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Veränderungen und Zweifel und 5 Impulse für einen besseren Umgang mit ihnen

 

Wünsche zu haben ist das eine. Sie auch tatsächlich zu leben,
manchmal etwas ganz Anderes.

 

Über das Zaudern und Zweifeln bei Veränderungen und Entscheidungen

Wünsche und Ziele sind etwas ganz Wunderbares. Sie füllen unser Leben mit Hoffnung und Fantasie und implizieren etwas Gutes. Was aber, wenn sie ewig Wünsche bleiben?

Wenn wir beispielsweise seit Jahren den Wunsch hegen beruflich umzusatteln, aber steckenbleiben. Wenn uns seit langem der Traum der beruflichen Selbstständigkeit treibt, wir aber mutlos sind. Wenn wir etwas völlig Neues ausprobieren bzw. uns verändern möchten, aber Zweifel da sind und wir eine innere Stimme wahrnehmen, die die scheinbare Klarheit und Hoffnung trübt, die uns zurückhält und blockiert?

Ich selbst kenne diese Stimme sehr gut. Sie ist kritisch und dominant. Eine Stimme, die dir sagen möchte, du seist noch nicht so weit, seist nicht genug. Und es sei Unsinn, an diesem einen Traum festzuhalten. Ja gar illusorisch, schließlich ist es ja eh nur eine fixe Idee – eine Laune, die nicht umzusetzen ist.

Tagtäglich suggerieren uns zudem die Medien und das Internet wie wir idealerweise zu sein haben. Welche Berufe repräsentativ und vermeintlich krisenfest sind. Und wie viele andere großartige Menschen es gibt, die tolle Dinge machen, und das, so meinen wir, sowieso viel besser als wir.

Aber warum ist das so? Warum zweifeln wir und zaudern, wenn es um Neues geht? Weshalb fällt es uns oft schwer, Entscheidungen zu treffen und andere Wege einzuschlagen, zu machen anstatt zu warten, obwohl wir genau wissen, dass eine Veränderung uns glücklicher und zufriedener machen würde?

 

Warum zweifeln wir?

Wir zweifeln, weil wir das Vertraute verlassen

Zweifel sind Bedenken und Unsicherheiten. Sie treten zumeist dann auf, wenn es sich um Veränderungen handelt, die für uns fremd sind. Beispielsweise wenn wir vor einer für uns neuen Situation stehen, deren Ablauf und Ausgang wir nicht einschätzen und deren Für und Wider wir nur schwer bewerten können.

Dies ist nicht ungewöhnlich. Schließlich verlassen wir die gewohnten Bahnen und damit die erprobten Wege, auf denen wir uns sicher fühlen. Wir verlassen einen Rahmen, der in der Psychologie als Komfortzone bezeichnet wird. Der das Vertraute, das Leichte und Geschmeidige beherbergt.

Zumeist empfinden wir den Zweifel als störend, denn er impliziert (zunächst) eine unangenehme Emotion. Tatsächlich aber ist unser Zweifel eine Funktion, die evolutionsbedingt einem Sicherungsmechanismus gleichkommt, der uns vor Bedrohungen schützt. Richtig eingesetzt, birgt der Zweifel somit eine Selektionsfunktion und damit die Fähigkeit, eine Situation einzuschätzen.

Wie wir diese Situation wiederum bewerten, hängt von unseren Konditionierungen ab.

 

Unsere Konditionierungen bestimmen unsere Zweifel

Konditionierungen bestimmen unser Denken und Handeln und sind Prägungen bzw. Muster in unserem Verhalten. Sie sind das Ergebnis eines lebenslangen Lernprozesses, welcher auf Verstärkungs- und Bestrafungsprinzipien beruht – der sogenannten klassischen Konditionierung. Ein Begriff der Lerntheorie, der das Erlernen von Reiz-Reaktions-Mustern beschreibt.

So kann etwa Geld, das für ein Kind zunächst bedeutungslos und damit ein neutraler Reiz ist, zu einem konditionierten Reiz werden. Etwa dann, wenn Geld stets mit angenehmen Dingen verbunden wird und damit die Rolle der Belohnung einnimmt (mehr dazu hier).

Insgesamt setzt sich der Lernprozess zusammen aus Erfahrungen und dem Gedankengut unseres erzieherischen Umfeldes, das von klein an auf uns einwirkt und das wir unbewusst in unser Erwachsenenleben übernehmen. Aussagen wie: „Du kannst das sowieso nicht„, „Werde bloß kein Künstler, sondern lerne etwas Handfestes“ oder „Ohne Abitur hast du keine Chance“ sind gängige Beispiele.

