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Sich in ungewissen Zeiten wohlzufühlen kann man lernen

Eins steht fest: Unsere Gesellschaft verändert sich, Anforderungen an jeden einzelnen von uns und die damit verbundene Komplexität nimmt stetig zu. So viel, so oft beschrieben.

Man kann daran verzweifeln oder wachsen. Alte Lösungswege greifen nicht mehr. Verlässliche Entscheidungen treffen geht nicht mehr. Von herkömmlichen Annahmen müssen wir uns lösen. Oder, wie Einstein einst so schön sagte: „Man kann ein Problem nicht mit der gleichen Denkweise lösen wie es entstanden ist“.

Die Menschen sind verzweifelt auf der Suche nach Struktur und Sicherheit – beides schwindet immer weiter. Nur wer daran arbeitet, sich in der Ungewissheit wohlzufühlen, kann in der „neuen“ Welt gut leben.

Neue Technologien sollen eigentlich das Leben erleichtern. Doch was passiert ist, ist, dass sich durch die Reichweite unsere Optionen und unsere Sehnsüchte erhöhen. Noch vor einigen Jahrhunderten sind die Menschen zu Fuß gelaufen und waren auf einen Radius von einigen Kilometern beschränkt. Jetzt können wir jeden Tag in den Flieger steigen und um die Welt reisen.

Zukunftspläne scheinen auf sandigem Fundament gebaut zu werden – der Mensch wird sich verändern und anpassen müssen und das ist vor allem eins: anstrengend.

Auf der Suche nach Sicherheit stellen wir fest, dass alte Werte wie das rein materielle Denken, das Hochangeln an der klassischen Karriereleiter oder das ökonomische Wachstum ersetzt werden durch Werte wie Sinn, Verbundenheit und Vertrauen. Gleiches gilt für Führungsmethoden.

Was können wir also für uns selbst tun, um im Wandel nicht unterzugehen, ja sogar anzufangen, uns damit wohlzufühlen?
  • Bewusstsein schaffen: Was macht die Digitalisierung mit uns und wo sind wir selbst in der Lage, unsere eigenen Grenzen zu ziehen? Facebook, Instagram? Ist ja mal ganz schön, übt aber eine starke und oftmals ungesunde Fremdbestimmung auf uns aus. Solange wir uns dessen bewusst sind und auch mal den Stecker ziehen, kann Social Media natürlich viel Spaß machen.
  • Grenzen ziehen: Wie viel Erreichbarkeit ist wirklich nötig? Die Grenzen werden immer fließender, die viel beschriebene Life-Work-Balance ist eine Illusion. Life-Work-Blurring trifft es wohl eher. Die richtige Dosis muss jeder für sich selbst herausfinden. Manchmal kann es helfen, sich zu sagen, dass man ja nicht am offenen Herzen operiere (es sei denn, es ist wirklich so).
    Die wenigstens Angelegenheiten sind so dringlich, dass sie nicht ein wenig warten können.
  • Sinn schaffen: Der Mensch ist ein Sinnsucher, das war er schon immer. In unserer Schnelllebigkeit hinterfragen wir leider immer weniger den Sinn unseres Handelns. Und wir vergessen dabei den Abgleich mit unseren eigenen Werten und unserer Haltung. Finden wir aber unseren Sinn, so sind wir automatisch intrinsisch motiviert, die Dinge zu erledigen und haben Spaß dabei. Nur wonach soll ich suchen? Welches ist der richtige „Sinn“ für mich, was ist für mich von großer Bedeutung?
    Seinen Sinn kann man sich nur selbst erschaffen. Wertvoll ist dabei ein Abgleich der inneren Werte mit der von mir erschaffenen Außenwelt. Kopieren von anderen ist dabei übrigens: sinnlos.
    Ein Life-Coaching kann bei der Sinnsuche unterstützen.
  • Die Kreation eines stabilen Ichs: In den heutigen unsicheren, komplexen Zeiten sind wir mehr und mehr auf der Suche nach Sicherheit. Gesellschaft und Medien suggerieren uns, dass wir „unseren Kern“ suchen sollen „do what you love“ und treffen damit den Zeitgeist. Der permanente, aber häufig selbstauferlegte Optimierungsdruck, in Verbindung mit immer mehr Gestaltungsmöglichkeiten, führt meist nur zu weiterer Orientierungslosigkeit und innerem Stress. Was helfen kann, ist eine Referenzierung nach Innen – auf die inneren Werte, auf das, was mir gut tut. Und letztlich auch hier: Einfach mal den Stecker ziehen, sich zu „settlen“ und zumindest in einen Teil seiner Lebensbereiche Ruhe reinzubringen – sich für einen Ort entscheiden, für einen PartnerIn, für einen Job.
  • Wandel als Chance: Der letzte und wichtigste Punkt ist aber, die sich ständig ändernden Lebenssituationen als Trainingseinheiten zu begreifen. Sich zu sagen: „Ok, das habe ich mir nun anders vorgestellt, aber worin sehe ich hier Chancen?“ Hierin liegen echte Entwicklungspotenziale. Dabei zu versuchen, sich von äußeren Gegebenheiten frei zu machen, denn die einzige Konstante in diesem Wandel ist schließlich mein Inneres:
    Ich kann immer entscheiden, wie ich mit einer Situation umgehe. Ich kann immer an meiner Haltung arbeiten. Vielleicht bin ich dabei nicht völlig autark, aber es besteht ein großer Unterschied in der Haltung: lasse ich mich von einer Situation runterziehen oder suche ich nach den Potenzialen

Diese Haltung kann man lernen.
Mach die Situation zu deinem Coach!