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Hab Mut dich selbst (neu) zu erfinden und werde zum Gestalter deines Lebens

Vor kurzem war ein junges Mädchen bei mir zu Gast im Coaching. 19  Jahre, das Abitur erfolgreich bestanden, ein halbes Jahr im Ausland gewesen. Anlass des Coachings war es, dass sie nicht wusste, für welchen beruflichen Weg sie sich entscheiden soll. Eine ihrer Formulierungen war: „Was, wenn ich eine falsche Entscheidung treffe und die Ausbildung abbreche? Dann hat mein Lebenslauf ja gleich zu Beginn meiner beruflichen Karriere einen Knick.“

Ich hatte so sehr gehofft, dass die Gedanken rund um den vermeitlich perfekten, lückenlosen und straighten Lebenslauf so langsam aussterben. Sind sie aber leider nicht – wie ich immer wieder erlebe.

Wie auch? Wir werden in jungen Jahren von unseren Familien und unserem sozialen Umfeld geprägt. Lange Zeit war es das Bestreben vieler, einen möglichst geradlinigen Berufsverlauf vorweisen zu können. Irgendwie sollte das auf Kompetenz, vielleicht auch Durchhaltevermögen und Interesse an einer langfristigen Zusammenarbeit deuten. Heute hat sich die Welt erheblich gewandelt.

Die Welt hat sich geändert: Veränderungskompetenz, Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und Offenheit sind wichtiger denn je.

Unternehmen, neue Geschäftsmodelle sprießen wie Frühlingsblumen aus dem Boden, Berufe verändern sich. Wir wissen nicht, ob unsere Jobs in ein paar Jahren auf die gleiche Art weiter existieren werden. Familien und auch Lehrer bereiten Kinder und Jugendliche auf eine Welt vor, von der wir nicht wissen, ob sie überhaupt noch so existieren wird. Werte und Haltung, die vermutlich zukünftig nicht mehr hilfreich oder nicht erforderlich sein werden, prägen die Erziehungsstile. Dabei sind Veränderungskompetenz, Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und Offenheit gefragter denn je. Wer bringt jungen Menschen genau das näher?

Sind es nicht diese kleinen und größeren Stolpersteine, die unser Leben bunt und spannend gestalten?

Systemisch betrachtet handelt jeder Mensch aus einer guten Absicht heraus. Eltern wollen für ihre Kinder bekanntlich nur „das Beste“. Aus ihrer Sicht, Erfahrungswelt und Wirklichkeit heraus „das Beste“. Sie wollen, dass ihre Kinder glücklich, sorgenfrei und ohne große Stolpersteine leben können. Vielleicht auch gerade, wenn das Leben der Eltern nicht immer so hürdenfrei verlief.

Aber ist letzteres überhaupt möglich? Und sind es nicht diese kleinen und größeren Stolpersteine, die unser Leben bunt und spannend gestalten? Aus den Momenten, in denen es nicht so rund lief, nehmen wir meistens im Rückblick eine Menge mit. Wir haben Erfahrungen gesammelt, die wir später nutzen können.

Durch Veränderungen bauen wir Veränderungskompetenz auf

Nehmen wir das Beispiel einer Kündigung. Du entscheidest dich, dass dein aktueller Job nicht mehr zu dir passt und du dich auf die Suche nach etwas Neuem begeben möchtest.

Eigentlich ist es ganz okay dort, wo du bist. Aber du fragst dich schon seit längerem: „Kann das allein sein? Gibt es da draußen nicht irgendwo noch mehr berufliches Glück oder zumindest berufliche Zufriedenheit?“

Nun hast du ein für dich passendes Stellenangebot gefunden. Du musst Deinem aktuellen Arbeitgeber die Kündigung aussprechen. Das fühlt sich, gerade wenn man schon länger mit an Bord war, manchmal an, als würde man eine Beziehung beenden. Du trägst Gedanken in dir, die danach fragen, was wäre, wenn der zukünftige Job tatsächlich nicht einmal so viel berufliches Glück bereithält wie dein aktueller? Wirst du es bereuen? Und was ist mit den Kollegen, werden diese genauso großartig sein wie die alten?

Du verabschiedest dich und startest in die neue Arbeitsumgebung. Alles ist anders. Du musst erst einmal ankommen, du brauchst Zeit, um dich an neue Abläufe und Strukturen zu gewöhnen. Und dann irgendwann ist der neue Job das neue Normal. Du bist angekommen. Stell dir vor, was du alles auf dem Weg bis dahin gelernt haben könntest?