Über die Zeit verfestigen sich diese Einflüsse zu Überzeugungen und Verhaltensweisen, zu Vorstellungen über das Mögliche und Unmögliche, zu Ansichten über Träumereien und unrealistische Spinnereien und zu Auffassungen über das, was angemessen ist und was nicht. Dabei sind Konditionierungen in ihrer Art und Ausprägung individuell sehr unterschiedlich und variieren von Thema zu Thema.

Kurz: Unsere Konditionierungen gleichen einem Komitee in unserem Kopf, das über unsere Gedanken und Verhaltensweisen entscheidet.

 

Wie komme ich aus dem Zweifeln heraus?

Halte bei jedem Zweifel inne und frage dich, ob das wirklich deine Gedanken sind.

Zweifel sind also Gedanken, die sich in Glaubenssätzen und Ansichten widerspiegeln. Sie sind oft blockierend und hemmen Veränderungen. Dabei ist die Frage, ob sie tatsächlich unseren persönlichen Überzeugungen entsprechen oder ob wir sie übernommen haben und wir uns anpassen, um Erwartungen von außen zu erfüllen und damit die Wünsche und Ansichten anderer leben.

Die tiefe Reflexion von Gedanken und Verhaltensweisen lassen alte Muster sowie fremde Ansichten und Anschauungen ans Licht kommen und schaffen gleichzeitig Raum für neue – positive und förderliche – Gedanken.

Handelt es sich beispielsweise um eine berufliche Veränderung, sind folgende Fragen hilfreich , um blockierende Gedanken aufzuspüren:

  • Empfinde ICH die Selbstständigkeit tatsächlich als unsicher oder ist es mein Umfeld?
  • Zögere ICH die Kündigung hinaus, weil mein Außen sie als fatalen Bruch im Lebenslauf ansieht?
  • Werde ICH wirklich nie wieder einen so sicheren Arbeitsplatz finden, wie den derzeitigen, oder sind es die Ängste meiner Familie, die mir Angst machen und meine Entscheidung beeinflussen?
  • Bin ICH es, die einen beruflichen Wechsel mit Mitte 30 komisch findet, oder sind es die anderen?

 

Du selbst trägst alles in dir

Der berühmte Psychologe und Begründer des klientenzentrierten Therapieansatzes Carl Rogers hat einmal gesagt „Der Mensch ist gut“. Dieses kurze gut stand für ihn für das große Potential, das jeder von uns in sich trägt. Ein Potential, dass die Fähigkeit und Tendenz meint, dass jeder Mensch sich zum Besseren entwickeln und positiv entfalten kann, er selbstverantwortlich Probleme lösen und selbstbestimmt leben kann. Dies bedeutet, dass wir selbst alle Werkzeuge in uns tragen, um uns zu verändern.

 

Wie wir unsere Gedanken steuern können und warum dies so wichtig ist?

Egal um welche Veränderung es sich handelt, es ist essentiell unsere Gedanken auf Erfolg und ein positives Ergebnis zu programmieren. Schließlich ist es ein gewaltiger Unterschied, ob wir uns für Erfolg und Zufriedenheit, Balance und Stabilität entscheiden, oder uns auf unsere Schwächen und vermeintlichen Fehler konzentrieren und auf all das, was nicht funktioniert und falsch laufen könnte.

Denn: Unsere Gedanken kreieren unsere Gefühle und damit unsere Zukunft. Heißt: Gedanken kreieren unsere Gefühle und Gefühle beeinflussen unsere Entscheidung, die als Erfahrungen bzw. Konsequenzen in unser Leben zurückkehren und damit unsere Zukunft beeinflussen.

 

6 Methoden für einen besseren Umgang mit beängstigenden Veränderungen

Am Anfang einer jeden Veränderung steht eine Entscheidung

 

Den Zweifel annehmen

Nichts ist so blockierend als etwas, wogegen wir uns wehren. Wenn es um Veränderungen geht, die uns Angst machen, wir Zweifeln und Zaudern, ist es wichtig, diesen Zustand und alle damit verbundenen Gefühle anzunehmen. Sich selbst immer wieder zu sagen, dass es jetzt gerade ok ist, so wie es ist.

