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Neue Chancen & alte Zwänge – Schönheitsideal

Klar, ich poste auch mal ein Foto von mir. Und selbstverständlich möchte ich darauf fantastisch aussehen. Die Likes? Brauch ich nicht. Aber hey, schon nett, wenn viele einem diese Bestätigung geben. Es ist schwer, sich diesem Mechanismus zu entziehen. Schaue ich mir die Selbstdarstellung einiger Menschen in den sozialen Medien an, habe ich schon den Eindruck, dass ziemlich viele sich fragen, wer der oder die Schönste im ganzen Land ist. Facebook, Insta und wie sie alle heißen, helfen kräftig mit bei der Suche.
Aber wer bestimmt eigentlich unser Schönheitsideal?
Schöner Schein

Was Real oder Fake ist – fast unmöglich hier durchzublicken.
Der Energieaufwand, um auf dem Urlaubsselfie happy auszusehen, ist grösser als jener, wirklich zufrieden zu sein. Schon längst geht es nicht darum fit zu sein. Es geht darum fit auszusehen. Für andere zu inszenieren wie ich gesehen werden möchte, ist der eigentliche Sinn der Selfie-Macherei. Weniger die Dokumentation schöner Momente. Selbstoptimierung (statt Selbstfindung) scheint der neue Lebenssinn. Und mithilfe all der Apps und Filter durchaus erreichbarer.

Ideal schön

Ich will so bleiben wie ich bin – du darfst – glatt gelogen!
Unser Äußeres ist unglaublich vorurteilsbehaftet. Wäre ich genauso beliebt, erfolgreich und da wo ich jetzt bin, wenn ich dicker wäre? Würde der junge Mann mir die Tür aufhalten, wenn ich einen Jogginganzug anhätte? In unserer Gesellschaft gibt es klare Vorgaben und Stereotype dafür, was okay und schön ist und was nicht. Und mit dieser Stereotypisierung lässt sich so uuuunglaublich viel Geld machen!

Schön blöd

Vorallem mit den daraus resultierenden Defiziten. Menschen konsumieren mehr, wenn sie unzufrieden sind, sich als nicht schön, nicht makellos, nicht perfekt empfinden.
Falten-Creme, Anti-Cellulite-Gel, Diät-Drinks, Bauch-Weg-Slips, Whitening-Zahnpasta, Waxing-Produkte, Hautaufheller, Altersflecken-Beseitiger, Anti-Grau-Färbemittel…die Liste führt ins Endlose. Und lässt sich endlos erweitern.
Was aber, wenn ich da nicht mitmachen will? Wenn ich selbst definiere, was ich als schön betrachte? Oder überhaupt definiere, was mich wirklich ausmacht? Meine Identität ist mehr als nur mein Aussehen. Ich bin mehr als nur mein Äußeres. Ich bin mehr als nur mein Körper.

Schöne Knöpfe

Ich lege also den Schalter in meinem Gehirn um. Ich vergesse die Zahlenkombination 90-60-90. Naja, natürlich ist es mal wieder nicht ganz so einfach. Sich aus seinen alten Zwängen rauszuschälen ist immer so eine Sache. Es gibt nicht den einen Schalter. Vielmehr braucht es das Drücken vieler kleiner und großer Knöpfe. Manchmal in einer bestimmten Kombination. Oft müssen sie auch mehrfach gedrückt werden, weil sie sich immer wieder selbst aktivieren und aufleuchten. Die einen blinken aufdringlich wie eine Leuchtreklame. Andere tun so, als wären sie garnicht da und wollen übersehen werden. Manche geben ein fieses Geräusch von sich, wenn sie deaktiviert werden, aus Protest quasi. Einige aber, drücke ich wie selbstverständlich immer wieder. Klick, klick, klack. Es fällt mir immer leichter. Wie automatisch. Und irgendwann muss ich diese Knöpfe nicht mehr drücken. Aktivierung erfolgreich abgeschlossen!

Schönes Schlusswort

Gut. Ich fasse zusammen. Die Industrie hat den Dreh raus. Gewinnorientiert spuckt sie permanent stereotype Produkte auf unsere Marktplätze und macht sich zunutze, dass wir unseren körperlichen Defiziten mit vermeintlich passenden Produkten entgegenwirken. Sie verdient sich dumm und dämlich an uns. Aber wir sind schlauer. Es gibt ihn nicht, den typischen, perfekten Menschen. Konstruierte Stereotype beschränken uns und verhindern unsere Potenziale. Vielfalt zuzulassen bedeutet Individualität zuzulassen und Potenziale freizusetzen. (Geschlechter-) Gleichheit führt zu mehr Freiheit für alle und damit zu einer Vielfalt, innerhalb derer jeder oder jede sich selbst finden kann. Die sozialen Medien haben uns emanzipiert. Jetzt müssen wir nur so clever sein, diese Chance zu ergreifen und sie FÜR uns zu nutzen, anstatt stereotype Schönheitsideale auf Insta zu reproduzieren.

Wir sollten aufhören, uns von anderen sagen zu lassen, wer wir sind!
Wir könnten anfangen uns selbst zu zeigen, so wie wir sind! Wir dürfen uns genau so lieben!

 

 

Photo by Elijah O’Donnell on Unsplash