Durch Veränderungen erlernen wir neue Verhaltensweisen, die uns stärken.

Und gewiss – natürlich ist es möglich, dass die Tätigkeit oder die Umgebung nicht passt und du dich noch ein weiteres Mal auf die Suche machst. Aber: es könnte auch gut werden und du damit vielleicht zufriedener. Und beim nächsten Mal, wenn du eine Kündigung aussprechen wirst, kannst du dich an das vorherige Mal erinnern und daran anknüpfen. Vielleicht reflektierst du, was du beim nächsten Mal anders machen möchtest? Und schon startet eine neue Lernreise. Diese Reflektion erlebter Veränderungen machen meiner Meinung nach Veränderungskompetenz aus. Du lernst Stück für Stück, was dir wichtig ist, wie du mit Veränderungen umgehst und was du benötigst, um diese gut zu durchleben.

Warum Veränderungen Angst machen – oder kann nicht einfach alles so bleiben wie es ist?

Für viele Menschen ist der Schritt in Richtung einer Veränderung mit viel Angst verbunden. Angst vor Fehlern, Angst vor Misserfolgen, Angst vor Stress oder auch ganz allgemein große Unsicherheit in Bezug auf die Zukunft, auf das Neue.

Spürst du jedoch in dir, dass du nach mehr strebst, nach etwas anderem, nach etwas Neuem, wird die Sehnsucht nach einer Veränderung größer. Ist sie groß genug, entsteht daraus beinahe schon ein kleiner Schmerz. Und das ist wiederum gut so – wir Veränderungsbegleiter sagen gern mal, dass aus Leid und Mangel Veränderungen entstehen können. Menschen mögen das Beständige, es deckt ihr Grundbedürfnis nach Sicherheit. Wir verlassen erst unsere gewohnte Umgebung oder verabschieden uns von liebgewonnen Strukturen und Routinen, wenn es unbequem wird.

Somit vielleicht auch als Antwort auf eine deiner Fragen, warum du dich bisher nicht verändern konntest: Möglicherweise war der Leidensdruck noch nicht groß genug. Klingt schlicht, trifft aber so häufig zu.

Die Sehnsucht nach Veränderung wecken

1. Frage dich, wer du sein willst

Wie nun diese Sehnsucht nach Veränderung wecken und erste Schritte in Richtung Zukunft gehen? Vielleicht hast du einige der Ratgeber wie „Das Café am Rande der Welt“ gelesen. Das Wertvollste meiner Meinung nach darin sind die Fragen. Ich schätze persönlich zwei solcher zukunftsgerichteten Fragen von dem bekannten Neurobiologen und Autoren Gerald Hüther sehr und möchte Sie hier mit dir teilen:

  • Was will ich für ein Mensch sein?
  • Wozu will ich dieses Leben nutzen?

Häufig reagieren meine KlientInnen mit einem tiefen Seufzer, wenn ich Ihnen diese Fragen präsentiere. Ja, sie sind groß und haben Tragweite. Sie sind auch keine Fragen, auf die man mit einem Fingerschnips eine Antwort erhält. Lass sie auf dich wirken. Ähnlich wie in der analytischen Meditation: Trage sie bei dir und du wirst dich wundern, dass du immer mal wieder an sie denkst. Dadurch wirst du dich Stück für Stück in Richtung deiner Antworten bewegen.

Und schon kommen wir zum nächsten Teil.

2. Losmaschieren – der Weg ist das Ziel

Gähn… immer diese Zitate. Aber in vielen steckt so viel Wahres drin. Wir starten in unser Leben durch soziale Prägung: Werte, Haltung und Verhaltensweisen haben wir von unseren Familien geschenkt bekommen.

Übrigens: wusstest du, dass der Großteil unserer Persönlichkeit bereits bis zum 6. Lebensjahr geprägt wurde? Wir leben unser Leben nach den Vorstellungen unserer Eltern, der Familien, Freunde und werden dazu noch von Schule und dem erweiterten sozialen Umfeld beeinflusst. Wir machen Erfahrungen. Aus diesen entstehen unsere Kompetenzen und Fähigkeiten und auch unsere Begrenzungen. Gewisse Dinge gelingen uns gut, gewisse weniger.

Aus den Kompetenzen und Grenzen erwachsen wiederum Möglichkeiten. Bist du vielleicht immer gut in Mathe gewesen, dann kannst du Mathe-Nachhilfe geben. Stellt es sich heraus, dass du gut schreiben kannst, wirst du Mitglied der Redaktion der Schülerzeitung. Es entstehen so nach und nach Vorstellungen,

Wünsche und Träume, was du so tun möchtest oder auch könntest.

