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Selbstfürsorge und wie Mütter darauf achten können

Selbstfürsorge – was bedeutet das eigentlich?

Unter Selbstfürsorge verstehe ich Fürsorge für sich selbst zu tragen – sich um die eigenen Bedürfnisse zu kümmern. Das setzt natürlich voraus, dass wir diese Bedürfnisse kennen und uns ihrer auch bewusst sind.

Bei unseren Kindern, Freunden oder unserem Partner gelingt es uns Müttern meist ganz wunderbar, uns auf diese Bedürfnisse einzustellen. Wir kümmern uns und schauen, dass es allen gut geht.

Doch wie ist es mit uns selbst? Sorgen wir für uns selbst genauso gut wie für andere? Übernehmen wir für uns ebenso viel Verantwortung wie für andere? Oft habe ich den Eindruck, dass Mütter die Verantwortung sich selbst gegenüber im Laufe der Zeit vergessen? Stattdessen wird einem vermeintlichen Ideal im Außen nachgejagt, dem sich angepasst werden muss, obwohl das das eigene Ich eigentlich gar nicht will. Und um aus diesem Kreislauf herauszukommen ist der erste Schritt, sich den eigenen Bedürfnisse einmal bewusst zu werden.

Fang doch mal mit einer ganz einfachen Sache an: Hast du gerade Durst, weil Du vielleicht vor lauter Wäsche sortieren und aufräumen vergessen hast zu trinken? Schmerzt dein Rücken vom Tragen der Kinder oder weil du lieber die Spülmaschine ausgeräumt hast, anstatt mal eine Runde an die frische Luft zu gehen und dich zu bewegen?

Das sind zwei kleine Beispiele, die dir zeigen, wie schnell gerade wir Mütter unsere eigenen Bedürfnisse hinten anstellen, weil wir glauben, sonst den Ansprüchen von Außen, z.B. an einen perfekten Haushalt oder eine fürsorgliche Mutter, nicht zu genügen. Auf lange Sicht ist das allerdings für unsere Psyche und Physis nicht förderlich.

Werde dir deiner Bedürfnisse bewusst

Werde dir daher ganz regelmäßig bewusst, welche Bedürfnisse du eigentlich hast? Brauchst du vielleicht mehr Schlaf? Trinkst du genug?  Bewegst du dich ausreichend für dein körperliches Wohlbefinden? Nimmst du dir regelmäßige Auszeiten? Wo sind deine persönlichen Grenzen? Gibt es Themen über die du dich austauschen möchtest, zum Beispiel in Sachen Kindererziehung, im Umgang mit Ängste, beim Wiedereinstieg in den Beruf, in der Partnerschaft? Was auch immer es ist, werde dir dieser Bedürfnisse bewusst und schreibe sie am besten auf.

Fang an für dich selbst zu sorgen

Sobald du dir bewusst gemacht geworden bist, wie deine Bedürfnisse aussehen, gehe in die Umsetzung. Sei mit dir selber ebenso fürsorglich wie du es auch deiner Familie gegenüber bist. Übernimm Verantwortung für dich und lass Taten sprechen.

Führe dir vor Augen, in welchen Situationen du nicht auf dich achtest und in Stress gerätst. Eine typische Situation ist z.B. das morgendliche Anziehen, wenn die Kinder alle im Flur stehen und anfangen zu quengeln, weil nichts voran geht. Um in solchen Momenten nicht selber ungehalten zu werden, spüre kurz in dich hinein, was du gerade brauchst. Fühlst du dich selber unwohl, weil du in deiner dicken Jacke schwitzt? Dann ziehe die Jacke wieder aus, damit es dir besser geht. Fühlst du dich gestresst, weil du eigentlich Hunger hast, dann iss einen Bissen. Frage dich in solchen Momenten, wo deine Triggerpunkte sind? Punkte, die dich aufbringen und gar nichts mit den Kindern zu tun haben. Frage dich auch, welche Bedürfnisse eigentlich dahinter stehen ?

Frage dich, wie du deine Bedürfnisse Stück für Stück umsetzen kannst. Wann kannst du dir ganz konkret kleine Auszeiten am Tag  nehmen? Durch welche Routinen gelingt es dir ausreichend am Tag zu trinken? Wo findest du gleichgesinnte Eltern, mit denen du dich austauschen kannst? Wie kannst du dich täglich bewegen und an der frischen Luft sein? Suche nach Antworten auf diese Fragen und dann leg los. Du hast es in der Hand und du hast es verdient, dass es dir gut geht. Denn nur dann stehen dir auch ausreichend Kraft und Energie für deine Familie und den Job zur Verfügung

Nimm Dir Deine Kinder zum Vorbild

Gerade Kinder agieren in Sachen Bedürfniserfüllung sehr bewusst. Sie sagen dir, dass sie etwas Essen möchten, wenn sie Hunger haben. Sie wollen schlafen, wenn sie müde sind. Oder sie quengeln, wenn sie eine Auszeit brauchen. Ein wunderbares Vorbild, an dem du dir jeden Tag ein Beispiel nehmen kannst. Wenn du und deine Kinder am Nachmittag müde sind, dann legt Euch gemeinsam aufs Sofa und hört Euch ein Hörspiel an. Solltest du dabei einschlafen – so what? Freue dich über den Powernap, der dir genug Energie für den Abend schenkt.

Um Hilfe bitten

Wir neigen dazu, alles alleine machen zu wollen. Einerseits weil wir niemandem zur Last fallen wollen, andererseits weil wir sehr ehrgeizig oder perfektionistisch sind. Doch auf Dauer geht das zu Lasten der persönlichen Ressourcen, die einfach nicht unerschöpflich sind. Deswegen bitte auch mal um Hilfe.

Wenn du nach einer kurzen Nacht mit zahnendem Baby völlig erschöpft bist, dann frage eine Freundin, ob sie mit dem Kind mal eine Stunde spazieren gehen kann, damit du zu etwas Schlaf kommst. Wenn du krank mit Kindern zu Hause bist, frage die Nachbarn, ob sie dir ein paar Einkaufe besorgen können. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich andere Menschen auch darüber freuen, helfen zu können und es wird sicherlich eine Gelegenheit geben, bei der du dich revanchieren kannst.

Sei Dir selbst ein Freund

Wie reagierst du, wenn Freunden, Kollegen oder deinen Kindern etwas misslingt? Wahrscheinlich munterst du sie auf, oder? Du ermutigst sie, dass es beim nächsten Mal schon besser wird, nicht wahr? Machst du das bei dir selber auch, wenn du vergessen hast, dass die Milch alle ist oder das die ToDo Liste nicht bis zum Ende abgearbeitet worden ist?

Sei mit dir selber ebenso verständnisvoll wie mit anderen. Mache dir bewusst, was du alles geleistet hast und nicht das, was noch fehlt. Lobe dich ganz bewusst und regelmäßig für deine Erfolge. Lass auch mal Fehler und Schwächen zu und miss dem Perfektionsanspruch weniger Bedeutung bei. 80% sind oft auch gut genug.

Mein persönlicher Tipp in Sachen Selbstfürsorge:

Ich trage mir jeden Tag in meinen Kalender kleine Auszeiten ein, die ich für mich nutze. Sei es ein Spaziergang, eine Tasse Kaffee in der Sonne oder eine Yoga-Einheit am Abend.  Ein bis zweimal im Jahr nehme ich mir auch ein Wochenende frei, an dem ich entweder alleine oder mit Freundinnen weg fahre.