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Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub – auch in Zeiten von Corona?

Urlaubsrecht in Zeiten von Corona: Die Sommermonate stehen vor der Tür. Eigentlich der beste Zeitpunkt, um den bevorstehenden Sommerurlaub zu planen. Doch dieses Jahr macht uns Corona einen Strich durch die Rechnung. Balkonien statt Meeresbrise ist angesagt. Arbeitsrechtlich ergeben sich aus dieser Situation jede Menge Fragestellungen, vor allem dann, wenn du schon beantragten und genehmigten Urlaub nun doch nicht nehmen willst.  Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für euch gesammelt.

ein Artikel von Magdalena Wagner

Mein Urlaubsantrag für das Jahr 2020 ist bereits bei meinem Arbeitgeber eingereicht und der Urlaub genehmigt. Kann ich meinen Urlaubsantrag zurückziehen?

Ist der Urlaub durch den Arbeitgeber genehmigt, kann ich nicht einseitig den Urlaubsantrag zurückziehen oder den genehmigten Urlaub widerrufen. Argumente wie zum Beispiel man könne sich aufgrund der aktuellen Krise nicht erholen, den Urlaub nicht wie geplant nutzen oder auch die Urlaubsreise nicht antreten, zählen nicht. Eine „Stornierung“ des Urlaubs ist somit nur mit Einverständnis des Arbeitgebers möglich, das schriftlich fixiert werden sollte.

Nein, das geht nicht. Der Jahresurlaub muss grundsätzlich auch im laufenden Kalenderjahr genommen werden. Nur Urlaub, der im gesamten laufenden Kalenderjahr aus dringenden betrieblichen oder persönlichen Gründen nicht genommen werden kann, darf in das drauffolgende Kalenderjahr übertragen werden. Aber auch dann muss der Urlaub bis spätestens 31. März des Folgejahres genommen werden, da er ansonsten verfällt.

Auch eine Auszahlung des Urlaubsanspruches in Geld kommt nicht in Frage. Eine solche sieht das Gesetz nur vor, wenn das Arbeitsverhältnis beendet wird und der Urlaub wegen der Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr gewährt und genommen werden konnte.

Kann mich mein Arbeitgeber in einen Zwangsurlaub schicken?

Grundsätzlich darf der Arbeitgeber den Urlaubszeitraum nicht alleine festlegen, sondern muss die Urlaubswünsche der Arbeitnehmer berücksichtigen. Eine Ausnahme besteht dann, wenn der Arbeitgeber Betriebsurlaub einführt und anordnet. Allerdings darf der Chef nicht den gesamten Urlaub für Betriebsferien verplanen. Über einen Teil muss der Arbeitnehmer selbst bestimmen dürfen. In Betrieben mit Betriebsrat ist zudem zwingend der Betriebsrat zu beteiligen. Der Betriebsurlaub muss außerdem rechtzeitig angekündigt werden, damit sich die Arbeitnehmer darauf einstellen können.

Bleibt mein Urlaub erhalten, wenn ich während des Urlaubs krank werde?

Gleichzeitig Urlaub haben und krank sein widerspricht sich. Wird ein Arbeitnehmer also während seines Urlaubs arbeitsunfähig krank, verbraucht er seinen Urlaubsanspruch nicht. Er muss sich aber bei seinem Arbeitgeber ordnungsgemäß arbeitsunfähig melden und die Arbeitsunfähigkeit ggf. auch nachweisen.

Kann mich der Arbeitgeber aus meinem angetretenen Urlaub zurückholen, wenn „Not am Mann“ ist?

Hat der Arbeitgeber den Urlaub einmal gewährt, kann auch er diesen nicht einseitig zurückziehen. Allenfalls in Notfällen kann ein Anspruch des Arbeitgebers entstehen, dass der Arbeitnehmer seinen Urlaub verändert. Nach der Rechtsprechung reichen hierfür jedoch Personalknappheit oder -engpässe nicht.

Kann ich kurzfristig eigenmächtig Urlaub einbringen, wenn ich meine Kinder betreuen muss?

Eigenmächtig in den Urlaub zu gehen ist keine gute Idee – auch nicht in Corona-Zeiten und auch dann nicht, wenn Zweck des Urlaubs die Kinderbetreuung sein soll. Urlaub muss immer beantragt und durch den Arbeitgeber genehmigt sein. Liegt keine Genehmigung vor, kann ein eigenmächtig genommener Urlaub bis hin zu einer Kündigung des Arbeitsverhältnisses führen.

Ich bin in Kurzarbeit. Kann ich trotzdem in den Urlaub gehen?

Urlaub und Kurzarbeit schließen sich nicht aus. Auch während der Kurzarbeit kann Urlaub beantragt oder genehmigt werden. Bei „Kurzarbeit null“, d.h. wenn die Arbeitszeit zu 100 % reduziert ist, verringert sich unter Umständen jedoch der Gesamturlaubsanspruch und zwar anteilig für den Zeitraum der Kurzarbeit.

Mein Arbeitgeber möchte erfahren, wo ich im Urlaub war. Muss ich darüber Auskunft geben?

Nein, denn Urlaubsreisen gehören zur Privatsphäre des Arbeitnehmers. Eine Ausnahme gilt dann, wenn ich mich in einem Gebiet aufgehalten habe, für das das Auswärtige Amt eine offizielle Reisewarnung wegen der Infektionsgefahr herausgegeben hat. Dann kann der Arbeitgeber ein berechtigtes Interesse daran haben das Urlaubsziel zu erfahren, um Schutzmaßnahmen ergreifen zu können.

Insgesamt gilt: Es ist in jedem Fall ratsam, rechtzeitig das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen, wenn Änderungen in der Urlaubsplanung notwendig werden. Oftmals lassen sich mithilfe frühzeitiger Kommunikation gemeinsam gute Lösungen erarbeiten.