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Wann sind Bewertungen eigentlich so wichtig geworden und was machen sie mit uns? – Patrizias Teeologie No. 22

Die Sommerferien sind zu Ende. Und in Berlin, wo ich mal wieder zum co-kreativen Arbeiten hingereist bin, unterhält man sich beim ersten Elternabend schon darüber, wo die Sommerferien 2020 verbracht werden. Ich stelle fest, dass mein Kollege genau wie ich die Sommerferien mit seinen Eltern verbracht hat und nutze die Gelegenheit herauszufinden, ob er die gemeinsame Zeit ebensso herausfordern fand, wie ich.

Unterschiedliche Perspektiven auf so ziemlich alles waren an der Tagesordnung: Kindererziehung, Ernährung, Tagesabläufe, Politik. Ein bunter Strauß voller Bewertungen von morgens bis abends.

Und ja, mein Kollege bestätigt meine Erfahrungen voll und ganz: Die Großeltern versuchten seine Tochter zu retten – und zwar den ganzen Urlaub. Wovor? Vor dem Veganwahn.

Eine Frage des Alters?

Ich glaube nicht, dass unterschiedliche Auffassungen und Perspektiven lediglich eine Frage der Generation sind und  Lebenswelten und -einstellungen deshalb auseinander driften. Vielmehr habe ich das Gefühl, dass uns die Übung fehlt Toleranz zu leben. Ich meine hier nicht Toleranz für andere Kulturen oder andere Lebensformen. Ich meine explizit Toleranz unseren Nächsten und uns selbst gegenüber.

Eine Frage der Freiheit?

Meine Tochter hat übrigens auch ausprobiert, wie das ist mit dem Vegetarismus so ist. Ich habe die Großeltern großzügig vorgewarnt und … nun ja, ein Blick sagt mehr als tausend Worte.

Meinem Vater habe ich das „Aber…warum?“ sehr konkret angesehen, mir und ihm aber erspart, zu einer Rechtfertigung anzusetzen. Bewertungsfreiheit heißt nämlich nicht, dass man immer einer Meinung sein muss. Es heißt nicht, dass man den oder die andere verstehen muss. Es geht mehr darum das Andere so wie es daherkommt anzunehmen und Bewertungen auszuklammern.

Eine Frage der Erziehung?

Das ist nicht immer einfach. Hab ich dann in diesem Urlaub auch schnell gemerkt. Leben und leben lassen kann zum Kampfschauplatz der eigenen Vergangenheitsbewältigung werden. Offensichtlich wird, dass man die Dinge – ich meine Kindererziehung – sehr konkret und bewußt anders angeht und anders denkt, als es die eigenen Eltern getan haben.

Eine Frage des Bewusstseins?

Dabei habe selbstverständlich auch ich meine Meinung: Zum Vegetarismus, zum Veganismus und dazu, wenn Kinder mich beim Sprechen, Denken und Leben unterbrechen. Aber ganz ohne elterliches Zutun habe ich mich in der Zwischenzeit weiterentwickelt und in dieser Zeit, den ein oder anderen zusätzlichen Schliff abbekommen.

Und einer davon ist unglaublich hilfreich: Sich selbst bewusst darüber zu werden, wie sehr Bewertungen einschränken. Nein, nicht die Bewertungen der anderen, sondern die eigenen!

Keine Frage! Zuhören!

Die Art und Weise wie ich andere bewerte, sagt vorallem etwas über mich selbst aus. Dabei kann man sich doch entspannt zurücklehnen! Es ist überhaupt nicht erforderlich alles und jedes zu bewerten. Nicht mal auf Facebook oder Instagram. Du wirst viel mehr davon haben, wenn du einfach mal zuhörst. Dir ein Bild davon machst, wie andere ticken. Was sie denken. Wie ihre Perspektive ist. Und am Ende erkennst, dass dies das eigentliche Ziel ist: Zuhören, lernen, sein Selbst erweitern.

Mein Tipp für mehr Bewertungsfreiheit im deinem Leben:

Lass dich nicht so stressen von all den Likes, Daumen und Herzchen. Und hör sofort auf dieses Bewertungsverhalten aus den sozialen Medien in dein wirkliches und reales Leben zu übertragen. Sei offen, bleib offen und erzeuge noch mehr Offenheit indem du beobachtest ohne zu bewerten. Es ist nicht nötig eine Meinung zu äußern. Manchmal ist es nicht einmal nötig eine Meinung zu haben.

Also, bis nächste Woche – entspann dich und trink Tee!

Patrizias Teeologien sind inspiriert von Teebeutel-Weisheiten und übersetzen diese ins wahre Leben: Was will der Teebeutel mir sagen? Ist das auf dem Teebeutel mehr als nur ein belangloser Spruch? Wird mich das Trinken genau dieses Tees mit zunehmender Lebensweisheit belohnen?

Diese Woche: „Entwickle die Fähigkeit zuzuhören.“