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Back to Basics – was Minimalismus, Glück, und Nachhaltigkeit miteinander zu tun haben

Liebe Business & She Community,

dieses Wochenende war aufregend! Nicht nur wegen der Europawahl und etwas, was Sven Giegold den „Sunday for Future“ nannte. Nein, nicht nur deshalb.

Ich war auf einem Kindergeburtstag eingeladen! Kinderaugen leuchten eher selten bei einer Topfpflanze als Geburtstagsgeschenk auf.  So wurde es dieses mal die wiederverwendbare Trinkflasche aus dem hippen Laden im Einkaufszentrum.

Alles, viel davon, und jetzt gleich.

Um das Einkaufszentrum mache ich für gewöhnlich einen großen Bogen. Es erzählt mir zu viel darüber, was ich alles noch nicht habe, und was ich unbedingt noch brauche. 

Kennt ihr das? Ihr geht in einen Laden, um eine Sache zu kaufen, und kommt mit noch viel mehr wieder heraus. Seht ihr auch öfter Dinge zum allerersten Mal, von denen ihr noch gar nicht gewusst hattet, dass ihr sie unbedingt braucht?

Wir leben in einer Welt des Niemals-satt-seins, in einer Welt des Ständig-Alles-Habens. Eine Welt, die kaum sagt: Du bist genug. Du hast genug. Geh langsam.

Der Überfluss will uns glaubhaft machen, dass alles zu jeder und in kürzester Zeit zu haben wäre. Der Überfluss ermüdet – nicht nur uns selbst, sondern auch den Planeten.

Als ich in den Laden lief, der vor Lettering, Flamingo & Co. nur so strotze, wurde ich einmal mehr  mit dem konfrontiert, was ich mir, so dachte ich, doch abgewöhnt hatte.  Warum meinte ich plötzlich, so viel mehr zu brauchen, als das, was ich schon hatte? Konnte es sein, dass alle Vorsätze und Realitätsbrillen vor der Tür geblieben waren? Dabei wusste ich es doch besser, als zu glauben, dass ich ohne Panda-Post-Its im Leben nicht mehr glücklich werden könnte.

Viel Flamingo. Kaum Klimakrise.

Vor ein paar Jahren noch waren Flamingos höchstens rosa. Plötzlich wurden sie ein Trend. Die Läden platzen vor Flamingos, daneben tummeln sich die Einhörner. Tassen, Karten, Tupperboxen, Post-Its, Notizblöcke, Staubfänger. Brauchen wir das wirklich?

Während Flamingos auf einem Bein in Schaufenstern Balance halten, versucht die Welt, den Klimazielen des Pariser Abkommens nachzukommen und das Ökosystem in Balance zu halten. Und zwar nicht erst in einigen Jahren, sondern in den nächsten zehn. Solange bleibt noch, um ein Anstieg der globalen Erderwärmung auf 1.5. Grad zu reduzieren – im Moment steuern wir auf 6 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts zu, wenn nichts geändert wird.  Das wäre schlichtweg katastrophal.

Warum sehen wir eigentlich mehr Einhörner, als Nachrichten über das Artensterben? Laut eines neuen Reports der Vereinten Nationen zeigt dass Menschen Schuld daran sind, dass etwa 1 000 000 Arten vom Aussterben bedroht sind.  Bedroht sind dadurch nicht nur die Arten, sondern das gesamte Ökosystem, von welchem wir Menschen ebenso Teil sind.

Wenn ich zweifle, ob ich etwas wirklich brauche, erinnere ich mich an die Tatsachen. Es sind keine rosigen Tatsachen, aber solche, die uns dazu motivieren können, etwas zu ändern. Und einige, die uns zeigen, dass jede unsere Entscheidungen zählt und wir mit den kleinen Dingen im Alltag ganz Großes tun können.

Danke, ich kenne mein Glück

Um gar nicht erst ins Zweifeln zu kommen, ob wir etwas wirklich brauchen oder nicht, hilft es, das eigene Glück zu kennen. Nimm dir einen Zettel zur Hand und schreibe auf, was für dich das Glück bedeutet. Je besser du es kennst, desto besser wirst du dich daran erinnern, was nichts mit deinem Glücklichsein zu tun hat.

Was sind absolute Glücksmomente? Oder, umgekehrt, was brauchen Momente für dich, um zu solchen zu werden? Ich stand vor einer Tasse, die mir unglaublich gut gefiel. Und ich erinnerte mich an die fünf Tassen, die bereits im Küchenschrank standen und mir ebenso sehr gut gefielen. Ich erinnerte mich an mein Glück. Was bringt die schönste Tasse, wenn ich den Tee alleine trinken werde und ihn lieber mit Freunden geteilt hätte? Wird das Muster auf der neuen Trinkflasche beim Wandern noch von so großer Bedeutung sein, wenn ich die Natur um mich herum bestaune?

