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Kleine Katastrophen, römische Überraschungen und die Frage der Haltung

Wenn ich auf Reisen gehe schmiede ich die tollsten Pläne. Alles soll ganz wunderbar und entspannt sein. Der Trip möglichst ohne Komplikationen ablaufen. Und da ja derzeit sowieso alles total hygge ist, werden Unerwartetes und Nerviges auch ganz im Sinne der Annahme und des Loslassens an mir abprallen. Schließlich mag ich den Spruch der alten Griechen, dass alles fließt und eh alles einen Sinn hat und zu etwas gut ist.

Was aber, wenn das Leben einen direkt in chaotische Umstände katapultiert und das ganze Universum einen sprichwörtlich auf die Probe stellt und fragen möchte: „Liebes, wie sieht es denn eigentlich mit der praktischen Umsetzung dieser großen Worte aus?“. Schließlich bekommen wir ja bekanntlich so lange eine Aufgabe vor die Nase gesetzt, bis wir sie tatsächlich zu 100% verstanden und gemeistert haben.

Das Leben schreibt seine eigenen Geschichten – auch auf Reisen

Rom, die ewige Stadt. Ich freue mich riesig. Schließlich erwarten mich super Wetter, Vino, Pizza und Pasta und Kultur pur. Und da ich meine Freundin Katharina, genannt The Brain, im Schlepptau habe, importiere ich quasi meinen ganz eigenen, persönlichen kulturellen Guide.

Der Trip steht dabei ganz unter dem Motto „Nörgeln verboten„. Ähm, natürlich, bekomme ich hin. Kein Problem. Oooooooooom. Und dann: am Flughafen Rom-Fiumicino angekommen die erste Kostprobe: der öffentliche Nahverkehr ist zusammengebrochen. Menschen links und rechts, keiner weiß genaues. Taxi also. Nun ja, das dachten sich auch 500 andere Menschen. Egal. Bienvenuti in Italia. Wir werden dann wohl etwas warten müssen. Scheiße!  Oh, ach nein, wir wollen ja ganz in der Annahme verweilen und sind im Flow. Und so geraten wir ins Plaudern. Denn in einer Menschenschlange zu stehen hat natürlich auch etwas Gutes. Wir lernen die nette italienische Biologin kennen, die gerade von einem Kongress in Irland kommt. Sie erzählt uns ihre Geschichte und schließlich teilen wir uns ein Taxi und fahren gemeinsam in die Stadt.

Im Hotel angekommen, irgendwann später, dann noch ein kurzer Ausflug in die Bar gegenüber. Es gibt ein leckeres italienisches Abendessen und später Mojito. Großartig! Da kann uns auch der Regen nichts, schließlich plätschert es so gemütlich von der Markise. Als uns das Wasser dann bis zum Knöcheln reicht, beschließen wir allerdings, dass es wohl doch an der Zeit wäre ins Trockene zu gehen. Die Witterungsverhältnisse dramatisieren sich und ähneln bald denen unserer geliebten, aber momentan gar nicht so vermissten, Nordseeküste bei Windstärke 10. Die Folge: eine Bomba d`acqua, wie der Italiener zu sagen pflegt. So sind Wege und Straßen in Windes Eile überflutet, Menschen strömen pitschnass in Bars und Cafes, und auch das ist irgendwie herrlich gemütlich.

Irgendwann müssen wir allerdings selbst hinaus und treffen triefend im Hotel ein. Doch was ist das? Die Lobby unseres Hotels steht komplett unter Wasser und auch unser Zimmer ist überflutet – dabei will ich doch einfach nur ins Bett, an Schlaf ist aber zunächst nicht zu denken …

Ich könnte lange so weitermachen. Unser Urlaub war nämlich gespickt mit Kuriositäten und kleinen Abenteuern, die mich haben staunen und wundern lassen. Warum ich das schreibe?

Eine Frage der Haltung

Wir hätten über die Umstände verärgert und  verzweifelt sein können, an sofortige Abreise denken, oder die Welt um uns herum für unsere Missgeschicke verantwortlich machen können. Stattdessen sind wir aus den Situationen herausgetreten, haben uns von außen betrachtet, herzhaft gelacht und gestaunt, dass in den übervollen Bus nun doch noch weitere 10 Menschen mit Sack und Pack -und wohlgemerkt großen Koffern- passen. Denn wir können uns in jedem Moment unseres Leben entscheiden, wie wir mit den Umständen um uns herum umgehen und auf Ereignisse reagieren wollen.

Denn

Nur wir selbst sind diejenigen, die für unser Glück und unsere Freude verantwortlich sind. Freude und Glück sind nicht das Resultat von Dingen, die uns passieren. Vielmehr sind sie abhängig von unserer Interpretation, von unseren Herangehensweisen und Gedankengerüsten.

Wir wären beispielsweise nie in diese nette Plauderei mit der römischen Biologin verfallen. Auch den herrlichen „Mercato Trionfale“ mit seinen üppigen Marktständen und der grandiosen Pizza Bianca hätten wir nicht kennengelernt, wären wir nicht von den Regenmassen hinein gespült worden, und sicher hätten wir nicht so eine wunderbare Anekdote wie die des überfluteten Hotels und der Bomba d`acqua zu erzählen.

Und lassen sich diese Reiseerfahrungen nicht auch auf das Berufs- und Businessleben übertragen? Schließlich laufen die Dinge  manchmal nicht so, wie wir sie planen. Aber oft erhalten wir dafür etwas viel Schöneres, lassen wir es zu und schauen der Welt offen gegenüber.