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Unternehmensschwächen – Eine Chance für die eigene Positionierung

Jeder kennt sie. Jeder hat sie: Schwächen. Neben unseren zahlreichen Stärken hat auch jeder von uns ein paar Schwächen. Manche dieser sind stärker ausgeprägt, andere wiederum sind klein und wir bezeichnen sie auch gerne liebevoll als unsere kleinen Macken.

Egal, ob groß oder klein, Schwächen nehmen Einfluss auf unser Leben. Je nach Größe natürlich stärker oder weniger stark. Manche Schwächen sind sogar so ausgeprägt, dass sie uns dazu bringen Situationen zu vermeiden. Im Privaten herrscht meist eine höhere Akzeptanz für mögliche Schwächen und die Möglichkeiten zur Gestaltung, unter anderem auch das Vermeiden von Situationen, sind vielfältig. Außerdem macht es einem persönlich meist weitaus weniger aus, die eigenen Schwächen gegenüber anderen zu zeigen oder anzusprechen.

Im beruflichen Umfeld sieht das meist anders aus. Hier bietet sich nicht immer die Möglichkeit, ausschließlich seine Stärken zu zeigen. Wenn offenes Zeigen der Schwäche keine Option ist, dann ist guter Rat teuer.

Schwächen sind etwas Menschliches – genau wie Unternehmen

Persönliche Schwächen kennen wir alle. Aber auch Unternehmen haben Stärken und Schwächen. Denn hinter einem Unternehmen stehen letztendlich Menschen, die es erschaffen haben und formen. Die Größe des Unternehmens spielt dabei erstmal keine so wichtige Rolle.

Als PR-Beraterin weiß ich, dass vor allem die Stärken ins rechte Licht gerückt werden wollen. Doch bevor ich mit der Platzierung eines Unternehmens beginne, schaue ich mir neben den Stärken auch die Schwächen des Unternehmens an. Denn nicht nur die Stärken eines Unternehmens machen den einmaligen Charakter aus, sondern auch dessen Schwächen. Genauso wie es auch bei den Menschen ist, die dahinterstehen.

Für die PR-Arbeit lohnt sich eine genaue Analyse der Stärken und Schwächen eines Unternehmens. Denn neben kleinen Macken, die den Kern eines Unternehmens durchaus formen können, stehen größere oft im Weg oder provozieren sogar Krisen.

Die Stärken und Schwächen des Unternehmens zu kennen ist essenziell für die Positionierung, die gesamte Kommunikation des Unternehmens und letztendlich auch für die Reputation.

Bei der Aufarbeitung der Schwächen hilft ein methodisches Vorgehen, welches abschließend vor allem Lösungsansätze bietet.

Schwächen analysieren

Bevor es daran geht Schwächen zu überwinden oder sogar gezielt zu nutzen, müssen diese zunächst einmal gefunden werden. Manche Schwächen stehen einfach so im Raum, sind für jedermann sicht- und greifbar. Andere wiederum haben sich mit den Jahren ins Unternehmen eingeschlichen oder sind im Alltagstrott aus dem Blickwinkel verloren gegangen.

Um wirklich alle Schwächen zu finden, muss man sorgsam vorgehen und die Dinge von innen und außen betrachten. Beginne bei dir selbst: Welche Schwächen des Unternehmens siehst du? Wenn du Mitarbeiter hast, frag auch hier nach möglichen Schwachstellen. Notiere alle Punkte ungefiltert und unkommentiert.

Nun geht es an die äußere Wahrnehmung der Schwächen. Sprich mit deinem Unternehmensumfeld darüber, welche Schwächen gesehen werden. Dabei kannst du auch deine Kunden einbeziehen.
Ich empfehle hier die gezielte und direkte Ansprache anstelle von Online-Umfragen oder standardisierten Umfragen im Allgemeinen. Die Reaktionsquote auf solche Aktionen ist meist gering und die Aussagen oberflächlich. In einem persönlichen Gespräch kannst du jedoch gleich nachfragen: Was meint der Kunde genau? Worauf bezieht er sich? Woher kommt seine Meinung? Auch alle Aussagen ihrer Kunden notierst du auf einer Liste.

Schwächen prüfen

Nachdem du nun vermutlich eine ganze Reihe von Punkten gefunden hast, musst du die Schwächen prüfen. Damit ist nicht gemeint, dass du einfach generell alle Punkte, die dir nicht passen oder die du zunächst nicht verstehst, von der Liste streichst. Sondern, dass du nochmal genau hinsiehst, was dahintersteckt und ob dies ein generelles Problem deines Unternehmens darstellt.

Beispielsweise hat ein Kunde darauf verwiesen, dass die Kommunikation zu langsam sei. Du kannst dir diesen Vorwurf jedoch erstmal nicht erklären, da du deine Emails stets zügig bearbeitest. Bei näherem Hinsehen stellt sich vielleicht heraus, dass dein Kunde nicht versucht hat, dich per E-Mail zu erreichen, sondern über die sozialen Medien. Deine Schwäche läge dann nicht bei einer zu langsamen Kommunikation, sondern darin alle Kommunikationskanäle deines Unternehmens im Blick zu haben. Hier bliebe dann zu prüfen, ob es sich um einen Einzelfall handelte oder dies ein generelles Problem darstellt.

