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Angst – wieso wir Ängste haben und was wir dagegen tun können

Das Gefühl der Angst: Wir alle haben uns sicherlich schon mal verängstigt gefühlt. Sei es in Bezug auf eine bevorstehende Prüfung, den Zahnarztbesuch oder beim Aufeinandertreffen mit einer Spinne.

Das Gefühl von Angst und Stress macht sich bei uns allen sehr ähnlich bemerkbar. Wir schwitzen schneller, der Herzschlag erhöht sich, die Muskeln spannen sich an und wir haben alles andere als Nahrungsaufnahme im Sinn.

Evolutionsbiologisch betrachtet, ist das, was in unserem Körper passiert, absolut überlebensnotwendig

So können wir im Falle einer Bedrohung schnell flüchten oder kämpfen. Wir sind in dem sogenannten „Fight or Flight“ Modus. Es werden vermehrt die sogenannten „Stress-Hormone“ Adrenalin und Cortisol gebildet. Und in Sekundenschnelle werden Reize an das vegetative Nervensystem weitergeleitet. Unser Körper und Geist sind maximal wachsam.

Der Grund und die Entstehung einer Angst ist ganz individuell.

Bei dem Kontakt mit einem Säbelzahntiger würden wohl die meisten von uns ein einschüchterndes Gefühl empfinden. Bei der Spinne sieht es da schon ganz anders aus – manche finden sie vielleicht sogar niedlich.

Es ist daher hilfreich zu verstehen, was bei Ängsten im Körper passiert und wieso wir sie haben

So können wir besser herausfinden, was wir selbst dagegen tun können. Denn ob sich Ängste äußern und unter Umständen sogar eine übersteigerte Form annehmen, liegt an einem Zusammenspiel neurobiologischer, biografischer und psychologischer Faktoren. Zudem gibt es scheinbar auch beeinflussende genetische Faktoren.

Neurobiologisch kann ein Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Gehirn die Entstehung von Ängsten begünstigen. Dabei spielen zum Beispiel Serotonin, Noradrenalin und Dopamin eine Rolle. So ist unser Angstgefühl zum Beispiel abhängig von der Dopamin-Konzentration.

Angst ist zudem biografisch geprägt. Wir lernen im Verlaufe unseres Lebens Angst auf eine bestimmte Art und Weise zu begegnen. So entwickeln wir durch unsere Erfahrungen und Erlebnisse einen gewissen Umgang. Aus unserer Reaktion auf bestimmte Dinge können sich Muster entwickeln. Bleiben diese unreflektiert, verfestigen sie sich.

Ebenso kann psychologisch betrachtet, aber auch ein traumatisches Ereignis stattgefunden haben. So gab es unter Umständen ein harmloses Ereignis, wie zum Beispiel einen Zahnarztbesuch. Dabei kam es gleichzeitig aber zu einem angstauslösenden Reiz. Das Unterbewusstsein wird dann den Zahnarztbesuch unter Umständen fortan mit einem „traumatischen“ Erlebnis verknüpfen. Wird dies nicht ausreichend verarbeitet, kann es zu einer Konditionierung kommen.  Es ist dann besonders wichtig diese Konditionierung zu vermeiden, in dem man sich dem nächsten Zahnarztbesuch wenn möglich tapfer stellt.

Angst, aber keine Ahnung wo sie herkommt.

Der Vorteil an diesem Beispiel mit dem Zahnarztbesuch ist, dass wir uns an diese Verknüpfung vermutlich sehr gut erinnern werden. Es ist recht eindeutig woher die Angst kommt.

Ebenso kann es aber auch zu unbewussten Verknüpfungen kommen

So kann ein Flug vom Unterbewusstsein mit einem Beziehungsstreit in Verbindung gebracht worden sein. Zusätzlich war es zu dieser Zeit sehr stressig und unsere Verarbeitung der Situation hat nicht ausreichend stattgefunden. Jahre später fliegen wir und können uns eine mögliche Flugangst unter Umständen nicht erklären. Daher ist die Arbeit mit dem Unterbewusstsein so wichtig, da wir diese unbewussten Verknüpfungen dort auftun und auflösen können.

Unsere Ängste spiegeln demnach also eher unsere Vergangenheit, als die tatsächlichen aktuellen Geschehnisse wieder.

Daher ist es wichtig, dass wir Ereignisse, die uns emotional sehr zusetzen, Gefühle der Überforderung auslösen oder uns sehr bedroht haben ausreichend überarbeiten. So werden sie künftig nicht als angstauslösender Schlüsselreiz abgespeichert. Dabei helfen zum Beispiel ausreichend Schlaf, eine gesunde Lebensweise und körperliche Bewegung.

Besonders körperliche Betätigung hilf dabei Stress-Hormone abzubauen. 

„Leider“ müssen wir allerdings nur noch selten tatsächlich vor einem Säbelzahntiger flüchten oder uns körperlich betätigen, um stressende Dinge oder Situationen zu bewältigen. Dies führt dazu, dass die Hormone unter Umständen nicht ausreichend abgebaut werden. Dies kann Angstempfinden, Stresserleben und Gefühle der Überforderung begünstigen. Zudem ist die Regulation des Cortisol-Spiegels wichtig, da das Hormon für die Blutzuckerregulation, den Stoffwechsel und die Immunfunktion wichtig ist. Das ist übrigens auch der Grund dafür warum eine Diät in stressigen Lebensphasen meist nicht funktioniert oder wir schneller krank werden.

Tipp
Wenn dir also das nächste Mal der Kopf qualmt, du dich angespannt oder verängstigt fühlst, kann es sehr hilfreich sein eine Runde spazieren zu gehen oder dich anderweitig zu bewegen. So sorgst du für ein Gleichgewicht im Körper.

Zudem aktiviert Spazierengehen die beiden Gehirnhälften. Dies reduziert nachweislich auch das Stressempfinden und „sortiert unsere Gedanken“.

 

Sei für weitere Tipps und einen Austausch zu dem Thema gerne bei dem nächsten Webinar von Dr. Ann-Kathrin Richarz zum Thema „Ängste verstehen und besser damit umgehen“ dabei. 

Aktuelle Webinar-Termine

  • 17.04.2020 von 10:00-10:30Uhr
  • 01.05.2020 von 10:00-10:30Uhr

Lies gerne auch den Artikel „5 Tipps bei Anspannung, Ängsten und Stress“ oder

den Artikel von Simone Kreuzer „Wie wir in Krisenzeiten vom Reagieren ins Agieren kommen können“ oder

den Artikel „Veränderungen und Zweifel und 5 Impulse für einen besseren Umgang mit ihnen“ von Martina Jürgensen

Noch ein Hinweis

Wenn die Angst allerdings ein übersteigertes Ausmaß annimmt, spricht man von einer Angsterkrankung oder -störung. Neben Depressionen zählen Angsterkrankungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Dazu zählen Panikstörungen, Generalisierte Angststörungen, soziale Angststörungen und spezifische Phobien. In diesen Fällen ist es wichtig sich professionelle psychologische Unterstützung zu suchen.