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Was macht uns zu einem starken Menschen? Was ist Stärke? – Patrizias Teeologie #12

Mit 16 hatte ich eins dieser T-Shirts mit Fotomotiv drauf. Das waren die 90er. Kein Hündchen, kein Kätzchen. Auch kein Delfin der im Mondschein aus dem glitzernden Meer springt. Nein. Grünes Shirt mit Schwarz-Weiß-Foto – ein junger Mann mit nacktem Oberkörper, wohldefinierte Oberarme, ein Baby im Arm haltend. Ernsthaft! Ob dies meinem damaligen Männergeschmack entsprach, kann ich nicht mehr mit Bestimmheit sagen. Aber es war definitiv ein beliebtes Motiv damals: Der starke Mann mit dem hilflosen Baby im Arm. Der starke Beschützer. Wie ist das heute, mit der Relation Mann und Stärke?

Popeye, Obelix und Pippi Langstrumpf

Dreißig Jahre später (aber auch schon vorher) wissen wir: nicht nur Männer sind stark. Auch Frauen sind es. Es stellt sich dennoch die Frage, ob Stärke immer noch eine männliche Eigenschaft darstellt und ob eine starke Frau dadurch zumindest männlich angehaucht ist. Stark, muskulös, dominant, hart und streng, erfolgreich und wie Beyoncé es ausdrücken würde: makellos https://www.youtube.com/watch?v=IyuUWOnS9BY.

Muskelkraft vs. mentale Ausdruckskraft

Scheinbar verändert sich die Definition von Begriffen oder vielmehr mein Blick auf die Worte. Vielleicht auch die Sicht auf mich selbst und auf die anderen. Mag sein, dass Arnold Schwarzenegger die hundert Kilo Hantel mit Leichtigkeit lupfen kann – das macht ihn aber nicht unwillkürlich stärker als Emma Gonzàlez, Sophie Scholl, Rosa Parks und all die starken Frauen und Mädchen, die ich hier auflisten könnte.

Dicke Muckies, hervorquellende Adern und schweißbenetzte Stiernacken

Es scheint mir garnicht so einfach die eigene Definition von Stärke innerhalb der vorgegebenen Normen zu finden. Die festgesetzten und immer wieder kommunizierten Bilder sitzen tief im Unterbewusstsein und ich muss verdammt gut aufpassen, sie nicht zu reproduzieren. Denn obwohl meine Ratio weiß, dass Schwäche zeigen stark sein kann, Fehler zugeben stark sein kann und sich fallen lassen stark sein kann, drängen sich die alten Beschreibungen immer wieder auf

Mein Tipp zur Suche nach der eigenen Stärke:

Am Ende ist Stärke den Sinn für den richtigen Moment zu haben. Nicht zur rechten Zeit am rechten Ort sein, sondern zur rechten Zeit du Selbst sein – mit allen Ecken, Kanten und wunderbaren Rundungen – das ist stark! Stark ist im entscheidenden Moment nicht nachzugeben, stehenzubleiben wie `ne Eins, tiefe Wurzeln zu schlagen und die Brandung an sich abperlen lassen. Grade dann, wenn alle an dir zerren und du hin- und hergerissen bist zwischen einem So-Soll-Ich-Sein und So-Bin-Ich-In-Echt.

Also, bis nächste Woche – stark sein und Tee trinken!

Patrizias Teeologien sind inspiriert von Teebeutel-Weisheiten und übersetzen diese ins wahre Leben: Was will der Teebeutel mir sagen? Ist das auf dem Teebeutel mehr als nur ein belangloser Spruch? Wird mich das Trinken genau dieses Tees mit zunehmender Lebensweisheit belohnen?

Diese Woche: „Lebe eine Stärke.“

 

 

 


Photo by Alexandra Ișvănescu on Unsplash