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Der Weg zu mehr Verantwortung – für sich und andere

Mit Verantwortung lässt sich auf ganz unterschiedliche Weise umgehen: Die einen geben sie gerne ab oder weisen sie von sich, die anderen nehmen sie schnell auf sich.
Für ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt ist es jedoch notwendig, dass jeder die Verantwortung für sein Tun übernimmt und auch die Bedeutung davon kennt.

Menschen neigen dazu, sich zu rechtfertigen, schnell anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben und die Verantwortung woanders zu suchen. Der Grund: Keiner will etwas Falsches tun oder sich moralisch verwerflich verhalten.
Das Bedürfnis, nicht negativ aufzufallen, kennen die allermeisten von uns.

Ein Beispiel zum Thema Nachhaltigkeit, das zurzeit nicht umsonst in aller Munde ist: Die einen versuchen, Plastik zu vermeiden, leben vegetarisch oder verzichten aufs Fliegen. Manche dagegen leben so, als gäbe es keinerlei Probleme auf der Erde. Sie produzieren bergeweise Müll, essen alles, ohne über die Herkunft oder die Produktion nachzudenken, und setzen sich jedes zweite Wochenende ins Flugzeug.

Wir leben in einem freien Land, wir dürfen in gewissem Rahmen tun und lassen, was wir wollen. Aber sollten wir das auch?
Freiheit und Verantwortung passen nicht besonders gut zusammen. Sind wir angesichts der Klimakrise, der absurden Ausbeutung von Menschen und Tieren, der Vermüllung der Ozeane und weiterer Probleme also nicht alle in der Pflicht, etwas zu unternehmen?

Jeder Einzelne hat Einfluss

Ich sage: Ja, das sind wir! Und wenn ich mich umsehe, merke ich ganz deutlich, dass viele bereit dazu wären. Leider kommt ein Glaubenssatz jedoch allzu oft dazwischen. Und zwar kennt ihn wahrscheinlich jeder von uns: „Was kann ich als Einzelner schon bewirken?“ Schon war es das mit dem Aktivsein.

Die Wahrheit aber sieht anders aus. Sogar der kleinste Stein zieht im Wasser Kreise, und so ist es auch in unserer Gesellschaft.
Ein Beispiel: Ich selbst verzichte seit vielen Jahren auf Fleisch und merke oft, wie viel Interesse zum Thema besteht, wenn wir uns darüber austauschen. Andersherum bin ich dankbar dafür, dass mir eine Freundin von den Auswirkungen von Mikroplastik erzählte und ich meinen Körper nun nicht mehr mit schädlichen Stoffen belaste. Gute Dinge sprechen sich herum und verbreiten sich – dieses Potenzial sollten wir nutzen.

Weil die Umweltprobleme immer ernster werden und unseren Lebensraum, unser Klima und unsere Zukunft bedrohen, stehen wir alle in der Verantwortung, etwas zu tun. Schon allein, um den nachfolgenden Generationen ein gutes Vorbild zu sein, sodass sie hoffentlich mehr und immer mehr bewegen.
Ein zu kleines Licht, das nichts ausrichten kann, gibt es nicht.

Viele kleine Kreise sind besser als gar keine

Ich höre oft den Satz, dass etwas keinen Wert hat, wenn man es nicht zu 100 Prozent macht. Auch das ist ein Irrglaube. Ich gebe ja auch dem Straßenmusiker an der Ecke einen Euro, obwohl ich nicht allen anderen Straßenmusikern auf der ganzen Welt etwas geben kann. Diesem einen tue ich damit etwas Gutes, und obwohl es nur wenig ist, hat es eine große Bedeutung. Am Ende des Tages hat er möglicherweise genug Geld, um sich eine Gitarren-Unterrichtsstunde zu leisten – was nicht möglich wäre, wenn jeder Passant gedacht hätte: „Wie kann ich als Einzelner ihm schon helfen?“

Nur weil man die direkten Auswirkungen nicht deutlich vor sich sieht, heißt das nicht, dass es keine gibt. Das fehlende Fleischstück auf dem Teller erzählt mir nichts davon, dass der Fleischverzehr zurückgeht. Aber die Statistiken tun es. Angesichts der Tatsache, dass ein Vegetarier in einem Jahr ungefähr elf Hühnern das Leben rettet, indem er sie nicht isst, und 521.542 Liter Wasser einspart, ist das ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
Jeder, der hin und wieder einen Veggie-Tag einlegt, das Gemüse lose aufs Band legt oder Bahn statt Auto fährt, tut etwas Gutes und Wichtiges.

Noch einmal zurück zu meinem Herzensthema.
Die Verantwortung, mein Leben möglichst tierfreundlich zu leben, ergibt sich für mich schon allein aus meiner Tierliebe. Ich habe das Gefühl, etwas für den Tierschutz tun zu müssen – weil ich mich ohnehin jeden Tag mit Tieren beschäftige. Alles, was mit der Tierwelt zusammenhängt, interessiert mich brennend. Durch meine Gedanken dazu, fühle ich mich in der Verantwortung, einen Beitrag zu leisten. Wer sich über Plastik im Meer beschwert, weil er gern taucht, kann dort anpacken, Strände aufräumen und plastikfrei einkaufen. Flüchtlingen helfen, Patenschaften übernehmen, in der Tafel Essen ausgeben – es gibt unzählige Möglichkeiten!

Neben dem direkten Einfluss gibt es übrigens noch einen weiteren Grund, aktiv zu werden und nach seinen Überzeugungen zu leben: Es ist eine Form der Demokratie, für eine Sache einzustehen, für die der Staat zu wenig tut. Die Gesellschaft profitiert davon, aber auch das politische Klima kann mit einer veränderten Lebensweise nach und nach beeinflusst werden. Es ist an der Zeit, dass mehr Menschen sich ihrer Verantwortung bewusst werden.

Denn wenn nicht wir, wer denn dann?

Photo by Cristina Gottardi on Unsplash