Back to Basics

Man mag es Minimalismus nennen, oder einfach nur einen fokussierten Blick auf das Wesentliche. Alles, was man nicht braucht, wird aussortiert. Das ist unglaublich befreiend, vor allem für die Seele. Dabei gibt es ebenso den mentalen Minimalismus – alles an negativen Gedanken oder Sorgen über Dinge, die noch nicht einmal eingetroffen sind, wird bewusst leiser gestellt. Die Welt ist laut und schnell – der Blick auf das Wesentlich eine Art Scheuklappen oder Kopfhörer, die den Lärm blockieren. Es ist eine Einstellung und eine Übung, wie ein Muskel, den man trainieren kann. 

Das Glück liegt auch dort, wo der Minimalismus sich aufhält: im Wesentlichen. Das Glück hat nichts mit Gegenständen zu tun, Glück ist ein Moment. Mehr noch, Glück ist ein Gefühl. Und zwar eines, das du tief in dir findest, nicht eines, das auf einem Gegenstand ruht.

Oft werden uns Gegenstände als Momente verkauft – mit der neuen Yogahose werden wir uns großartig fühlen. Dabei ist es nicht die Hose, sondern die Yogastunde selbst, die uns langfristig großartig fühlen lässt. Mit dem neuen Becher soll der Kaffee und der Montag besser schmecken. Aber was schmeckt nun wirklich? Der Becher oder der Kaffee? Und ob ein Montag gut wird, hat mit vielem zu tun, wenig aber mit einem Becher. Das meiste liegt an unserer Einstellung, der Gestaltung unserer Realität, unseren Emotionen, und daran, wie wir mit ihnen umgehen. Nicht an einem Gegenstand.

Nur grün ist auch keine Lösung

Warum immer das Neue wollen, wenn Gehabtes doch noch gut ist? Das lernte ich schon relativ früh. Beide meiner Eltern reparierten viele Dinge. Aber mein Vater reparierte selbst das, was ich schon als völlig kaputt erachtet hatte.  Auch hier in Mexiko stolpere ich oft über etwas, was ich den mexikanischen Erfinder*innengeist getauft habe: So viel Kreativität, um etwas vor dem Auseinanderfallen zu retten, habe ich selten gesehen.  Es hat mir die Augen geöffnet und mich noch einmal scharf darüber nachdenken lassen, was nun wirklich als „völlig kaputt“ galt. Wenn etwas noch funktionieren konnte, warum dann wegwerfen und ersetzen? 

Über diesen Gedanken stolpere ich in letzter Zeit immer wieder. Wie kann Nachhaltigkeit mit endlosem Konsum funktionieren? Warum ersetzen wir Plastikhalme durch einmal verwendbare, aber biologisch abbaubare Strohhalme, wenn wir auch gut unseren eigenen immer wieder benutzen könnten? Warum ersetzen wier viele Produkte, mit noch mehr Produkten, auch, wenn letztere nachhaltig sein sollen? Keine Frage, es ist toll und auch wichtig wenn wir uns mit plastikfreien Produkten ausstatten. Aber warum komplett mit neuen Edelstahlboxen ausstatten, wenn wir weiterhin jene Brotboxen benutzen können, die wir bereits haben?

Genug ist mehr als ausreichend

Es ist vielleicht nicht die Lösung, die uns erst einmal vor Freude aufspringen lassen wird: Genügsamkeit.  Ein Wechsel von der Wegwerfkultur hin zur Wertschätzung der wesentlichen, wenigen Dinge. Klingt vielleicht auf den ersten Blick weniger sexy – aber erinnern wir uns daran, dass da Glück nichts mit dem Nochmehrbesitzen zu tun hat. Erinnern wir uns an all die Dinge, die wir aufgeschrieben haben, wenn wir an das Glück  gedacht haben. Erinnern wir uns daran, dass ein Sonnenuntergang unbezahlbar ist, und das Fünkchen Magie meist in Momenten liegt, nicht in der Einkaufstüte. Lernen wir, zu verändern, wie wir unsere eigenen Geschichten erzählen – wir sind glücklich, und wir haben schon viel, ganz unabhängig davon, wie viel wir ausgegeben haben.

Ein paar Tipps …

Ein paar Fragen zum Schluss, die selbst bei Panda-Post-Its helfen … 🙂

  • Brauche ich das wirklich?
  • Habe ich das schon? Oder so etwas ähnliches?
  • Realitätscheck – wie viele Arten sterben noch einmal täglich? Ist der echte Panda auch bedroht?
  • Was fühle ich im Moment? Warum möchte ich etwas kaufen?
  • Wird es mich übermorgen auch noch glücklich machen?