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Mehr Streit für mehr Frieden! – Patrizias Teeologie No. 24

Lasst uns streiten – so titelt die Zeit. Her mit dem Streit – finde auch ich. Fiese, laut bis schreiende Auseinandersetzungen denken jetzt die einen. Kontroverse aber auch augenöffnende Gespräche, denke ich. Und bekomme an diesem Wochenende genau das hautnah zu spüren: Wir haben den Streit verlernt. Unfähig, andere Standpunkte auch nur anzuhören, geschweige denn uns darüber auszutauschen. Und dann: verhärtete Fronten, Lagerbildung, Verstummen. Die einen denken jenes, die andren anderes und ach, soll doch jeder denken was er will. So funktioniert Gesellschaft aber irgendwie nicht. Und genau deshalb sollten wir wieder lernen zu streiten – damit wir uns nicht nur entweder anschweigen oder anschreien. Denn wie immer, liegt die Wahrheit in der Mitte.

Über Tabus spricht man nicht

Am Wochenende traf man sich in fast schon familiärer Runde bei einem Kinderbuchworkshop zum Thema Tabu. Klar ist vorprogrammiert, dass es hier unterschiedliche Standpunkte gibt, denn Tabus sind gesellschaftlich geformte Normierungen, aber auch etwas sehr Persönlich bis Intimes. Aber das ist der Witz an den Tabus: Man spricht nicht über sie. Und so darf man sich auch an diesem Wochenende dazu entscheiden sich zurückzulehnen und einfach nur zuzuhören. Oder: Streit zu suchen!

Reizthemen und der Stich ins Wespennest

Klingt erst mal ganz friedlich, meint ihr? Ja. Bis zum (offensichtlichen) Reizthema Rassismus. Bis irgendwer anfing auszusprechen, dass die Weißen privilegiert sind und lernen müssen sich auf die Perspektiven der anderen einzulassen. People of Color, Pipi Langstrumpf, Sklaverei und die Reproduktion von Klischees die verletzend und diskrimierend sein können – es ging auf einmal heiß her. Offensichtlich hat jemand ins Wespennest gestochen. Und nun gab es kein Halten mehr.

Das Ziel ist nicht einer Meinung zu sein

Es wurde emotional. Einige waren regelrecht aufgebracht. Und spürbar war plötzlich eine Kluft zwischen jenen, die sich auf das Neue einlassen wollten und denen, die der Veränderung mit Ablehnung begegneten. Alles völlig normal würde ich sagen. Einer Meinung zu sein muss nicht das große Ziel sein. Im Gegenteil, aus unterschiedlichen Meinungen können vielfältige Denkweisen und Lösungsansätze hervorgehen.

Aber dafür muss man dieses Potenzial in einer Meinungsverschiedenheit erst mal sehen wollen. Sich darauf einlassen, dass es Perspektiven sind, die anders scheinen als meine aber dennoch ihre Berechtigung haben. Zuhören und Ausredenlassen gehört ebenso dazu wie die Bereitschaft einen Meinung die nicht meine ist auch einfach mal so stehen zu lassen.

Streit ist nicht das Ende der Welt

Ich meine mit Streitgesprächen nicht kriegerisches Aufeinanderlosgehen. Auf Angriff vorbereitet. Defensiv und verbarrikadiert. Ich meine mit Streitgesprächen zusammenkommen um Dinge zu besprechen und neu zu verhandeln. Im vollen Bewußtsein, dass Welten aufeinanderprallen. Aber dass dies nicht das Ende der Welt bedeuten muss.

Im Gegenteil. Dem Ende der Welt kommen wir näher, wenn wir aufhören uns zu streiten. Wenn wir einander egal sind und wir uns nur noch gegenseitig auf den Sack gehen. Dann bleibt uns nichts anderes übrig als uns nachhause zu verziehen um in unseren Phantasiewelten zu schwelgen in denen wir nur Beobachtende sind. Oder in diversen Foren der sozialen Medien unseren Frust abzulassen in dem Bewusstsein, dass die Anonymität uns vor dem direkten menschlichen Kontakt beschützt. Eine Auseinandersetzung mit anderen ist nicht nötig. Alles sauber. Alles auf Distanz. Power off und ich bin raus.

Mein Tipp für mehr Frieden im Krieg:

Mehr Streiten. Mehr Reden. Aber ohne Gewalt. Und mit Gewalt ist hier nicht das Schwingen von Fäusten gemeint. Gewalt kann auch sehr subtil daher kommen. Gewaltfreie Kommunikation ist das Schlüsselwort zu konstruktiven und respektvollen Streitsgesprächen. Sprich stets von dir, verzichte auf Vorwürfe dem anderen gegenüber. Erzähle DEINE Perspektive. Vermittle was DIR wichtig ist, was DU empfindest und was DU dir wünscht. Und dann? Hör einfach zu, lerne wie andere denken und finde gemeinsam einen Konsens.

http://www.soft-skills.com/gewaltfreie-kommunikation/

Also, bis nächste Woche – peace out for tea!

Patrizias Teeologien sind inspiriert von Teebeutel-Weisheiten und übersetzen diese ins wahre Leben: Was will der Teebeutel mir sagen? Ist das auf dem Teebeutel mehr als nur ein belangloser Spruch? Wird mich das Trinken genau dieses Tees mit zunehmender Lebensweisheit belohnen?

Diese Woche: „Friede ist die Fähigkeit, Konflikte zu bewältigen.“

 

 

 

Photo by Matheus Ferrero on Unsplash