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Feministin, Emanze oder Büstenhalter und andere Missverständnisse

In ihrer wöchentlichen Kolumne schreibt Patrizia Isabella Widritzki jeden Freitag über das Ergreifen neuer Chancen und den elenden Klotz am Bein, der einen davon abhalten will das Leben mal ganz anders anzupacken: die alten Zwänge! Heute stellt sie sich die Frage, was sie eigentlich ist: Emanze oder Feministin, und ob es okay ist, dass sie keine Lust hat ihre Unterwäsche abzufackeln…

 


Du bist ja voll die Emanze! Du meinst dass ich eine Person bin, die sich für rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung einsetzt? Ja, ich bin eine Emanze. Feministin bist du also auch! Nun, da der Feminismus sich für eine Gesellschaft mit ebenbürtigen Geschlechterverhältnissen einsetzt, würde ich auch dieses bestätigen. Auch wenn ich nicht da draußen rumlaufe und es jedem wortwörtlich unter die Nase reibe.


 

Emanzen-Schublade

Nein, das hat nichts damit zu tun, dass ich das Wort Feminismus nicht mag. Vielleicht aber, hat es damit zu tun, dass du das Wort Feminismus nicht magst! Und wenn ich mich dir als Feministin vorstelle, rümpfst du deine Nase und steckst mich in die Emanzen-Schublade. Sollte es sich bei dir um einen Mann handeln, wirst du womöglich vermuten, ich sei dir nicht sehr wohlgesonnen. Mehr noch. Du würdest davon ausgehen, ich habe kein besonderes Interesse daran mit dir ins Gespräch zu kommen. Denn: Männer mag ich bekanntlich nicht so gern. Frauen sind für mich die besseren Menschen. Und deshalb unterstütze ich diese…

Nun. Weit gefehlt!

Feme-inismus

Feministin! So glaubt mich zuweilen der ein oder andere zu „beschimpfen“. Ohne zu merken dass er die Wahrheit spricht, aber die Unwahrheit denkt. Oder einfach denkt etwas zu wissen, was er aber offensichtlich missverstanden hat. Oder sagen wir einfach: Er weiß es einfach nicht. Natürlich steckt im Wort Feminismus die Frau drin. Was jedoch nicht meint, dass er nur von Frauen und für Frauen ist. Vorallem geht es um seine Auslegung. Feminismus wird heutzutage, oder schon immer, sehr differenziert praktiziert. Egalitär, aggressiv oder progressiv. Lesbar, sichtbar oder subtil spürbar. So unterschiedlich eben wie die Menschen, die ihn ausüben, unterschiedlich kommunizieren und handeln.

Feminismus-Emanzipation

Dass viele den Begriff negativ deuten liegt daran, dass er von Anfang an, mit Eintritt in die deutsche Sprache, misstrauisch beäugt wurde. Die Gegner der Frauenemanzipation griffen beherzt zu und beschmissen die sich aufbäumenden, sich befreienden Frauen mit dem Wort Feminismus. Als sei er etwas schmutziges und abwertendes. Die Folge: Imageschaden. Dabei will der Feminismus mit den patriarchalen Strukturen aufräumen. Zugunsten aller, die darunter zu leiden haben. Wir wissen, dass dazu nicht nur Frauen zählen.

Sexuelle Identität, Rassismus, unterschiedliche Lebens- und Liebeskonzepte sind nur einige der vom Feminismus behandelten Aspekte. Sie alle berühren unter anderem auch die Lebensrealität von Männern. Ein Kernaspekt ist die Geschlechterungleichheit – aller Geschlechter. Und das Ziel stereotype Geschlechterbilder aufzubrechen um ein flexibleres Bild zu erzeugen. Eines, welches den vielfältigen Individuuen da draußen gerechter werden kann, als das bisherige.

So-und-So: Wir sind alle Vorbilder

Es wird nicht einfacher. Versprochen. Aber das ist schliesslich auch nicht das Ziel. Ich frage mich nur, was ich den Töchtern und Söhnen antworte, wenn sie fragen: Was ist ein Mädchen? Und was ist ein Junge? Schliesslich kann ich die Kleinen nicht im Regen stehen lassen mit dem Versprechen sie würden es schon selbst herausfinden. Ich will es jedenfalls nicht dem Supermarkt, auch nicht der Schule und schon garnicht den Medien überlassen. Gut. Also muss ich eine Antwort parat haben, die sie nicht überfordert, nicht verwirrt und trotzdem Orientierung gibt. Wie gesagt. Es wird nicht einfacher.

Als aktives Vorbild beschließe ich, Taten statt Worten den Vortritt zu lassen. Ich weiß doch, dass die Kinder mich die ganze Zeit beobachten. Mich zitieren und nachäffen. Also geht es maßgeblich darum, was sie in mir sehen. Wie ich zusammen-lebe. Wie ich mich selbst definiere, also abgrenze von stereotypen Zuweisungen. Dass ich Fehler mache. Immer wieder. Das ich nicht in Stein gemeiselt bin. Dass ich nicht nur so bin, sondern so und so.

Ich versuche authentisch zu sein.

Also. Was ist ein Mädchen? Antwort: ein Mensch wie du. Sieht anders aus als du, so wie jeder andere anders aussieht als du. Aber ansonsten ist ein Mädchen genau wie du. Und was ist ein Junge? Antwort: ein Mensch wie du. Sieht anders aus als du, so wie jeder andere anders aussieht als du. Aber ansonsten ist ein Junge genau wie du.

Anders. Aber gleich.

Ich lebe also weiter meine Werte und Vorstellungen. Und wenn die für dich feministisch aussehen, auch okay. Wie singt Roisin Murphy: Change my name I remain the same!

 

Patrizia ist ein Tausendsassa. Oder vielleicht auch ein schweizer Taschenmesser. Jedenfalls konzipiert und gestaltet sie mit ihrem Atelier „good to know“ Ausstellungen und ist so stets an vorderster Front, wenn es darum geht Wissen mal anders, spannend und überraschend zu vermitteln. Um die Welt ein bisschen klüger zu machen. Aber auch gerechter! Aber davon nächste Woche mehr… unter www.goodtoknow.us findet ihr mehr zum Thema Patrizia und Ausstellungen!   (Instagram:  hello_goodtoknow  )

 

Mehr zum Thema und Warum Feminsimus auch für Männer ist findest du hier

 

 

 


Photo by Pablo Heimplatz on Unsplash