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Zeitgeist: Schlechte Laune darf auch mal sein

Eigentlich war alles in Ordnung, und doch irgendwie nicht.

Denn es ist einer dieser Tage, an denen eigentlich alles in Ordnung ist – schließlich läuft doch alles ganz gut. Und doch sind da diese Emotionen, die aus dem Nichts zu kommen scheinen und das Ruder übernehmen. Emotionen, die traurig stimmen und nicht einzuordnen sind.

Die Spezies Mensch hätte dann meist gern und zwar möglichst schnell eine Antwort auf die Frage Warum? Schließlich sollte es doch in der heutigen Zeit für jede Schwierigkeit eine Lösung geben. Was aber, wenn keine Antwort kommt und das Einzige was man weiß ist, dass man sich nicht so fühlt, wie man sich fühlen möchte. Denn eigentlich ist ja alles in Ordnung, und doch irgendwie nicht.

Was also machen an und mit diesen Tagen?

Unser Kopf ist keine Maschine

Keine Frage, ich bin ein großer Fan der positiven Psychologie, von Affirmationen und lösungsorientiertem sowie kreativem Denken, aber -und dieses aber ist ganz groß- es gibt Tage und Situationen, in denen wir uns unwohl, traurig, melancholisch, bedrückt und nachdenklich fühlen DÜRFEN.

Ebenso wie wir in den letzten Jahrzenten erfahren durften, dass vieles möglich ist und wir innerhalb von Sekunden eine Buchung im Internet vornehmen können, wir kostenlos mit unseren Freunden auf der anderen Seite der Welt telefonieren können, währenddessen wir uns selbst gerade am Strand von Teneriffa befinden, oder wir ein erfolgreiches Business von unserem Garten aus mit nur einem Laptop auf dem Tisch führen können und wir gelernt haben, dass es eigentlich keine Schwierigkeiten, sondern nur Lösungen gibt, genauso dürfen wir wieder lernen, dass es manche Situationen gibt, die wir nicht ändern können.

Damit meine ich nicht, dass wir nicht an unsere Ziele glauben und für sie kämpfen sollten. Vielmehr meine ich, dass wir uns oft nicht trauen, ungute Gefühle, Sorgen, Angst oder Wut zuzulassen, da wir der Meinung sind, dass es sich nicht schickt, oder sie nicht in unsere Welt passen, es gar eine gesellschaftliche Forderung sei, immer gut gelaunt zu sein. Schließlich lassen sich unsere Gedanken ja kontrollieren und verändern, so heißt es zumindest.

Und ja, unsere Gedanken lassen sich verändern. Indem wir sie bewusst wahrnehmen, versuchen Muster zu erkennen und sie dann bewusst steuern.

Aber das ist die Theorie und zumindest ich stoße dann und wann an meine Grenzen und dann gibt es Stunden, in denen ich einfach nur dasitze und vor mich hin grüble.

Wie am vergangenen Wochenende etwa. Ich hatte mir die Zeit so wunderbar freigeschaufelt, um zu schreiben. Saß also mit meinem Notebook und `nem frisch aufgebrühten Kaffee im Garten, umringt von herrlich duftenden und wunderschönen Blumen, die Vögel zwitscherten um mich herum und dann … nichts. Keine Inspiration, keine guten Gedanken, keine Ideen. Stattdessen vollkommene Leere, keine Lust, keine Energie und über mir ein Szenario in Form der Sonne, die im minutentackt von den Wolken verdeckt wurde und meinen Gemütszustand in absolut purer Form nicht hätte besser widerspiegeln können.

Was also tun?

Akzeptieren und annehmen, statt dagegen anzukämpfen

Vor ein paar Jahren hätte ich wahrscheinlich versucht, vehement gegen meinen Gemütszustand anzukämpfen. Heute ist mir klar, dass es ein großer Unterschied ist, ob ich im Außen etwas zu fixen versuche und dafür umgehend Lösungsstrategien und das passende Werkzeug parat habe oder in meinem Kopf etwas zu dirigieren versuche, das unweigerlich mit meinem Gemütszustand und meinen Emotionen verbunden ist.

An diesen Tagen gebe ich mich also geschlagen. Erkenne diesen kleinen Kobold namens negativer Gedanken einfach an und mache nichts, was kreatives Denken oder sonstige Denkleistungen von mir abverlangt. Ich lasse meine Emotionen ihr Ding machen. Muss ich arbeiten, versuche ich meinem Gemütszustand keine große Aufmerksamkeit zu schenken, sondern anzunehmen, dass es einer von vielen in meinem Leben ist und konzentriere mich auf das, was im jeweiligen Moment gerade ansteht und wichtig ist. Habe ich frei, gehe ich meist an die Elbe und setzte mich an den Strand, stapfe im Schlick oder Wasser herum oder wandere durch den angrenzenden Wald. Für mich der größte Luxus. Und ach ja, gestern Abend gab es dann Pommes mit fetter Majo und Ketchup, statt Fitnessstudio. Und siehe da, heute ist wieder alles schick, die Welt wieder hell erleuchtet, meine Gedanken frei und frisch und der Artikel, den ich mir so zwingend vorgenommen hatte, geschrieben.

Und wenn ich noch eins erwähnen darf, ich glaube wir sollten unsere „negativen Gefühle“ nicht als Monster ansehen, sondern sie als Teil unseres Daseins begreifen. Wir sind komplexe Wesen und so ist es unser Gemüt. Und Emotionen, ganz nebenbei, dieses Wort stammt aus dem lateinischen uns bedeutet nichts anderes als „Fortbewegen“, kommt von emovere, was wiederum so viel heißt wie „heraus bewegen“. Lassen wir unsere Emotionen also einfach mal in ihrem natürlichen Zustand sein, bewegen sie sich von ganz alleine.

In diesem Sinne, lasst eure Emotionen auch mal Emotionen sein.

Much Love

Martina

Photo by Ryan Holloway on Unsplash