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Berufswunsch: Autorin. Bin ich zu utopisch?

„Du bist Autorin?“
Ist der erste Satz, den ich höre. „Kann man davon leben?“ und
„Was schreibst du, wie viel schreibst du? Zu utopisch? Doch keine zehn Bücher im Jahr, kein Buch in der Woche?“
Doch – und all diese Bücher vermehren sich mit täglicher Routine, schlummern in der Schublade, warten darauf, ausgepackt und präsentiert zu werden.

Berufswunsch: Autorin – und die darauffolgende Frage
„Bin ich zu utopisch?“ Nein und zum Glück: Nein, bin ich nicht.
Denn hätte ich mich mit der Frage aufgehalten, ob das alles überhaupt möglich ist, wäre es nicht möglich geworden.

Steh für deine Träume ein, denn alle anderen werden das Gegenteil tun – Geh all-in

Wie für so viele Träume, Wünsche und Utopien bedeutet es hier für dich, für mich und für andere Träumer: dranbleiben, dabei sein, festhalten, weiterkämpfen.
Du darfst und sollst träumen – Es ist so wichtig, sich die schönen Dinge in Gedanken auszumalen und sie zu kreieren.
Im Kopf beginnt, was später echt wird.
Du möchtest Chart-Sängerin werden, aber deine beste Freundin hält dich beim Karaoke-Abend zurück? Du möchtest Radio Controlled Cars filmen und auf die Leinwand bringen, aber deine 90s-Guys finden, die Blütezeit der RC-Cars ist vorbei? Du möchtest etwas Kunstvolles, Selbstständiges schaffen, aber die Anderen erinnern dich an die Unsicherheit, die mit diesem Schaffen einhergeht? Kommt dir bekannt vor?
Diese Einwände von deinem Umfeld dürfen dich nicht hindern.
Und: Wenn du jemanden gefunden hast, der dir sagt „Ja, Mann, mach das. Probier‘ das aus.“ Dann gib ihm ‘nen High Five und sei dankbar dafür. Denn das ist nicht immer selbstverständlich. Es wäre jetzt nicht genug und ziemlich abgelutscht, dir zu sagen, dass du einfach dein Ding machen sollst. Denn darum geht es hier ohnehin. In diesem Text möchte ich motivieren – zum Träumen, zum Dranbleiben. Mach das, was du magst, zu deiner Berufung – oder versuch es zumindest.

Was es für mich bedeutet, die Berufung gefunden zu haben

Es ist nicht so einfach, meinen Job in angemessene Worte zu kleiden und zu beschreiben. Worte, die der Leidenschaft dieses Berufs gerecht werden. Ich würde dir eine Lüge erzählen, wenn ich sage, dass ich eigentlich schon immer geschrieben, gelesen, Kafkas Werke in meinem Regal bewundert habe. Nicht schon immer, doch für eine Zeit, die für mich von großer Bedeutung war. Der alles-verändernde Moment war eigentlich, als ich begriff, dass dies mein Weg ist.
„Curly, du wirst nicht Rechtsanwältin, nicht Tierärztin, nicht IT-Profi. Wie wäre es mit Kulturmanagement? Schon eher, aber: Nein!
Und Grundschullehrerin? Darin wärst du nie gut geworden. Was ist mit Journalistin? Trifft‘s schon eher, aber nicht für immer.“ Es ist nicht so, dass ich mir unsicher war, was ich werden wollte. Ich wollte schon immer Schriftstellerin werden und der Moment, an dem ich anfing, täglich zu schreiben, zu lesen, Fachliteratur auf einen Berg, den ich angehe, zu schmeißen und wirklich hart dafür zu kämpfen – der Moment war es, an dem ich begriff, dass es zwar lange dauern kann, doch passieren wird. Weil es das Richtige ist. Weil es sich gut anfühlt. Richtiger geht’s nicht. Phänomenal, unersetzbar, Liebe in jedem Wort auf dem Papier. Begonnen mit Dachboden-Typewriter, fortgesetzt auf Papier bis hin zu den ersten Romanen, die so Beginner waren, dass sie direkt in eine Schublade verbannt wurden, die ich nur noch aus Jux anrühren würde.
Na ja, so bin ich hier, balanciere auf meinem Herzensweg.
Weiß zwar, dass ich immer wieder fallen werde, aber weiß noch besser, dass ich aufstehen kann, mich nicht runterkriegen lasse – dass ich auf dem richtigen Stolperweg balanciere.

