gut durchplanen, er verläuft nicht immer so, wie wir es gerne hätten. Ob es der verspätete Bus ist, die Schlange im Supermarkt oder die Plauderei mit einer Freundin, unsere Pläne können sich verzögern, sodass wir die geplanten Aufgaben nicht schaffen. Damit uns das am Ende des Tages nicht frustriert, sollten wir bewusst Pausen und Puffer einplanen und, wie oben bereits beschrieben, unsere Aufgabenliste lieber kürzer gestalten.

5. Sich auf die gegenwärtige Aufgabe fokussieren

Keine Frage, unser Alltag ist lebhaft und voll von schönen Aufgaben (eine meines Erachtens viel schönere Definition von „Stress“). Am liebsten wollen wir alles gleichzeitig erledigen. Leider hat das aber zumeist einen gegenteiligen Effekt und die Gefahr sich zu verzetteln ist groß. Effektiver ist es, der gegenwärtigen Aufgabe unsere volle Aufmerksamkeit zu schenken, auch wenn Ablenkung verlockend ist.

Passiert es dennoch, ist Innehalten angesagt. Tief durchatmen und sich auf die eigentliche Aufgabe zurückbesinnen. Etwa durch Aussagen wie: Dies hat gerade keine Priorität und ist in diesem Moment nicht wichtig. Dadurch wird die vermeintliche Ablenkung verlagert, wobei wir einen konkreten Termin mit ihr vereinbaren können. Tritt eine Idee oder ein Geistesblitz auf, diese kurz notieren.

6. Sich auf das konzentrieren, was im gegenwärtigen Moment erledigt werden kann

Auch wenn die To-Do Liste auf das Geringste gekürzt und Pausen einplant sind, kann es vorkommen, dass sie uns überfordert, die gesetzten Prioritäten nicht zu unserer gegenwärtigen Stimmung oder Verfassung passen und es uns an Energie fehlt. Es stellt sich also die Frage, was wir im gegenwärtigen Moment leisten können und was nicht.

Ist etwa an Kreativität nicht mehr zu denken, sind der Haushalt oder die Laufrunde bis dato aber auf der Strecke geblieben und gefühlsmäßig für uns machbarer, sollten wir ebendiese bevorzugen. Wir fühlen uns dann nicht nur besser, weil das Liegengebliebene erledigt ist, sondern häufig ist es diese Auszeit, die wir brauchen. Unser Kopf ist frei und wir können uns wieder unserem kreativen Projekt widmen.

Anregung: In einem Motivationsloch ist es hilfreich, die To-Do Liste beiseitezulegen und das zu tun, wonach wir uns fühlen. Wichtig ist, dass wir uns selbst in diesen Momenten nicht verurteilen, sondern uns annehmen. Schließlich sind wir Menschen und keine Maschinen. Und das Schöne: Auf diese Weise ist es möglich gegenzusteuern, und damit kommen wir letztendlich weiter.

 

Und wie sagt der deutsche Journalist Peter Hol so schön:

Nicht die Menge der Arbeit verursacht den alltäglichen Streß,

sondern der Mensch, der dich ihretwegen kritisiert und unter Druck setzt.

Zugegeben: Manchmal bist du selbst dieser Mensch“

 

Alles Liebe,

Eure Martina

 

 

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