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Gekündigt und schwanger – was nun?

Eine Kündigung des Arbeitsvertrages während der Schwangerschaft und bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Entbindung ist unwirksam – egal ob der Arbeitgeber von der Schwangerschaft wusste oder nicht.  Dies gilt auch unabhängig davon, ob sich die Arbeitnehmerin noch in der Probezeit befindet oder nicht. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Arbeitgeber Kündigungen aussprechen, obwohl die Arbeitnehmerin schwanger ist oder kurz zuvor entbunden hat. Als Arbeitnehmerin sollte man sofort handeln, wenn während der Schwangerschaft eine Kündigung ins Haus flattert, denn die Wirkung der Unwirksamkeit der Kündigung tritt nicht automatisch ein. Was also ist nun zu tun?

Dem Arbeitgeber die Schwangerschaft mitteilen!

Möglicherweise weiß der Arbeitgeber noch gar nicht, dass du schwanger bist. Sollte das der Fall sein, musst du dem Arbeitgeber nun unbedingt mitteilen, dass du schwanger bist und die Schwangerschaft durch ärztliches Attest nachweisen – und zwar innerhalb von zwei Wochen nach Zugang der Kündigung. Ist der Arbeitnehmerin die Schwangerschaft zum Zeitpunkt der Kündigung noch gar nicht bekannt, kann sie die Mitteilung unverzüglich nach Bekanntwerden der Schwangerschaft nachholen. Wichtig ist aber, dass die Schwangerschaft bereits zum Zeitpunkt der Kündigung bestand.

Kündigungsschutzklage einlegen!

Außerdem ist es unerlässlich Kündigungsschutzklage einzulegen, wenn der Arbeitgeber die Kündigung nicht zurücknimmt. Dies muss innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung beim zuständigen Arbeitsgericht geschehen. Ansonsten wird die Kündigung trotz Schwangerschaft wirksam. Nach Ablauf der Drei-Wochen-Frist kann gegen die Kündigung nichts mehr unternommen werden.

Die Agentur für Arbeit informieren!

Sobald die Kündigung vorliegt, laufen auch Fristen zur Meldung bei der Agentur für Arbeit als arbeitssuchend und gegebenenfalls arbeitslos. Unterbleibt die Meldung drohen Sperrzeiten für das Arbeitslosengeld. Informiere deshalb unverzüglich, in der Regel innerhalb von drei Tagen, die Bundesagentur für Arbeit über den Erhalt der Kündigung.

Nichts unterschreiben!

Arbeitgeber versuchen manchmal Arbeitnehmer, ggf. parallel zu einer ausgesprochenen Kündigung, mit Aufhebungsverträgen zu locken. Wirst du zu einem Personalgespräch gerufen, solltest du nichts unterschreiben. Eine einmal geleistete Unterschrift lässt sich in den allermeisten Fällen nicht wieder rückgängig machen. Nimm das Schriftstück, das du unterschreiben sollst, an dich und erkläre deinem Arbeitgeber, dass du das Schriftstück prüfen und danach wieder auf ihn zukommen wirst.

Rechtsrat einholen!

Im Zweifel solltest du dich anwaltlich beraten lassen und Rechtsauskunft einholen. Jeder Fall ist ein Einzelfall, so dass tatsächlich immer am konkreten Fall geprüft werden muss, was zu tun ist. Den Termin bei einem Anwalt solltest du so vereinbaren, dass noch genügend Zeit bleibt, den Arbeitgeber innerhalb der laufenden Fristen zu kontaktieren und Kündigungsschutzklage einzureichen.