Zunächst vielleicht wie du deine Freizeit verbringen magst. Dann irgendwann entwickeln sich erste Ideen in Richtung deiner zukünftigen beruflichen Entwicklung. Jedoch ist häufig nicht alles möglich, was wir uns wünschen und vorstellen. Es gibt gewisse Rahmenbedingungen, die einschränken oder auch eingrenzen, was wir tun werden. Ein Klassiker ist der NC bei der Wahl eines Studiums. Manchmal aber auch gewisse – vielleicht auch unausgesprochene „Regeln“ der Familien, wie z.B.: „Unsere Kinder werden keine Ausbildung machen, sondern ein Studium.“ Ganz zu schweigen von weiteren Stimmen und Meinungen unseres sozialen Umfeldes.

Nun heißt es, auswählen aus den realistischen Möglichkeiten und erste Schritte in diese Richtung gehen. Und dann: „Willkommen in der Realität“. Nicht immer ist die erste Wahl ein Volltreffer. Wir haben es uns so schön ausgemalt. Nur passt es nicht ganz so.

Es gibt ein Phänomen in unserer Welt, dass vielleicht auch dir bekannt vorkommt: Viele Eltern übernehmen sämtliche Aufgaben für ihre Kinder, zudem werden Bedürfnisse und Wünsche rasch erfüllt. „Es soll dem Kind schließlich gut gehen.“ Natürlich in bester Absicht. Nur hat dies häufig zur Folge, dass Kinder dadurch nur bedingt auf ein eigenständiges Leben vorbereitet werden. Ein Leben, was gelegentlich auch Enttäuschungen bereithält und zudem Geduld und Durchhaltevermögen erfordert. Somit haben einige junge Menschen im Erwachsenenalter diese Frustrationstoleranz neu oder von Grund auf zu lernen.

Je nachdem, welcher Generation du angehörst, ist vielleicht auch genau dieses bei dir spürbar. Eventuell aber auch das komplette Gegenteil (oder was dazwischen), was am ehesten mit dem Spruch „Zähne zusammenbeißen und durchhalten“ zu erklären ist.

Du wählst nicht immer das „Richtige“, den richtigen Weg. Glaub mir, manchmal ist es auch nur in diesem Moment nicht das „Richtige“ oder der richtige Weg für Dich. Und das ist vollkommen in Ordnung so.

3. Reflektiere deine Erfahrungen

Viel wichtiger ist es meiner Meinung nach, dass du deine Erfahrungen reflektierst und immer wieder überprüfst, ob sich dein Leben Stück für Stück in eine für Dich gute Richtung entwickelt. Du kannst auf dem Weg Anregungen anderer aufnehmen. Sieh sie als Angebot, als Möglichkeit. Aber der Weg einer komplett anderen Person – auch wenn du sie sehr schätzt und dich ihr sehr verbunden fühlst – muss nicht dein eigener sein. Manchmal sind Impulse dabei, mit denen wir eher in Resonanz gehen als mit anderen. Probiere dich aus, sammele ganze Schätze an Erfahrungen in Deiner Schatzkiste. Aber mach nur das, was dir wirklich guttut. Und wenn etwas dabei war, was sich nicht gut anfühlte, dann mach es beim nächsten Mal anders. Und wer weiß, vielleicht fühlt sich dadurch ein vermeintlich begangener Fehler nicht mehr ganz so schlimm an. Es war nur ein kleiner Irrweg auf dem Weg zu deinem Ziel.

Ich wünsche mir für Dich

Ganz gleich in welcher Umgebung du aufgewachsen bist, wodurch du geprägt wurdest, ich wünsche mir, dass du eine solche oder ähnliche Haltung annehmen und Dich in Mut üben kannst:

  • Mut Neues zu wagen,
  • Mut etwas auszuprobieren,
  • Mut zu stolpern,
  • Mut Dich von Deiner Intuition leiten zu lassen und vor allem
  • den Mut aufbringen wirst, der Gestalter Deines eigenen Lebens zu werden.

Auf dieser Reise wirst du zunehmend erfahren, wer du bist. Du wirst Antworten auf die Fragen finden, was du kannst, wie du dein Leben verbringen möchtest und wer du bist.

Auf diese Weise lernst du immer mehr deine Grenzen, Kompetenzen und Bedürfnisse kennen. Du wirst dich selbst kennen- und dich damit vielleicht auch akzeptieren lernen.

Eine bessere Prävention vor Unwohlsein, psychischen und physischen Leiden kann es doch wohl kaum geben, oder?