Reframing – blockierende Erfahrungen umdeuten

Die Methode des Reframings hat ihren Ursprung im NLP (Neurolinguistisches Programmieren). Wörtlich übersetzt bedeutet Reframing „einen neuen Rahmen geben„. Dies heißt so viel wie umgestalten oder umdeuten und meint im engeren Sinne Situationen nicht spontan, reflexartig und unbewusst zu bewerten, sondern sie aus einem anderen Blickwinkel heraus zu betrachten bzw. in einem anderen Zusammenhang.

Jeder kennt wahrscheinlich die folgenden Aufmunterungen: „Es sollte einfach nicht sein“ oder „Er war einfach nicht der Richtige“ oder „Auf dich wartet ein besserer Job„. In der Situation selbst empfinden wir diese Zusprüche oftmals als etwas Dahergesagtes, sehen sie vielleicht als Kritik an und werfen der anderen Person vor, sich nicht in unsere Situation hineinversetzten zu können. Tatsächlich aber wenden sich die Dinge rückblickend betrachtet meist zum Guten und sind zu etwas nutze.

Nichts anderes ist das Reframing. Läuft ein Bewerbungsgespräch beispielsweise nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben, hat das in den meisten Fällen nichts mit uns selbst zu tun. Höchstwahrscheinlich passt die Stelle oder das Unternehmen einfach nicht zu uns. Oder die Stelle ist längst intern vergeben, musste aber offen ausgeschrieben werden. Diesen Zusammenhang entdecken wir oftmals erst im Nachhinein, wenn wir aus der Situation herausgetreten sind. Warum? Weil wir nicht auf das Ziel, d.h. die Stelle unbedingt bekommen zu wollen oder beim Gespräch einen guten Eindruck zu hinterlassen, fixiert sind und uns unsere Emotionen, hier der Verletztheit und Kritik, nicht mehr so stark überwältigen und wir so klarer über die Verknüpfungen nachdenken können.

Zaudern und Zweifeln wir, so kann das Reframing helfen, blockierende Gedanken, die mit Erfahrungen verknüpft sind, umzudenken und sie in ein großes Ganzes zu setzen und sich zu fragen, ob sich die gemachte Erfahrung wirklich wiederholt und was passieren würde, wenn. Auch hier geht es um Achtsamkeit und darum, die Methode langsam aber stetig zu praktizieren.

Mögliche Unbehaglichkeiten bereits im Vorwege begrüßen

Nur allzu oft malen wir uns bereits im Vorwege die schlimmsten Horrorszenarien aus, die zu Blockaden führen können. Wie beim Reframing ist es hilfreich, aus der Situation herauszutreten und zu versuchen, diese sachlich und nüchtern zu betrachten.

Dazu sollten wir uns alle vorstellbaren Stolpersteine und Schwierigkeiten aufschreiben – jedoch unrealistische Fantasie- und Katastrophenvorstellungen vernachlässigen. Anschließend gilt es, sie im Schulnotensystem zu bewerten und sich zu fragen, was in der jeweiligen Situation im schlimmsten Fall passieren könnte.

Schreib deine Erfolge auf

Um aus dem Zweifeln herauszukommen ist es wichtig, sich seiner Erfolge bewusst zu werden. Diese aufzuschreiben und dabei auch an Kleinigkeiten zu denken, die zunächst trivial oder unwichtig erscheinen hilft, einen klaren Überblick zu erhalten. Denn: Geschriebenes bindet und wird nicht so schnell vergessen. Befinden wir uns gerade inmitten eines Veränderungsprozesses, der uns womöglich schwer fällt und uns beängstigt, gibt das Verschriftlichen eines jeden kleinen Erfolges, Kraft und Mut weiterzumachen.

Umgib dich mit positiven Menschen

Sich mit Menschen zu umgeben, die uns unterstützen und an uns glauben ist wichtig. Kritik kann zwar hilfreich sein, um das Vorhaben noch einmal genau zu durchdenken und zu reflektieren, die negative Schwingungsenergie kann aber auch dazu führen, dass der Zweifel noch größer wird, wir den Mut verlieren und schließlich aufgeben.

Wir sollten uns also genau überlegen, mit wem wir uns umgeben und mit wem wir unsere Träume und Vorhaben teilen.

Kleine Schritte

Baby-Steps. Bedeutet: Ziele in Teilschritte runterbrechen. Das große Ganze wird damit greifbarer. Wir erzielen schneller die ersten Erfolge und erleben einen Kick, der uns weitermachen lässt und positiv motiviert.

 

Und zu guter Letzt: Frage dich einmal mehr, ob es wirklich deine Zweifel sind.

 

Much Love

Martina

 

Photo by Carolina Heza on Unsplash