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Selbstliebe und der tägliche Kampf mit dem inneren Kritiker

Ich möchte in meinem ersten Beitrag für dieses Magazin ein Thema ansprechen, das wahrscheinlich sehr viele von euch kennen. Vermutlich können dir die folgenden Zeilen nicht dabei helfen, diesen inneren Kampf über Nacht zu gewinnen, aber alleine das Ansprechen und Bewusstsein schaffen, ist ein erster Schritt zur inneren Heilung.
Denn in Wahrheit ist Selbstliebe ein vielschichtiger Prozess, eine Reise, die geraume Zeit in Anspruch nimmt – sich aber hundertprozentig lohnt, sie anzutreten, um vollkommen in die eigene Kraft zu kommen.

Selbstkritik und das ununterbrochene sich Sorgen machen

Jede von uns macht sich im Laufe ihres Lebens mal Sorgen – das ist, möchte ich fast sagen, normal und menschlich. Sei es die Sorge um das Wohlergehen eines Familienmitglieds oder eines guten Freundes, die finanzielle Situation oder aber auch scheinbar unbedeutendere Zweifel wegen der neuen Kurzhaarfrisur oder ob man heute noch die Lieblings-Bio-Hafermilch für das Müsli im Supermarkt ergattern wird – wir kennen es alle!
Ich spreche nicht von dieser Art Sorgen – sondern von tagtäglicher Selbstkritik, dem inneren Schlechtmachen im Minutentakt.

„Ich werde es nie schaffen, erfolgreich zu sein. Warum sollte ich auch? Ich bin lange nicht so gebildet und durchsetzungsfähig wie der- oder diejenige….“

„Trotz der 5 Stunden Sport in der Woche, sind meine Oberschenkel immer noch voller Orangenhaut. Ich hasse es, mich im Spiegel anzuschauen….“

„Ich bin doch überhaupt nicht liebenswert. Was habe ich denn schon zu ‚bieten‘?“

Was ist das noch für ein Leben?

Wir kämpfen innerlich gegen uns selbst, gegen unseren Körper, unser Aussehen, unsere Ausdrucksweise, das Auftreten, die fachliche Kompetenz und vieles mehr.

Wir sind permanent unzufrieden mit uns selbst und in einigen Fällen hassen wir uns sogar dafür, wie wir wirklich sind.
Dieses andauernde Kritisieren der eigenen Person hat das Potenzial deiner Seele Wunden zuzufügen und die Macht, sogar den Körper in einen absoluten Ausnahmezustand zu versetzen. Die Muskeln und der Magen verkrampfen sich, die Mimik wird steif und verhärmt und das Herz rast vor sich hin.
Es saugt dir nach und nach, ganz still und leise, die Kraft aus dem Leib..

Ich habe selbst diese Phasen durchlaufen und nehme mich bei dieser Darstellung gar nicht heraus.
Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mir selber die Fragen stellte: „Was ist denn das noch für ein Leben? Sieht so das Leben aus, das ich führen möchte? „Konnte dieses Sorgenmachen einen winzigen Teil meines Lebens verbessern?“

Und ich musste ehrlich zu mir sein: Nein. Ich habe sogar das Gegenteil damit erreicht.

Vor nicht allzu langer Zeit stellte mir eine liebe Freundin eine entscheidende Frage: „Würdest du die Dinge, die du dir tagtäglich an den Kopf wirfst auch zu deiner fünfjährigen Tochter sagen? Warum machst du es dann bei dir selbst?“
In diesem Moment habe ich zum ersten Mal richtig verstanden, was ich da genau mache.

Nun richte ich diese Frage an dich, hier und jetzt: Würdest du dieselbe Kritik, die du dir entgegenbringst, auch einem dir nahestehenden, lieben Menschen an den Kopf knallen? Ich vermute, mit ziemlicher Sicherheit, die Antwort zu kennen.

Selbstliebe aufbauen

Also hör auf! Hör auf, dich selbst zu bekämpfen und fang an, dich so anzunehmen, wie du bist. Beginne im Kleinen und steigere dich von Tag zu Tag. Du wirst den Unterschied fühlen und immer mehr in deine Kraft kommen.

Im nächsten Artikel möchte ich dir gerne einige Übungen vorstellen, die mir geholfen haben, mehr Selbstliebe aufzubauen.

Photo by William Farlow on Unsplash