113 Views |  Like

Neue Chancen & alte Zwänge – Künstliche Intelligenz

Schock! Bei der gestrigen Podiumsdiskussion der Deutschen Telekom zum Thema Künstliche Intelligenz und Ethik wurde festgestellt: Künstliche Intelligenz ist gar nicht intelligent! Naja, dann sind all die Maschinen und Roboter doch nicht so schlau wie vermutet. Geht mich das überhaupt was an? Was hab ich denn damit zu tun?

So einiges!

Ich bin sehr analog. Und ich möchte es auch bleiben. All die Technik, das Digitale, scheint in meinem persönlichen Leben keine große Rolle zu spielen. Ich lese sogar lieber richtig gedruckte Bücher als E-Books am Bildschirm. Ja, ich drucke mir Online-Artikel manchmal sogar aus – Papierverschwendung hin oder her. Kann es mir nicht eigentlich egal sein, wie intelligent oder dumm all die Technik ist, weil sie mich kaum umgibt? Gelingt mir die Distanz zu dieser „künstlichen Intelligenz“, kurz KI genannt, tatsächlich?

Weit gefehlt!

Längst hat die so abstrakt klingende, künstliche Intelligenz Einzug in meinen Alltag gehalten. Mit jedem I-Like-Klick auf Facebook. Während jeder Nutzung von GoogleMaps auf einer orientierungslosen Fahrt nach Wer-Weiß-Wohin. Beim (offiziell) verpönten Online-Shoppen der Weihnachtsgeschenke. KI beobachtet und bedient mich – und ich merke es nicht einmal.

Erschaffen wir diese Maschinen nach unserem Ebenbild?

Die künstliche Intelligenz ist weder selbst-erwachsen noch gottgegeben, sondern gespeist und konstruiert von (intelligenten) Menschen. Ganz genau. Die Intelligenz jener Menschen, die Maschinen und Roboter programmieren, ist maßgebend dafür verantwortlich, wie intelligent diese Maschinen sind. Und auch wie weltoffen, wie gleichberechtigt, wie demokratisch, wie moralisch… .

Maschinen sind keine Menschen. Sie sind aber mensch-geprägt. Wenn Siri, Alexa und wie sie alle heißen jederzeit verfügbare (weibliche) Maschinen sind, dann deshalb, weil sich das jemand genau so überlegt hat. Immer verfügbar. Abschaltbar. Anschaltbar. Besitzbar.

Augen zu und durch?

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ich bin sehr analog. Und ich möchte es auch bleiben. Aber die technisierte und digitalisierte Welt ist auch eine Erweiterung meiner Realität. Virtuelle, computergenerierte Welten. Digitale Welten mit mehr oder weniger virtuellen Freundschaften. Realtitäten die parallel zu meiner analogen Welt entstehen. Diesen muss nicht nur ich ins Auge blicken.

Wir alle müssen uns Gedanken darüber machen, welche Bereiche unserer Welt wir durch KI erweitern wollen. Ob dies nur im produzierenden Sektor geschehen soll oder auch im sozialen Bereich. Ob vorwiegend im Arbeitsumfeld oder auch im Privaten.

Und wir müssen uns darüber verständigen, auf Grundlage welcher ethischer und moralischer Grundsätze dies passieren darf.

Übernehmen Maschinen unsere Welt?

Maschinen sind längst mehr als nur Geräte für uns. Wir interagieren mit ihnen. Sozial und sogar emotional. Roboter, die als Pflegepersonal zum Einsatz kommen, uns Nähe und Zuwendung simulieren. Maschinen, die uns am Telefon vorgaukeln wir würden mit einem empathischen Menschen sprechen. Künstliche Intelligenzen, die uns alle Wünsche von den Augen ablesen und unseren Kühlschrank für uns füllen – noch bevor ein Mangel entsteht. Faszinierend. Beängstigend. Frag-würdig. Diese beeindruckende Evolution des Mensch-Maschine-Verhältnisses wirft neue, ethische Fragen auf.

Hat der Ethikrat unsere Zukunft in der Hand?

Zur Beantwortung dieser ethischen Fragen hat sich die Bundesregierung ein Beratungsgremium zusammengestellt: den Ethikrat. Der Ethikrat hat die Aufgabe, Regeln zu machen, damit jeder entscheiden kann, was richtig oder falsch ist. Aber kann man pauschal festlegen, was richtig oder falsch ist? Sind das nicht auch zwei bewegliche Variablen, die immer wieder neu auszuhandeln sind? Die je nach Situation zu bewerten sind? Was ist für dich richtig und ist das für mich genauso richtig?

Ethikrat hin oder her – aus der Nummer können und dürfen wir uns nicht einfach rausziehen. Jedenfalls nicht, solange es uns nicht egal ist, in welcher Gesellschaft wir in Zukunft leben wollen. Und auch dann nicht, wenn wir uns die Frage nach richtig oder falsch nicht von anderen beantworten lassen wollen, statt selbst zu entscheiden.

Kann man vorurteilsfreie Maschinen erschaffen?

Man kann. Wenn man denn möchte. Dafür müssen wir aber selbst erst mal in der Lage sein, vorurteilsfrei und offen miteinander zu interagieren. Und dies zum Maßstab unseres gesellschaftlichen Miteinanders machen. Gleichberechtigten, würdevollen und respektvollen Umgang miteinander zu unserer Normalität machen. Dann werden wir ganz selbstverständlich diese Haltung auch den Maschinen einprogrammieren können, von denen wir in Zukunft umgeben sein möchten.

Auch Künstliche Intelligenz braucht gute Vorbilder!

 

Photo by Markus Spiske on Unsplash