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Der Report über das Artensterben – und was du jetzt tun kannst

Was bedeutet eigentlich der letzte Report über das Artensterben?

Seit dem Beschluss des Pariser Abkommens auf der 21. Weltklimakonferenz in Paris 2015  wurden einige klimabezogene Reporte von internationalen Organisationen veröffentlicht. Nicht, dass die zuvor veröffentlichten Reporte nicht wichtig gewesen wären, aber mit dem Pariser Abkommen hatte etwas ganz Neues begonnen. Zum ersten Mal verpflichteten sich Staaten dazu Pläne dazu vorzulegen, wie sie ihre jeweiligen Emissionen reduzieren würden. Ziel war es, die globale Erderwärmung idealerweise nicht über 1.5 Grad und auf keinen Fall über 2 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Wert ansteigen zu lassen.

Seitdem ist einiges passiert

Fridays For Future sind in aller Munde, die EU-Wahl ist auch grün ausgegangen, Plastiktüten gibt es nicht mehr umsonst im Supermarkt, die EU beschließt ab 2021 Einwegplastik zu verbieten, Unverpackt-Läden sprießen in den Städten hervor und ohne Müll zu leben ist zu einer ganzen Bewegung geworden.

Das kommt nicht von ungefähr. Im vergangenen Jahr wurde ein Report veröffentlicht, der für ausreichend Furore sorgte. Das IPCC – Intergovernmental Panel on Climate Change, ist eine Organisation, die den Vereinten Nationen angehört und für sämtliche Analysen und Forschungen rund um den Klimawandel verantwortlich ist. Sie veröffentlichten einen Sonderreport im Oktober 2018, der besagte, dass ein 2-Grad Ziel zu schwach wäre und uns noch bis zum  Jahre 2030 bleibe, um die Emissionen so zu reduzieren, dass ein 15 Grad Ziel erreicht würde. Wenn sich nichts ändere und alles so weiterlaufe, wie gehabt, steuern wir auf gute 5 Grad + bis Ende des Jahrhunderts zu. Ob das der Planet überleben würde, ist fraglich.

All diese Informationen sind für jede*n Einzelne*n von immenser Bedeutung

Und doch sind diese Informationen nur selten bis nie in den Schlagzeilen oder regelmäßig im Social Media Feed zu sehen. Ebenso wenig sind sie selbstverständliche Themen in Meetings, Konferenzen, oder im Schulunterricht. Und im Alltag? Hand aufs Herz – wann finden wir im Alltag schon die Zeit, uns ausführlich mit Klimareporten zu beschäftigen?

Hätte ich nicht Internationale Beziehungen studiert, hätte ich nicht damit begonnen. Mein Studium aber war ein „Game Changer“. Wochenlang habe ich mich mit dem Pariser Abkommen beschäftigt und hätte gerne von einer Plattform oder Quelle gewusst, welche mir einen ersten Überblick veraschten  oder die wichtigsten Informationen kurz zusammengefasst zur Verfügung stellt. Ich fand sie nicht. Deshalb nahm ich mir vor, mir regelmäßig Zeit zu nehmen, um mich mit Klimapolitik auch außerhalb des Studiums zu beschäftigen, und die wichtigsten Informationen in meinen eigenen Ordnern zu sammeln. Auch dafür sind die Artikel der Kolumne Sustainable Sundays – um Informationen zu teilen, die sonst an uns vermutlich vorbeigegangen wären.

Der Report über das Artensterben

Erst  am 6. Mai diesen Jahres wurde eine Bericht des IPBES veröffentlicht. Das IPBES ist eine der Vereinten Nationen zugehörige Plattform. So wie es das IPCC für den Klimawandel ist, so ist es der IPBES mit Fokus auf Biodiversität und Artenvielfalt. Dieser Report ist wichtig, weil er uns einen Spiegel über die derzeitigen Geschehnisse vorhält, die, obwohl sie allgegenwärtig sind, nicht immer sichtbar sind. Wann sehen wir schon das Artensterben? Bewusst wohl eher selten. Im Original gibt es den Report übrigens hier.

Was besagt der Report? Hier einige Fakten:

Von den geschätzt acht Millionen Tier- und Pflanzenarten auf der Erde ist etwa eine Million vom Aussterben bedroht. Und dieses Sterben geht immer schneller. Seit dem Jahr 1900 sind die Arten, die auf dem Land leben, um mindestens 20 Prozent zurückgegangen. Von den Feuchtgebieten sind bereits 85 Prozent zerstört. Mehr als 40 Prozent von Amphibienarten, mehr als 30 Prozent der Korallenriffe und mehr als ein Drittel aller Meeressäuger sind in Gefahr (Quelle: Deutschlandfunk).

Der Report benennt die eindeutig Schuldigen: die Menschen, die immer zahlreicher werden und die Erde überfordern, sagt Sandra Diaz, Ko-Vorsitzende des Welt-Biodiversitätsrates: „Dieser Anstieg an Produktivität und die Art und Weise, wie das erreicht wird, untergräbt die Kapazität der Natur, ihre Prozesse zu regulieren und sich selber zu regenerieren.“ Der Report warnt vor einem sich rasch beschleunigenden globalen Artensterben. Die Geschwindigkeit, mit der Arten aussterben, sei jetzt schon Hunderte Male höher als im Schnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre.
GEO

Experten sprechen auch vom sechsten Massenaussterben in der Geschichte des Lebens auf der Erde. Das letzte ereignete sich demnach vor rund 66 Millionen Jahren, als ein kilometergroßer Asteriod auf der Erde einschlug. Die Weltgemeinschaft müsse sich dringend abwenden von wirtschaftlichem Wachstum als zentralem Ziel, hin zu nachhaltigeren Systemen, hieß es.
FAZ