Ein langer Weg – den ich mit einem Strahlen gehe

Manchmal fragen mich Menschen, wie ich das schaffe, glauben mir nicht, wenn ich ihnen sage, was ich tue, geschafft habe und glaube, zu schaffen. „Woher nimmst du die Motivation?“ Um eine einfache Antwort zu geben, würde ich sagen, sie ist einfach da. Aber das wäre gelogen. Sie ist nicht einfach da. Ich habe sie mir aufgebaut, weil ich daran glaube, dass Träume echt und Wünsche wahr werden.
Club 5am, laufen gehen, fit sein, Motivation tanken, meditieren, Schreiben, bis die Finger bluten, Routine-Aufgaben machen,
ein bisschen studieren und abends Rock’n’Roll – wieder vor der Schreibmaschine. Nebenbei springt auch noch ein bisschen Zeit raus, um das Geschriebene zu erleben. Alles in allem bin ich mehr Organisationstalent als Vollzeit-Studentin, mehr Schreibmaschine als Belletristik-Leserin, mehr Learning-by-Doing-Girl als Textleserin, mehr Kleinstadtmädchen als Metropolen-Studentin, mehr 60er-Jahre-Liebhaberin als Neuzeitheldin, mehr Journalistin als Kulturwissenschafts-Fan, mehr Introvertiert mit Geschichte als Dramaprinzessin, mehr Shortstory-Schreiberin als Lernjunkie der Wissenschaft, mehr Mitternachtsteetrinkerin vorm Manuskript als Partygirl ohne Story. Und doch kriege ich alles unter einen Hut, schreibe mehr als ich studiere und tue das, um den Traum leben zu können. Ich möchte Autorin werden.

Das Schreiben bedeutet für mich das Spreaden aller Gefühle, egal welche. Es bedeutet die absolute Loslösung von der Realität, wenn diese mir zu viel wird. Es bedeutet für mich Freiheit, das zu erschaffen und zu kreieren, was mir gefällt. Es bedeutet Unterschlupf in der selbstgeschrieben Barbiepuppen-Zuckerpuppenwelt zu finden, sofern ich das möchte. Es bedeutet zu verschwinden und gleichzeitig so präsent wie nie zu sein. Ich habe mich unglaublich in diesen Beruf verliebt, ins Schreiben, ins Erschaffen und Kreieren von Geschichten, von Bildern und Metaphern. Es fühlt sich an wie eine nie enden wollende Reise über Storys, Erlebnisse und Komfortzonen-Kicks, die einen unglaublich großen Teil von mir ausmachen. Es ist mein kreativer Rollercoaster, schreiben zu können, es zu meiner täglichen Arbeit zu machen.

Bin ich zu utopisch? Nein, immer noch nicht und niemals. Denn es gibt kein zu utopisch, wenn es um den Traum, den Wunsch, den Herzensweg mit all seinen Herausforderungen geht.
Und ich kann es kaum erwarten, auch andere anzustecken, auf diese Reise zu Herzensprojekten mitzunehmen und diese in mir wohnende Liebe, die ich dem Schreiben widme, teilen zu können. Einfach all-in gehen und die, die sich nach ihren Träumen sehnen, an die Hand nehmen.

Was ist dein Traum? Wo beginnt dein Herzensweg?

Curly Sue Glander

Photo by rawpixel on Unsplash