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Wenn die Eltern alt werden – was nun?

Ich war mal wieder zu Besuch bei meinen Eltern und aus diesem Anlass möchte ich meinen Artikel „Die Eltern werden alt – und nun?“ nochmal zur Verfügung stellen. Wie ergeht es euch damit?
Mehr und mehr mache ich mir meine Gedanken… meine recherchierten Tipps und Quellen für den Fall der Fälle findet ihr im Artikel.

Meine Eltern sind Mitte 70 und recht fit. Älter werden wir alle. Was aber, wenn unsere Eltern zu Sorgenkindern werden? Meist ist es ein schleichender Prozess, ein „nicht-Wahrhaben wollen“, aber irgendwann wird klar: die Eltern können nicht mehr allein.
Sie brauchen Hilfe. Bestenfalls helfen sie sich noch gegenseitig.
Aber irgendwann ist nur noch eine(r) da und auf Hilfe angewiesen.
Wenn ich das Thema anspreche, reagieren sie mit „Der Mensch denkt, Gott lenkt“. „Wir können doch eh nicht alles planen, woher sollen wir wissen, was kommt?“ Ja, gut und schön, dass sie nicht so eine Panik schieben… aber ein paar Leitplanken gibt es da schon abzustimmen. Ich bin Einzelkind und fühle mich in der Verantwortung.
Klar ist aber auch, dass ich – 230 km vom Wohnort meiner Eltern entfernt lebend – mein Leben hier nicht aufgeben will.
Meine Eltern leben am Stadtrand in einer kleinen Siedlung mit wenig Infrastruktur. Dort leben sie seit über 40 Jahren und haben sich, gesellig und hilfsbereit wie sie selbst sind, einen tollen Freundeskreis aufgebaut. Beruhigend ist also, dass dort viele ältere Menschen leben, deren Kinder ich zum Teil auch kenne, die sich die gleichen Gedanken machen.
Beruhigend ist auch, dass vor Kurzem eine Dame um die 60 in die Wohnung meiner Eltern im 2. Stock eingezogen ist. Vorher hat dort ein alter Herr gewohnt, der viel mehr als ein Mieter war. Er kam oft zum Kaffeetrinken vorbei oder auch mal zum Kartenspielen. Es ist also eine richtige kleine Gemeinschaft entstanden. Letztes Jahr musste er in ein Pflegeheim und ist ganz kurz darauf leider verstorben. Diese Nachbarschaftshilfe gibt es in Kleinstädten viel eher.

Tja, also was gibt es denn für Möglichkeiten, wenn es wirklich ernst wird? Ich kann ja nicht ewig auf die Nachbarn oder die Mieterin setzen, nach Hamburg verpflanzt werden wollen meine Eltern übrigens auch nicht.

Ich habe ein wenig recherchiert.
Wichtig ist das Thema Patientenverfügung (übrigens auch für einen selbst) – MACHEN! Auch das Finanzielle muss geregelt sein – komme ich an die Konten? Welche gibt es überhaupt?
Seit 2009 hat man übrigens, wenn ein Familienmitglied längerfristig Unterstützung braucht, Anspruch auf eine unabhängige kostenlose Beratung, bei der auch ein Hilfeplan erstellt wird.

  • Wo gibt es diese Beratung? Bei rund 430 Pflegestützpunkten deutschlandweit. Einen Stützpunkt in eurer Nähe findet ihr hier.
    Viele hilfreiche Tipps liefert auch das Portal des Bundesfamilienministeriums. Dort gibt es auch Broschüren, die bei der Entscheidung unterstützen wie z.B. „Auf der Suche nach der passenden Wohn- und Betreuungsform“. Die Hefte kann man sich unter publikationen@bundesrregierung.de oder telefonisch bestellen unter 030-182722721.n
  • Falls eine vollstationäre Pflege notwendig wird, bietet Seniorplace kostenlos Beratung und Vermittlung an. Dort gibt es auch eine Datenbank mit allen ca. 13500 deutschen Heimen, teilweise mit Bewertung durch Angehörige.
  • Die Stiftung Trias hat eine Datenbank für Wohnprojekte zusammengestellt. Hier klicken. Auch das „Forum Gemeinschaftliches Wohnen“ hilft Leuten, die ein Wohnprojekt suchen oder planen und kennt Fördermöglichkeiten.
  • Ein Platz in einem deutschen Heim kostet um die 3.000 Euro im Monat. In Osteuropa um die 900 Euro. Informationen gibt es hier. Weitere Informationen zu Auslandseinrichtungen, auch Thailand oder Philippinen, gibt es hier.
  • Ich persönlich denke manchmal nach, eine kleine Wohnung in einem „betreutes Wohnen-Komplex“ zu kaufen, um diesen zu vermieten, ggf. den Eltern zur Verfügung zu stellen und vielleicht auch für einen selbst irgendwann? Aber so richtig verfolge ich den Gedanken auch nicht…

Die Lösung, die meine Eltern anstreben, ist eine (Pflege-) Kraft vor Ort in Kombination mit Essen auf Rädern. So die Gesundheit mitmacht. Hoffen wir das Beste.

Was geht in euren Eltern vor? Wie zugänglich sind sie dem Thema gegenüber? Oder verdrängen sie die Zukunft auch gern mal?

 

Photo by Matthew Bennett on Unsplash