Der Report besagt auch, dass es noch nicht zu spät ist, um die Dinge zum Positiven zu verändern, allerdings nur, wenn wir jetzt damit beginnen – auf jedem Level, von lokal bis zu global. Durch einen wesentlichen Wandel kann die Natur noch immer geschützt, wieder aufgebaut und nachhaltig genutzt werden. Mit einem wesentlichen Wandel meinen wir einen allumfassenden, systematischen Re-organisation im Hinblick auf Technologie, Wirtschaft, soziale Faktoren, einschließlich Paradigmen, Ziele, und Werten.
IPBES Chair, Sir Robert Watson, UN Blog 

Solche Nachrichten erschrecken. Sie geben aber auch Hoffnung und Motivation. Es ist noch nicht zu spät. Jeder Schritt, jede Entscheidung, jede neue – nachhaltige – Gewohnheit macht einen Unterschied.

Was kann man tun? 

Bewusst konsumieren
…zum Beispiel durch den Verzicht auf Palmöl. Wegen der immer weiter wachsenden Nachfrage an Palmöl werden große Flächen an Regenwald abgeholzt. Wir können die Regenwälder und die damit verbundene Artenvielfalt schützen, indem wir die Inhaltsangaben von Produkten genau lesen und, sollte Palmöl verwendet worden sein, darauf verzichten. Leider wird oft allgemein von pflanzlichem Öl gesprochen, wenn eigentlich Palmöl verwendet wurde – das kann schon bei Tomatensaußen so sein. Hier hilft selber machen. Dies ist nicht nur gesünder für die Umwelt, sondern meist auch für uns selbst. Ansonsten gilt – lokal, so gut es geht ohne Plastikverpackung, und auch nur das, was man wirklich braucht. 

Weniger fliegen
Fliegen ist das klimaschädlichste Transportmittel. Nicht immer kann man das Flugzeug umgehen, aber dort, wo man es kann, sollt man es tun. Beim Fliegen entsteht nicht nur CO2, es entstehen durch die Verbrennung von Kerosin noch weitere Stoffe, die zur Erderwärmung beitragen. In den Höhen, auf welchen sie ausgestossen werden, bauen sie sich langsamer ab. Deshalb ist Fliegen besonders klimaschädlich. Für die Flüge, die dennoch anfallen, kann man das ausgestoßene CO2 kompensieren lassen – zum Beispiel auf atmosfair.de. Wichtig ist – das macht das Fliegen nicht besser oder weniger umweltschädlich, ist aber eine Möglichkeit, dennoch einen positiven Fußabdruck trotz Flug zu hinterlassen.

Weitere Informationen zu einem nachhaltigen Alltag haben wir im ersten Artikel der Kolumne veröffentlicht: Sustainable Switches – 8 Dinge, die du jetzt austauschen kannst 

Allgemeine Tipps

Informiere Dich

Bleibe informiert. Dafür musst du nicht immer täglich eine Stunde aufbringen, um dich in ein Thema einzulesen. Das kannst du schon ganz einfach tun, in dem du zum Beispiel der der Europäischen Kommission, der UN, ihnen angehörigen Organisationen, oder anderen NGOs im Bereich Klimaschutz und Umwelt auf den Sozialen Medien folgst. Eine tolle Plattform ist auch TED, dort findet du jede Menge inspirierender Videos, viele davon auch über das Thema Nachhaltigkeit. 

Teile diese Information

Ein englisches Sprichwort besagt – Sharing is Caring. Teile, was du herausgefunden hast, mit Freunden, Bekannten, Familie, Kollegen, Facebook, Instagram – wo und mit wem auch immer du es teilen möchtest. Tausch dich aus!

Sprich das Thema an

Gelegentlich kann es unangenehm sein, ganz ehrlich auszusprechen, was man denkt. Besonders dann, wenn man weiß, dass andere nicht die gleiche Meinung teilen werden. Es ist nicht schlimm, eine unpopuläre Meinung zu äußern – solange du es respektvoll machst und ebenso die Meinung der anderen gelten lässt. Anstelle zu belehren, oder zu urteilen, können wir Dialoge als einen Austausch von Perspektiven betrachten, von welchem alle profitieren können.

Gleich und gleich gesellt sich gern

Fühlst du dich auch manchmal, als ob du mit dem, was du tust, völlig alleine wärst? Du bist nicht allein! Vernetzte dich mit anderen, die ähnliches tun, mit denen du auf gleicher Wellenlänge liegst. Ihr könnt euch gegenseitig unterstützen! Schau dich in deinem Umfeld um – manchmal beginnt es tatsächlich schon über Social Media, ich habe über Instagram Vielzahl an tollen Projekten und Persönlichkeiten kennen gelernt, und wenn wir zufällig am gleichen Ort waren, ist es auch schon zu – sehr inspirierenden! – Treffen gekommen. Über Events halte ich mich auf Facebook auf dem Laufenden – so lernst du auch sehr schnell Menschen persönlich kennen!

Nicht den Kopf hängen lassen – es passieren auch viele tolle Projekte von unglaublich mutigen und motivierten Menschen, die sich für den Klimaschutz einsetzen! Jeder einzelne Schritt kann einen großen Unterschied machen und Du kannst schon jetzt damit beginnen, etwas ganz Großes zu tun.

Habt ihr Fragen? Oder möchtet ihr gerne eure Tipps und Erfahrungen teilen? Schreibt uns gerne in die Kommentare, wir freuen uns, von euch zu hören!

 

 


Photo by Eric Knoll on Unsplash