Notiere auf deiner Liste, was der Kern der Schwäche ist und ob es ein einmaliges und generelles Problem ist. Dieses Vorgehen hilft dir beim nächsten Schritt.

Ein weiterer Schritt bei der Prüfung stellt die Übereinstimmung der Fremd- und Eigenwahrnehmung da. Überprüfe welche Schwächen sowohl von innen als auch von außen wahrgenommen wurden.
Hier unterscheidet sich oft die Intensität der Wahrnehmung. Manche Schwächen werden von außen stärker wahrgenommen als von innen. Sind bei der Schwäche keine internen Abläufe betroffen, empfehle ich die Wahrnehmung des Kunden in den Vordergrund zu stellen. Denn die beschreibt deine Außenwahrnehmung, die als solides Fundament für deinen Unternehmenserfolg dienen soll.

Schwächen clustern

Nachdem du die Schwächen nun intensiv erarbeitet und in einem ersten Schritt geordnet hast, geht es daran diese zu clustern.

Dabei ist vor allem entscheidend, wie sich die Schwäche auf dein Unternehmen auswirkt. Eine hohe Auswirkung bedeutet, dass eine direkte Gefährdung für dein Unternehmen besteht. Der zweite wichtige Faktor für die Clusterung ist der Schwierigkeitsgrad für die Veränderung. Hier sind vor allem die benötigte Zeit und das notwendige Budget zur Veränderung maßgeblich.

Grafik_Schwächen priorisieren

Indem du die Schwächen den zwei Parametern zuordnest, erhältst du einen besseren Überblick und zugleich eine klare Prioritätenliste. Besonders die Schwächen, die hohe Auswirkungen auf dein Unternehmen haben, sollten an erster Stelle behandelt werden.

Schwächen optimieren und für die Positionierung nutzen

Drei der vier Schwächen-Cluster solltest du für die Optimierung nutzen. Sie haben eine hohe Auswirkung auf dein Unternehmen und die Optimierungen werden dir helfen, dein Unternehmen voranzutreiben.

Schwächen, die eine hohe Auswirkung auf dein Unternehmen haben, sich aber schnell und kostengünstig verändern lassen, solltest du direkt umsetzen.
Bei Schwächen, die zwar ebenfalls einen hohen Wirkungsgrad auf das Unternehmen haben, jedoch Zeit und/oder ein hohes Budget benötigen, lohnt sich die Anfertigung eines Maßnahmenkatalogs. Hier solltest du festhalten, wie genau du gegen die Schwäche vorgehen willst und welche Mittel dazu in welchem Zeitrahmen notwendig sind. Behalte diese Schwächen stets im Blick, denn wie bei einem Brand reicht hier oft ein kleiner Funke, der eine Krise auslösen kann.

Als nächstes solltest du die Schwächen angehen, die eine kleine Auswirkung haben und sich schnell und einfach beseitigen lassen. Diese werde dich keine großen Mühen kosten und dennoch optimierst du an dieser Stelle weiter dein Unternehmen.

Die verbleibenden Schwächen (schwierige Veränderung, kleine Auswirkung) kannst du zwar natürlich auch optimieren, jedoch wirst du hier keinen großen Nutzen erzielen und dich über die Zeit und das investierte Geld ärgern.

Besser ist es, sich genau diese kleinen Schwächen herauszupicken und gezielt für die Unternehmenswahrnehmung und -kommunikation einzusetzen. Und das sogar offensiv.
Denn Schwächen, die du nicht verändern kannst, solltest du nicht verstecken, sondern zu deinem Vorteil nutzen.

Stelle dir z.B. eine private Schule vor. Diese Schule ist jedoch räumlich sehr eingeschränkt, so dass nur eine kleine Anzahl an Schülern aufgenommen werden kann. Diese vermeintliche Schwäche könnte nur durch enorme finanzielle Aufwendungen verändert werden. Die Auswirkungen bleiben jedoch gering, da der Markt an Interessenten grundsätzlich relativ klein ist.
Die Veränderung wäre zwar möglich, das Ergebnis jedoch nicht ansatzweise zufriedenstellend. Anstatt diese Schwäche nun zu verändern oder zu verstecken hat sich das Unternehmen vorgenommen, die Vorteile von kleinen Lerngruppen zu nutzen und in den Fokus ihrer Unternehmenskommunikation zu bringen.

Dieses Beispiel ist nur eines von vielen und diese Methode lässt sich bei jeder Schwäche mit kleiner Auswirkung und hohem Veränderungsaufwand anwenden.
Arbeite mit deinen Schwächen und nicht dagegen. Optimiere die innere und äußere Wahrnehmung – versuche nicht, Schwächen zu verstecken, sondern diese offensiv für das Standing deines Unternehmens zu nutzen. Dadurch erlangt dein Unternehmen eine höhere Authentizität und eine gelungene Positionierung.

Tipp: Das methodische Vorgehen lässt sich nicht nur für Unternehmen anwenden, sondern kann auch personenbezogen durchgeführt werden.
Dann bietet es eine hervorragende Möglichkeit der Persönlichkeitsentwicklung.

 

 


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