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Farben und ihre Botschaft und die Qual der Wahl für meine Website

 

Als ich meine neue Website so gut wie fertig hatte, fragte mich eine Freundin, ob ich mir denn nur weibliche Kunden wünschen würde, denn das seien doch Mädchenfarben, die ich auf meiner Website verwendet hätte.

Obwohl ich es anders sehe, hat mich das Thema nachdenklich gemacht und ich bat zwei Männer, meine Webseite auf diesen Aspekt hin zu untersuchen. Gleichzeitig hat es mich natürlich noch mehr interessiert, weil ich als Webcoach und Künstlerin täglich mit Farbe zu tun habe.

Ein Ausflug in die Geschichte der Farben

Das man Mädchen in Rosa und Jungen in Hellblau kleidet, ist noch gar nicht so lange her. Eigentlich war es früher genau umgekehrt. Erst in den 20er Jahren veränderte sich die Zuordnung. Rosa wirkt sanft und weich, weshalb es seit etwa 80 Jahren allgemein mit Weiblichkeit assoziiert wird, vorher galt Rosa als männlicher Babyfarbton.

Mit Rot verbindet man die Assoziationen Blut, Kampf, Leidenschaft und Eros. Rot war einstmals Militärfarbe, Soldaten hatten rote Uniformen.  Rot war weithin sichtbar. Man wollte zeigen, wie mächtig man war.  Damit galt es lange Zeit als „männliche“ Farbe und Rosa, das „kleine Rot“, wurde Jungen zugeordnet.
Dazu passt auch, dass die ersten Trikots des 1897 gegründeten Fußballvereins Juventus Turin rosa waren – und heute spielt der FC Palermo in rosa Trikots.
Blau dagegen ist in der christlichen Tradition die Marienfarbe. Auf alten Marienbildern, wie etwa denen von Albrecht Dürer, trägt Maria einen blauen Schleier oder ein blaues Kleid.  Hellblau, das „kleine Blau“, war demnach den Mädchen vorbehalten.
„Noch zu Königin Viktorias Zeit wäre kein Betrachter auf die Idee gekommen, ein rosa gekleidetes Baby für ein Mädchen zu halten.“
Die Psychologin Eva Heller hat dazu ein sehr interessantes Buch geschrieben („Wie Farben auf Gefühl und Verstand wirken“ ).
Die Kleinkinder der einfachen Leute wurden damals in weiße Tücher gewickelt. Das Waschen der Kindersachen ohne Waschmaschine war zu der Zeit nicht einfach. Erst ab ungefähr 1900 gab es überhaupt kochfeste Farben.
Gleichzeitig zeigen Gemälde schon kleine Jungen in roten Kleidern. Es handelt sich hier aber um die Darstellung von Adeligen, Erstgeborenen oder Thronfolgern.
Nach dem ersten Weltkrieg erinnerte man sich dann, dass Matrosen ja Blau trugen, ebenso die Arbeiter. Blau wurde nun zunehmend als eine männliche Farbe empfunden und Hellblau (das „kleine Blau“) war entsprechend die Farbe für kleine Jungen.

Aber was hat sich seitdem getan?

„Nabelschnurklemmen gibt es auch in rosa und hellblau. Auch die Namensschilder am Handgelenk sind rosa oder hellblau kodiert.“

Diese Aussage stammt von einer Hebamme in Ausbildung.
Wer trifft eigentlich in Geburtskliniken Entscheidungen? Arbeiten dort nicht überwiegend Frauen? Ist es eine Art Gleichgültigkeit?
Die Genderisierung von Konsumgütern ist nirgends so extrem wie bei Produkten für Kinder. Die Industrie profitiert ungemein davon.
Doch es geht dabei nicht nur um Farben.
Es werden Rollenbilder kreiert, die stark an die 1950er Jahre erinnern. Wie passt das in unsere angeblich so emanzipierte Zeit?

Farben und meine Website

Es geht mir hier nicht um gelbe, blaue oder rosa Shirts, sondern darum, dass die eingesetzten Farben zur Person und zum Inhalt der Website passen, dass sie Inhalte unterstützen und Botschaften transportieren.
Die beiden Männer übrigens, die ich gefragt habe, wie meine Website auf sie wirkt, haben mir geantwortet, dass sie mit den dort verwendeten Farben überhaupt kein Problem haben.  Meine gewählten Farbtöne stünden für Energie und Frische.
Farben fungieren bekanntlich als Energieträger.
Probiere es einfach aus: Hänge dir ein grünes Bild an die Wand und schaue es jeden Tag ein paar Minuten lang an.
Beobachte, was passiert.

 

 

 


Photo by Elke Schmidt