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Das Ego-Spiel der falschen Sicherheit in Zeiten von Corona und wie ich mich als DM Mitarbeiterin dabei fühle

Ganz ehrlich. Um es gleich auf den Punkt zu bringen. Ich komme mir verarscht vor.

Der ungeschöhnte Bericht einer DM Mitarbeiterin in Coronazeiten.

Dicht gedrängt in den Regalen

Vor dem Lockdown tobten die Kunden und liefen fast Amok. Sie plünderten die Regale und verhielten sich alles andere als respektvoll. Es wurde um das Klopapier gezankt und sich lautstark beschwert, wenn bestimmte Produkte nicht mehr vorrätig waren. Dicht gedrängt rannten sie uns die Bude ein, um ja alles zu Hause zu haben.

Zu diesem Zeitpunkt der Pandemie hatte keiner Interesse an Schutzmaßnahmen. Jetzt tut mancher Kunde so, als hätte ich die Pest, wenn ich keine Maske hinter meiner Plexiglasscheibe an der Kasse trage.

Ich darf hier lächeln und ohne Maske sitzen

Als Mitarbeiterin darf ich an der Kasse ohne Maske sitzen, da ich hinter dem Plexiglas gut geschützt bin – den Hinweis dazu, „Wir begrüßen Sie mit einem Lächeln“, können die Kunden an der Kasse lesen. Als eine Kundin während des Kassiervorgangs zu mir meinte, ich solle bitte die Maske aufsetzen, habe ich mit einem klaren „NEIN“ geantwortet. Daraufhin wurde ihr Ton noch unfreundlicher: „Dann müssen Sie Strafe zahlen.“ Wieder war meine klare Antwort ein „NEIN“ mit dem Hinweis auf das Schild – ich darf hier lächelnd und ohne Maske sitzen. Die Kundin, die sich in ihrem Sicherheitsgefühl wohl angegriffen fühlte, schoss hinterher: „Dann muss ich mir in Zukunft überlegen, ob ich hier weiterhin einkaufen gehe.“ Natürlich bezog ich weiterhin Stellung: „Sie können gerne wo anders einkaufen gehen.“ Daraufhin schwieg die Kundin.

Aus meinem Geduldsfaden ist mittlerweile eine Zündschnur geworden. Dieses Spiel um falsche Sicherheit geht mir gehörig auf den Zeiger. Erst wird gehamstert, um sich sicher zu fühlen, und jetzt das Tragen der Masken und die krankhafte Abstandseinhaltung, um sich sicher zu fühlen.

Die Panik als Virus

Ist das, was gerade in unserer Gesellschaft passiert, ein einziger Schrei nach fehlender Stabilität und Sicherheit, die wir verzweifelt im Außen und in der Kontrolle suchen, statt auf uns selbst zu hören?

Mein Vorschlag: Wir sollten dringend runterkommen und die Angst, die in unserem Land herrscht, genauer unter die Lupe nehmen, statt sie nach außen zu einem Monster aufzublasen.

In der Hoffnung auf eine baldige Genesung von der Panik.

Eure Simone

 

 


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