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Dein goldener Reichtum wartet in dir

Stell dir vor, es fragt dich jemand, ob du wirklich bereit bist zu ernten, was du in den vergangenen Monaten gesät, gepflegt und gehegt hast, und dein freudiges „Ja, klar!“ des allerersten Moments wandelt sich binnen weniger Sekunden zu Enttäuschung und Traurigkeit. Wie das sein kann, dem habe ich mal genau nachgespürt.

Die alt bekannten Werkzeuge

Als mir eine liebe Freundin vor kurzem genau diese Frage stellte, schien meine Antwort klar zu sein. Die Monate zuvor hatte ich als zäh, wenig erfolgreich und als alles andere als ertragreich erlebt. Und so dachte ich, dass es schon schön wäre, endlich mal wieder etwas ernten zu können.

Kaum hatte ich also die Frage vernommen, machte sich mein Verstand auch schon ans Werk. Er betrachtete, überprüfte und analysierte sämtliche Lebensbereiche. Dafür griff er mit schlafwandlerischer Sicherheit in jene Schublade, die seiner Meinung nach für diese Angelegenheit am besten geeigneten Messwerkzeuge enthielt. Die, die sich in all den Jahren, in denen er mir schon diente, am besten bewährt hatte. In ihr fand er außer den Werkzeugen auch diverse Tabellen und Diagramme, mit deren Hilfe er die Fakten und Zahlen, die seine Messungen ergaben, vergleichen, einordnen und bewerten konnte. Seine Listen, die vom vielen Benutzen schon ziemlich abgegriffen waren, trugen Titel wie Höhe des Kontostands, Anzahl und Größe der aktuellen Projekte, damit verbundener Umsatz, Umfang des Netzwerks, Größe und Lage der eigenen Wohnung etc. – also alles Parameter, die wunderbar sichtbar und überprüfbar waren. Als er seine Analyse beendet hatte, teilte er mir mit, dass er keine Anzeichen dafür finden konnte, dass in diesem Jahr eine reiche Ernte zu erwarten wäre.

Ein Ergebnis, das nach seinen Maßstäben alles andere als zufriedenstellend war. Da er sich aber auf das Lösen komplizierterer Aufgaben besonders spezialisiert hatte, und er mir mit all seinen Kräften hilfreich zur Seite stehen wollte, gab er noch nicht auf und machte sich stattdessen mit einigen neuen Fragen an die Arbeit: War denn überhaupt etwas gesät worden? Was genau? Und wann? War das beste Feld mit den optimalsten Bedingungen für die Aussaat ausgesucht worden? War genügend gehegt, gewässert und gepflegt worden? … denn er war sich sicher, dass, wenn die wichtigsten Punkte dieser Kette beachtet worden waren, es auf jeden Fall auch entsprechende Ergebnisse hätte hervorbringen müssen, die sich jetzt unter „erntereif“ oder „Ertrag“ einordnen ließen.

Ein beherzter Blick nach innen

Ich nahm diese Informationen meines Verstandes zur Kenntnis und mich beschlich Enttäuschung und Traurigkeit. Da ich es gewohnt war, meinem Verstand großen Glauben zu schenken, begann ich ihm recht zu geben und selbst überzeugt davon zu sein, dass ich ganz sicher etwas falsch oder zumindest eben nicht ganz richtig gemacht hatte. Vielleicht hatte ich ja in der Reihenfolge etwas durcheinander gebracht oder schlichtweg etwas Wichtiges versäumt. Fast war ich bereit, klein beizugeben, als ich einen zarten, feinen Impuls in meinem Inneren vernahm, der mir nahe legte, doch noch einmal genau hinzuschauen. Vielleicht gab es ja doch noch etwas, was zur Ernte bereit war. Vielleicht auf einem Feld oder einem Gebiet, das nicht ganz so offensichtlich und auf den allerersten Blick zu erkennen und mit den üblichen Maßstäben zu messen war.

Was wenn es statt um ein im Außen sichtbares Feld um ein im Innen spürbares Feld ging? Zählte das eigentlich auch? Und wenn ja, was gab es denn hier schon groß zu ernten? Ob dieser neuen Gedanken war mein Verstand reichlich verwirrt, denn für ein derartiges Feld war ihm bisher noch keine Schublade mit entsprechenden Werkzeugen und Tabellen aufgefallen und konkrete Zahlen, die sich vergleichen und bewerten ließen, konnte er auch nicht ausmachen. Dass es so etwas überhaupt geben sollte, war ihm reichlich unbekannt.

Der nährende Lohn

Also gut, dachte ich, dann richte ich meinen Blick mal nach innen und sehe mich ein bisschen um. Zu verlieren gab es ja nichts mehr… Vielleicht hatte ich hier ja tatsächlich irgendein Feld beackert und etwas gesät, gehegt und gepflegt, das jetzt zur Ernte bereit war.

Ich erinnerte mich daran, dass ich mich in den vergangenen Monaten oft müde und erschöpft gefühlt hatte und das obwohl es im Außen nicht außergewöhnlich viel oder besonders Anstrengendes zu tun gab. Irgendwie und auf irgendeinem Gebiet musste ich wirklich intensiv gearbeitet haben, auch wenn ich das bisher noch nicht als solches erkannt und eingeordnet hatte.

Genau genommen hatte ich viel Zeit damit zugebracht, nach innen zu schauen und meinen Gedanken, Ideen, Wünschen und Bedürfnissen nachzuspüren. Sie mit der Realität abzugleichen und zu prüfen, was davon sich noch stimmig anfühlte und was seinen Dienst getan hatte und losgelassen werden konnte. Wieder und wieder hatte ich mich diesen Fragen und den entsprechenden inneren Räumen gewidmet und beobachtet, welche Antworten aus meinem Herzen aufstiegen. Mit der Zeit bekam ich mehr und mehr Klarheit darüber, wonach ich mich wirklich sehnte, was mir wirklich wichtig war, wie ich wirklich leben und an welchen Projekten ich herzensgern arbeiten wollte, mit welchen Menschen ich mich umgeben wollte.

Nicht dass ich zum ersten Mal diesen Fragen nachging, nein, das tat ich schon seit einigen Jahren. Und dennoch schien es diesmal sehr viel tiefer und intensiver zu sein. Konnte es eigentlich sein, dass genau diese Antworten und diese neu gewonnene Klarheit die Früchte auf diesem inneren Feld waren, die wahrgenommen, gesehen und anerkannt werden wollten? Und vielleicht war hier ja auch mehr Fülle zu finden, als sich mein Verstand bis dato vorstellen konnte.

Bei genauem Betrachten wurde sehr schnell deutlich, dass ich in meinem Inneren etwas wirklich Wertvolles und gewiss sehr Nachhaltiges mit viel Hingabe und Geduld genährt hatte. Und dass genau das, jetzt wo es zur Ernte bereit war, mich würde nähren können. Wenn, ja wenn ich es erlauben würde…

Auf eine wunderbar reiche Ernte im gold strahlenden Herbstsonnenlicht.

 

 


Photo by Johnny McClung on Unsplash