262 Views |  Like

Plötzlich ist alles anders und was das mit mir macht – der ungeschönte Bericht einer Selbstständigen

Das Jahr ging großartig los. Seit der Geburt meiner Tochter vor viereinhalb Jahren war es umsatzmäßig der beste Jahresstart. Ich hatte das Gefühl, dass die Samen, die ich gesät hatte, durch harte Arbeit, dranbleiben und weitermachen, endlich langsam aufgingen.
Meine Shows waren super verkauft, meine Trainings liefen, Kunden kamen auf mich zu(rück)…es war viel, aber es war gut und ich hatte das Gefühl, so kann es weitergehen, denn es geht weiter aufwärts.

Und dann kam diese (Corona) Zeit

Von heute auf morgen eine Absage nach der anderen. Die gut verkauften Shows verschoben. Die Präsenztrainings abgesagt, Jobs ersatzlos gestrichen. Vorträge storniert. Ein Umsatzeinbruch innerhalb von einer Woche in fünfstelliger Höhe. Ich war am Boden zerstört.

Und dann besann ich mich. Das war doch nicht die erste Krise, mit der ich es zu tun hatte. Ich hatte in meinem Leben schon das ein oder andere erlebt, ich bin seit 16 Jahren selbstständig. Und es hatte immer etwas Gutes…

Wie es mir gerade geht:

Im Moment stehe oder sitze ich hauptsächlich vor dem Mikro oder der Kamera. Anders geht es gerade nicht. Mein Büro, das nie als Studio gedacht war, entwickelt sich immer mehr dazu. Einem quasi Videostudio für die Live-Talks „Moin Zusammen“ auf YouTube mit Tetje Mierendorf und unserem in Kürze aus dem Boden gestampften Talkformat „Moin zusammen. Hamburg schnackt!“ und für die Podcasts „Business & Cake“ mit Vanessa Jobst-Jürgens und meinem neuen Podcast „Rock the Stage“.

Verdiene ich damit aktuell Geld? Damit (noch) nicht.
Spricht man darüber? Im Moment schon, denke ich. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Und nun kommen die Kunden auf mich zu und fragen, ob ich gewisse Formate nicht auch online abhalten kann. Na klar kann ich das. Ich bin zertifizierte E-Trainerin und arbeite bereits seit Jahren im virtuellen Raum, sei es per Video oder im 3D-Raum als Trainerin mit Avataren. Somit bin ich geübt darin Konzepte auf die virtuelle Welt zu übertragen.

Und ich habe das Medium Video auszubauen schon lange auf meiner To-Do-Liste gehabt. Nun kann ich es einsetzen.

Und ich mache weiter. Ich suche mir die Bühnen virtuell. Wir planen sogar einen Live-Stream einer unserer Bühnenshows.
Aber warum? Ja, das ist die gute Frage. Das ist doch immer die Frage, die man sich stellen soll, oder?

Warum mache ich etwas?

Ich mache es, weil ich leidenschaftlich gern selbstständig bin. Ich weiß noch, dass ich es nie sein wollte und nun mich nicht wieder in das vermeintlich sichere Angestelltenverhältnis begeben möchte. Ich bin gern mein eigener Chef. Ich kann meine Kreativität laufen lassen, Dinge, die sogar in diesen Zeiten aus mir sprudeln, umsetzen. Und die Stimmen, die von außen sagen „Warum machst Du sowas?“ einfach ignorieren. Und meiner inneren Stimme folgen. Die musste ich erstmal wieder finden, ganz klar. Denn auch ich war in Schockstarre nach dem „Shut-Down“. Es tut auch immer noch weh, wenn wieder ein Job abgesagt wird.

Alles ist zu etwas gut – was die Zeit mit mir macht:

Und dennoch gibt es eben diese eine kleine Stimme in mir, die sagt: „Sonja, es wird alles zu etwas gut sein. Du wirst auch hier wieder gestärkt daraus hervorgehen. Gib nicht auf, achte aber auch auf Dich. Versuche Dir, trotz der wenigen Zeit mit Mann und Kind zu Hause und der Arbeit, Zeit für Dich zu nehmen.“

Ich gehe zweimal am Tag spazieren. Zwei-bis dreimal die Woche fahre ich ca. eine halbe Stunde Inliner, die ich mir jetzt wieder zugelegt habe. Ich esse jeden Mittag Mittagessen – das habe ich vorher nicht gemacht. 

Und plötzlich beschäftige ich mich mit Technik, noch mehr als zuvor. Denn es muss sein. Es ist „Part of the Game“. Nicht der Spaßigste, aber so kann ich die spaßigen Sachen umsetzen. Und mal ehrlich, wenn ich wieder etwas geschafft habe, was ich vorher nicht konnte, darf ich mir auch auf die Schulter klopfen.

Klopf dir auf die Schulter. Für alles, was du jetzt schaffst. Und was du nicht schaffst, lass sein. Denn du brauchst Zeit für die Akzeptanz dieser Situation. Ich versuche sie mir auch zu nehmen. Wenigstens kurz, jeden Tag. Und dann setze ich mich wieder an meine neue Technik.

Bleib gesund und höre auf deine innere Stimme!

 

Mehr zum Umgang mit Krisenzeiten erzählt Simone Kreuzer in ihrem Artikel „Wie wir in Krisenzeiten vom Reagieren ins Agieren kommen können“.

 

Photo by DJ Johnson on Unsplash