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To Do Listen ignorieren darf auch mal sein – Patrizias Teeologie No. 27

Ich bin total erledigt. Müde. Ausgelaugt. Eigentlich will ich nur noch rumgammeln, abschalten und nichts tun müssen. Nach neun Stunden konzentrierter Arbeit sehnt sich mein Gehirn nur noch nach Fast-Food. Aber ich hab noch ein To Do. Naja, um ehrlich zu sein nicht nur eins. Um ganz ehrlich zu sein hab ich nicht nur EINE To Do Liste, es gibt diverse, nach Themen sortiert. Vermutlich unvermeidbar wenn man an mehreren Projekten gleichzeitig schraubt. Und seit ich weiß, dass ich der sogenannte Scanner-Typ bin, beunruhigt mich das genausowenig wie die Tatsache, dass ich meist mehrere Bücher gleichzeitig lese. So war ich schon als Kind. Das zu-Ende-bringen war nie das maßgebliche Ziel. Weil der Weg eben für mich das bessere Ziel ist.

Die vielbegabte Scanner-Persönlichkeit

Ein Schritt vorwärts und zwei zur Seite

Eigentlich liebe ich To Do Listen. Oder nein, ich liebe es Dinge von To Do Listen zu streichen. Erledigt, abgehakt, gestrichen. Aber das ist natürlich eine Farce, denn permanent wird die Liste gefüttert und genährt. Der Zustand einer Null-Liste stellt sich niemals ein. Darf es auch garnicht. Der Sinn die Liste abzuarbeiten ist gleichzeitig die Liste zu bearbeiten. Eins erledigt, zwei neue dazu.

Den Hügel rauf und wieder runter

Es gibt eine Geschichte dazu. Sisyphos schleppt zeitlebens einen Felsbrocken den Hügel rauf und kurz vor Erlangen des Ziels kullert der den gesamten Weg wieder runter. Und Sisyphos – fängt nochmal von vorne an. Damit ist er zum Symbol für eine Tätigkeit ohne absehbares Ende geworden, was ihn aber nicht daran hindert immer weiter zu machen. Ist der blöd, fragt man sich. Warum lässt er es nicht einfach bleiben? Wäre doch viel schlauer…

Einfach dranbleiben und weitermachen

Ich denke die Antwort ist hier nicht ganz so einfach. Einerseits wäre es vielleicht garnicht schlecht wenn Sisyphos sich mal eine andere Aufgabe sucht. Bei dem weit verbreiteten Fachkräftemangel findet sich sicherlich eine adäquate Aufgabe für einen Kerl mit so viel Durchhaltevermögen. Andererseits ist es geradezu bewundernswert wie sehr Sisyphos scheinbar daran glaubt, dass er es doch irgendwann schaffen könnte den Felsbrocken auf die Hügelspitze zu verfrachten. Und das wäre wirklich ein Spektakel, weil eben niemand damit rechnet.

Es wäre weit mehr als ein gewöhnlicher Fels auf dem Hügel. Man würde ihm dort ein Denkmal errichten möchte ich wetten. Oder zumindest eine Infotafel neben dem Felsen aufstellen, die seine unglaubliche Leistung kundtut. Vielleicht war es diese Aussicht auf das Ende der Geschichte die Sisyphos dermaßen angetrieben, ihn hat vergessen lassen, was die letzten 100 mal kurz vor Erreichen des Gipfels geschehen ist.

Ohne Stress und ohne Hektik

Was hat das jetzt mit meiner To Do Liste zu tun? Nun, was ich sagen möchte ist nicht unbedingt dass man es gleich ganz bleiben lassen kann, weil es niemals gelingen wird die Liste abzuarbeiten. Aber ich meine, wenn man erkannt hat dass es nicht darum geht alles (das Projekt, den Job, das Leben) quasi hinter sich zu bringen, dann kann man ja auch mal ein Päuschen machen. Oder? Ruhig mal auf dem Felsblock chillen und überlegen was noch alles auf die To Do Liste könnte. Macht ja auch Spaß, so eine Liste zu erstellen.

Also schreib ich jetzt keinen Text mehr? Leg mich aufs Hotelbett und schau ein bisschen Leichtathletik? Von wegen. Auch wenn ich es heute wieder nicht schaffe alle To Dos abzuhaken…diesen einen schaff ich noch. Den möcht ich durchstreichen können. Und, ach, das fühlt sich so verdammt gut an. Und darum geht es letztenendes – das gute Gefühl, Liste hin oder her.

Mein Tipp für den Umgang mit To Do Listen:

Am besten nicht zu sehr beeindrucken lassen. Sie wächst. Sie schrumpft. Sie ist quasi ständig auf Diät aber mit JoJo Effekt. Da kann man eh nichts machen, das liegt in der Natur der Sache. Deshalb rate ich, es ruhig und beständig anzugehen, mit kleinen Sprints dazwischen wenn die Energie dafür gerade ausreicht. Ansonsten: Marathon mit Pausen am Wegesrand. Die anderen vorbeiziehen lassen, unbeeindruckt sein eigenes Tempo abwägen und dann wieder ran. Der Weg ist das bessere Ziel. Und wie DU den gehst, kannst du je nach Energielevel selbst entscheiden.

Also, bis nächste Woche – To Do: Tee trinken!

 

 

Patrizias Teeologien sind inspiriert von Teebeutel-Weisheiten und übersetzen diese ins wahre Leben: Was will der Teebeutel mir sagen? Ist das auf dem Teebeutel mehr als nur ein belangloser Spruch? Wird mich das Trinken genau dieses Tees mit zunehmender Lebensweisheit belohnen?

Diese Woche: „Tue was dir Harmonie schenkt.“

Patritzias Teeologie #27