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Warum Feminismus auch für Männer ist

Als HeForShe in Bonn ausgezeichnet wurde, saß zwischen den aneinander gereihten Stühlen noch etwas, was sich eine gewisse Portion Stolz nannte. Stolz jener Sorte, die nicht der arroganten angehört, sondern jener, die sich auch zwischen den Zeilen von Maya Angelous Phenomenal Women lesen lässt. Oder jener Sorte, die dann mitschwingt, wenn Michelle Obama sagt: „When they go low, we go high.“

An der Decke des Saales hing jede Menge Stuck, Dekoration, ein großer Leuchter, und daneben jede Menge Wissen.  Ein Bündel aus vielerlei Wissensbrocken, so vielfältig wie all die Geschichten, die an jenem Nachmittag anwesend waren. Und die Fenster, die eigentlich geschlossen waren, waren doch sperrangelweit offen, um all dem frischen Wind zu erlauben, einmal, oder auch mehrmals, kräftig hindurch zu wehen.

HeForShe ist eigentlich gar kein Event. HeForShe ist eine ganze Bewegung.

Als Emma Watson die Kampagne eröffnete, tat sie das mit einer Rede, die direkt danach um die Welt ging. „Ich habe erkannt, dass viel zu oft das Kämpfen für Frauenrecht mit dem Hass auf Männer gleichgesetzt wird. Wenn es etwas gibt, dass ich weiß, dann, dass das aufhören muss.“, sagte sie. 

Feminist*in zu sein war so lange uncool und frech. Aber es scheint sprichwörtlich in Mode gekommen zu sein. Inzwischen steht „I’m a Feminist“ auf T-Shirts für Teenager. Auf Blöcken, auf denen sonst nur Flamingos landen. Feminismus wird langsam ein Trend. Und das ist gar nicht mal so schlecht. Jetzt muss es nur noch richtig verstanden werden.

Können Männer auch Feministen sein? Oder ist das doch nur etwas für Frauen?

Männer sollten sogar Feministen sein.

Robert Franken, Botschafter der HeForShe Kampagne, drückte das in seiner Rede so aus: „Es geht um eine Einstellung. Um eine Haltung. Um einen Anspruch, den Männer an ihre Rolle haben sollten.“

Geschlechtergerechtigkeit bedeutet, dass Rollenbilder abgeschafft werden. Sowohl für Männer, als auch für Frauen. Es gibt noch immer Erwartungen, die zu erfüllen sind. Es gibt ein Bild „Mann“ und es gibt ein Bild „Frau“. Frauen haben es dabei besonders schwer, weil ihrem Bild eher Worte wie Zurückhaltung, Feinfühligkeit, und Unsicherheit zugeschrieben werden. Auf keinen Fall Ärger oder Unabhängigkeit. Was macht nun ein Mann, der emotional ist? Was macht nun eine Frau, die selbstbewusst und unabhängig ist? Beide treten aus ihrer Rolle hinaus und ecken an.

Mann kann Männern also beibringen, „auch mal Emotionen zu zeigen“. Oder Frauen bestärken „auch mal durchzugreifen.“ Man könnte aber auch einfach von vornherein den ganzen Quatsch sein lassen, und bereits Kindern beibringen, dass sie gerne so sein können, wie sie sind. Dass man immer weinen darf, wenn man hinfällt, und sich wehgetan hat, egal ob man ein Mädchen, oder ein Junge ist.

Das Problem an Prinzessin und Pirat ist nicht, dass eine im Schloss und der andere auf See lebt. Das Problem sind die Verhaltensweisen, die dahinter stecken. Eine Prinzessin ist zurückhaltend, ein Pirat darf raufen und kämpfen. Selbst ein Prinz muss kämpfen. Auch Jungs haben eine Rolle zu erfüllen, die nicht immer zutreffend ist.

Robert Franken sagte das so: „Die Frage, um die es ginge, sei doch – Wie wollen wir in Zukunft gemeinsam leben und arbeiten?“

Wenn Männer also Feministen werden, dann werden sie zu Menschen, die sich Gedanken um Rollenbilder machen. Die erkennen, dass Rollenbilder mit Erwartungen verknüpft sind, die sowohl für Männer als auch für Frauen eine Hürde sind.

Anstelle von Charaktereigenschaften oder Persönlichkeitsmerkmalen zu sprechen, sprechen wir von weiblichen oder männlichen Eigenschaften. Anstelle eine Vielfalt zuzulassen, denken wir in schwarz oder weiß, und vergessen dabei den Regenbogen. Und das ist doch sehr schade.

Geschlechtergerechtigkeit ist eine Bewegung, von welcher alle Geschlechter profitieren. Und deshalb sind auch, und besonders, Männer ein Teil der Lösung.

Wenn es nun langsam cool wird, Feministin zu sein, vielleicht dauert es dann nicht mehr lange, bis es auch cool ist, ein Feminist zu sein. Oder bis dann ein gewisser Stolz in der Stimme schwingt, nicht der der arroganten Sorte, wenn ein Mensch sagt – „Yes, I am a feminist.“

Photo by Julie Johnson on Unsplash