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Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin: Über anständige Mädchen, Sitten und Maßstäbe – Patrizias Teeologie No. 21

„Setz dich anständig hin!“ Ist lange her, dass ich diesen Satz gehört habe. Dass mich jemand zu Anstand und Wohlverhalten gemahnt hat. Klingt nach Eltern und Erziehungsmethoden. Richtig! Aber wer glaubt, dass dies ein Thema der Kindheit und des Erwachsenwerdens bleibt – ist schief gewickelt. Besonders als Frau wird man von außenstehenden, oft männlichen, sehr oft älteren Personen zur Raison gebeten. Aber wer zum Teufel gibt hier überhaupt wem vor, was als anständig gilt?

Anständige Mädchen

Wahrscheinlich wißt ihr, was mit einem „anständigen Mädchen“ gemeint ist. Damals. Und wahrscheinlich auch heute noch. Womöglich jedoch nach veränderten Maßstäben. Weil sich das mit dem vorehelichen Sex und dem Rauchen in der Öffentlichkeit sich nunmal verändert hat. So wie sich alles verändert. Panta rhei, alles im Fluss. Hat sich also auch der Anstand vielleicht verändert?

Unanständige Mädchen

Sehr wahrscheinlich ist es sogar so, dass das, was ich als anständig definiere, für dich schon ziemlich unanständig ist. Ups! Trete ich dir jetzt etwa auf die Füsse? Ich bin verwirrt, wer von uns beiden ist denn nun anständig, wenn wir es doch beide von uns annehmen? Nach bestem Wissen und Gewissen versteht sich.

Unscharfe Zeiten

Ihr merkt worauf ich hinaus will: die Sache mit dem Anstand ist nicht randscharf. Genaugenommen ist sie unscharf. Nicht im Sinne des vorehelichen Geschlechtsakts, sondern in Bezug auf seine Definition. Die ist nämlich ebenso dem Fluss der Zeit ausgesetzt, wie wir alle auch. Da reichen kurze Erinnerungen an die eigene Jugend und das Unverständnis der Eltern für unser Verhalten, unsere Art uns zu kleiden und uns zu benehmen (oder auch nicht).

Von jemandem als anständig bewertet zu werden, bedeutet Erwartungen gerecht zu werden. Da wir aber alle recht unterschiedlich aufgewachsen sind, geprägt von verschiedenen Einflüssen geworden sind, wer wir nun mal sind, ist auch klar, dass andere Menschen die Dinge vielleicht eben ganz anders sehen.

Allgemeingültige Maßstäbe

Ist der Konflikt vorprogrammiert? Aber sicher. Das ist jedoch nichts, was man nicht gemeinsam aushandeln kann. Alles was du dafür brauchst ist Offenheit. Dich auf andere Ansichten und Perspektiven einzulassen. Und nie zu vergessen, dass dein Maßstab nicht der allgemeingültige ist, sondern eben nur dein eigener.

Ich möchte hier keine Anstandslosigkeit propagieren. Und gegen Sitte und Moral bin ich auch keineswegs. Aber ich für meinen Teil habe gelernt, dass die Sache eben nicht immer ganz klar ist, auch wenn ich glaube den absoluten Durchblick zu haben. Den anderen Standpunkt einzunehmen und den eigenen Tellerrand zu verlassen, kann wunderbare, neue Eindrücke erzeugen und mit ihnen kann man wachsen.

Mein Tipp für mehr Anstand im eigenen Leben:

Lass los. Was gestern war, bleibt zwar immer ein Teil von dir, hält dich aber nicht fest. Im Leben gibt es Fixpunkte, aber glücklicherweise sind wir nicht an sie gefesselt. Man muss sie hinter sich lassen können um weiterzugehen, was nicht heißt dass sich Orientierungslosigkeit einstellt. Im Gegenteil. Neue Ansichten und Erkenntnisse säumen unseren Weg und bieten unendliche Freiräume uns zu entwickeln – was für eine herrliche Aussicht auf alles was kommt!

Also, bis nächste Woche – bleib anständig und trink Tee!

Patrizias Teeologien sind inspiriert von Teebeutel-Weisheiten und übersetzen diese ins wahre Leben: Was will der Teebeutel mir sagen? Ist das auf dem Teebeutel mehr als nur ein belangloser Spruch? Wird mich das Trinken genau dieses Tees mit zunehmender Lebensweisheit belohnen?

Diese Woche: „Man muss die Vergangenheit zurücklassen, bevor man weiter kommt.“

 

 

 

 


Photo by Brooke Cagle on Unsplash