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Lissabon – Ein Reisebericht

There is a crack in everything, that´s how the light gets in!
(Leonard Cohen)

Über das lange Oktober-Wochenende im letzten Jahr war ich in Lissabon. Und ich bin schwer verliebt in diese charmante Stadt. Eine Stadt voller Gegensätze. Nicht nur aufgrund der vielen Hügel und Höhenunterschiede geht es auf und ab, auch emotional wird es nicht langweilig: morbide, nahezu ruinenartige Häuser stehen neben bunten, gepflegt gekachelten Stadtvillen. Sonnendurchflutete Gassen werden teilweise von langen, tiefen Schatten verdunkelt, die Schutz vor der Mittagshitze spenden. Traditionsreiche, alteingesessene Restaurants und Läden konkurrieren mit Burgerketten, Zara, H&M und co.

Lautbefahrene Straßen, stille Parks.Trendsahne in Lissabon

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Ab Hamburg sind wir mit RyanAir geflogen – der einzige Direktflug. Leider mussten wir hier ein wenig tiefer in die Tasche greifen. Wir wohnten in einem einfachen, sehr sauberen Hotel ohne große Extras (Lisbon City Hotel) nördlich von Baixa, nur 2 Stationen der zentralen Haltestelle “Rossio” entfernt. Das war von der Lage nicht verkehrt, insbesondere die Anbindung zum Flughafen war sehr gut. Generell kommt man mit Öffis gut durch die Stadt.

Trendsahne in LissabonIhr solltet unbedingt Turnschuhe anziehen! Alles andere ist aufgrund der Hügel und des Kopfsteinpflasters eine Tortur.

Am ersten Tag sind wir mit unseren Kameras einfach losmarschiert. An jeder Ecke entdeckten wir knipsenswertes, sodass der Fussweg sehr lange gedauert hat. Da es sehr heiß war, haben wir auch häufiger ein Päuschen eingelegt: schnell mal einen leckeren Kaffee, ein Kaltgetränkt oder einen Porto geschlürft…hhhm.

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Wir sind also durch die Gassen hoch zum Castelo S. Jorge, weiter zu einem ganz tollen unkommerziellen Flohmarkt Richtung Baixa, der dort jeden Samstag ist. Er liegt in der Nähe des Marktes Feira da Ladra am Campo de Santa Clara, übersetzt “Markt der Diebe”. (Passiert ist zum Glück nix in der Art 😉 )

Abends stürzten wir uns in Alfama oder im Barrio Alto in die Restaurant- und Barszene. Wenn man in eines der typisch portugiesischen Restaurants einkehrt und gegrillten Fisch und einen Hauswein bestellt, kann man fast nichts falsch machen. Am besten gefallen und geschmeckt hat es mir hier im Maria Catita (Rua dos Bacalhoeiros 30a).

Ein weiterer Tipp war das Taberna Moderna in der gleichen Staße wie das Maria Catita, leider hatten wir nicht reserviert und konnten nur einen Blick ins eher stylische Interieur riskieren.

Am zweiten Tag sind wir raus nach Belém. Auf dem Weg dorthin landeten wir in einer alten Industriehalle, die durch diverse Foodshops gefüllt war. Leckereien überall!!!

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Dieses Viertel sollte man gesehen haben, auch wenn der Torre de Belém, das Wahrzeichen, in dem unter Manuel I. Rhinozeros als Zeichen der Verteidigung gelebt haben, für mich gar nicht so das Highlight war 😉 Ganz schön lütt, das Ding, aber für Geschichtsfreaks natürlich ein „Muss“. Man kann mit der E15 runterfahren, eine Fahrt, die man unbedingt gemacht haben sollte. Ruckelnd, zuckelnd geht es am Wasser entlang und später durch die Gassen. Vorher haben wir noch versucht, auf den Friedhof in Ajuda zu kommen, der oberhalb von Belém liegt, leider war er schon geschlossen.

Trendsahne in Lissabon
Auf dem Rückweg in die Innenstadt hielten wir noch an, um zur XL Factory in der  zu gelangen. Das war für mich ein kleines Highlight: eine Mischung aus Flohmarktständen und kommerziellen, aber sehr individuellen Designerlädchen sowie Futterstellen überall! Unter anderem die “Cantina”.

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Wir haben uns erstmal eine kleine Käseplatte einverleibt 🙂

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Am dritten und letzten Tag wollten wir gucken, was die Shopping Straße „Rua Augusta“ so hergibt: relativ unspektakulär reihen sich die bekannten Filialisten wie Zara, H&M, Intimissimo aneinander. Interessanter fanden wir in der Tat den “Triumphbogen”, den “Arco da Rua Augusta”, auf den man hinauf kann, um eine tolle Aussicht zu genießen.

Sicht von Arco da Augusta

Die Parallelstraße der Rua Augusta ist eine kleine Futtermeile mit zahlreichen Restaurant und Bars, wo man nett eine Kleinigkeit zu sich nehmen kann.

Kurz überlegten wir, uns dann noch mit dem Tucktuck kutschieren zu lassen, ein beliebtes Fortbewegungsmittel der Touristen, entschlossen uns aber dagegen.  Stattdessen kauften wir noch die ein oder andere Delikatesse: Wurst vom Iberischen schwarzen Schwein (ich esse ja kein Schwein, aber ich weiß schon, wer sich darüber freut), sowie die wunderschönen designaward-verdächtigen Konservendosen von Lachs- und Thunfischpaté und Sardinen.

Trendsahne in Lissabon

Abends wollten wir das Barrio Alto erobern. Weit kamen wir nicht, so entdeckten wir doch diesen tollen Platz mit Tischen, die zu einem Restaurant und einem Kiosk gehören: stundenlang beobachteten wir bei einem Kaffee und einem Porto die Menschen, die dort aßen, tranken, lachten und gestikulierten.

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Das absolute Highlight war für mich aber die Dachterrasse „Park“ – etwas versteckt in der Calcada do Combro 58. Auf dem Dach eines Parkhauses (am Parkautomaten vorbei das Treppenhaus hoch). Bewusst haben wir die „blaue Stunde“ abgewartet und sind dann hoch: uns erwartete ein entspannter Pulk junger Leute, chillige Musik und ein traumhafter Blick über die Dächer Lissabons – und das bei einem schönen Glas Rosé, der Moment, wenn sich alles perfekt anfühlt. Da hab ich schon ein bisschen Pipi in die Augen bekommen.

Trendsahne in Lissabon - Park Dachterasse

Endlich im Barrio Alto angekommen gab es zum Abschluss noch einmal gegrillten Fisch und Rotwein.

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Lissabon mit all seinen Gegensätzen symbolisiert für mich das Leben: Höhen und Tiefen, Licht und Schatten, laut und leise, schön und runtergerockt. Überall sind Risse drin, so kommt das Licht herein. Ich bin verliebt.

Ward ihr schon mal dort?
Falls nicht, ich kann euch diesen Kurztrip sehr empfehlen.