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Warum deine innere Kritikerin so mächtig ist und wie du sie von ihrem Thron stoßen kannst – nicht nur beim Bloggen

Kreativität ist in der heutigen Zeit Luxus, oder? Wer sagt das eigentlich? Fragst du dich manchmal, ob die Stimme in deinem Kopf wirklich Dinge redet, von denen DU überzeugt bist? Wir kennen sie alle, die innere Kritikerin, die uns von unserer Kreativität abhält. Und auch für bekannte Phänomene wie der „Schreibblockade“  verantwortlich ist.

Willkommen im Club der königlichen Kritikerinnen

Es wäre doch so eine schöne Welt. Von der Arbeit heimkommen, entspannt etwas leckeres essen und sich dann mit einem Blatt Papier zurückziehen. Die Ideen fließen lassen, etwas malen, ganz bei sich sein. Oder wieder einmal eine schöne Kurzgeschichte schreiben. Aber kaum hast du dich voller Tatendrang an den Schreibtisch gesetzt, lässt sie nicht lange auf sich warten: deine innere Kritikerin. Sofort fühlst du dich blockiert.

Über was soll ich überhaupt schreiben?“ – „Ich habe eigentlich gar keine Zeit dafür.“ – „Mir fehlt heute die Muse.“ – „Das wird heute sowieso nichts.“ – „Ich und schreiben/malen/…? Was mache ich mir eigentlich vor? Dafür hab ich kein Talent.“

Kommt dir bekannt vor? Ja? Willkommen im Club der königlichen Kritikerinnen. 

Wer ist eigentlich diese innere Kritikerin und wenn ja, wie viele?

Deine Kritikerin ist eigentlich nicht nur eine, sondern viele. Deine Kritikerinnen sind negative Glaubenssätze, die du im Laufe deines Lebens unbewusst in deinen inneren Dialog integriert hast. Und je öfter du diese Dialoge abspielst, desto mehr Macht haben sie über dich. Deine eigenen Gedanken und Emotionen manifestieren eine Wahrheit. Deswegen sind deine negativen Glaubenssätze, deine inneren Kritikerinnen, nur deswegen wahr, weil du sie immer wieder mit deiner Aufmerksamkeit fütterst.

Jetzt denkst du dir: na, dann ignoriere ich sie eben einfach. Leider funktioniert das nicht. Wenn du nicht herausfindest, wer oder was genau dich blockiert, kannst du zwar eine Weile lang einfach in den Ausblenden-Modus gehen – früher oder später holen dich deine Kritikerinnen aber wieder ein und du wirst umso frustrierter sein. 

Wie kann ich mit den Kritikerinnen umgehen?

Tipp Nummer 1: Personifiziere und identifiziere deine Kritikerinnen.

Dafür kannst du folgendermaßen vorgehen: Nimm dir ein Blatt Papier und schreibe alle negativen Glaubenssätze, die dir in Bezug auf deine Kreativität oder deine Person einfallen, der Reihe nach auf. Wenn du das gemacht hast, lies dir die Sätze durch und überlege dir, welche Kernkonzepte hinter deinen Aussagen stecken. Und dann mach diese Konzepte zu Personen! Hier sind ein paar Beispiele:

  • Ich bin klein/wertlos – Königin Kleinlaut
  • Ich bin nicht gut genug/begabt genug – Königin Immerperfekt
  •  Ich muss meinen Pflichten nachkommen/habe keine Zeit – Königin Pflichtbewusst

Warum sind die Kritikerinnen Königinnen? Ganz einfach: Weil sie im Moment noch über dich herrschen. Du glaubst ihnen. Und du gehorchst ihnen.

Wenn Königin Immerperfekt sagt, dass das Bild, das du gemalt hast, auch von den Händen einer Vierjährigen stammen könnte, schmeißt du es frustriert in eine Ecke. Richtig? Versuche dir die Königinnen so genau wie möglich auszumalen. Sind sie groß und hager? Rothaarig oder brünett? Wie klingt ihre Stimme? 

Höre in der nächsten Zeit genau hin. Wenn du eine dominante Kritikerin hast, die sehr oft redet (zum Beispiel Königin Kleinlaut), lass deine liebsten Menschen von ihr wissen. Versuche so oft wie möglich im Alltag zu identifizieren, ob gerade Königin Kleinlaut aus dir spricht. Bitte dir Nahestehende, dich darauf hinzuweisen, wenn Königin Kleinlaut spricht.

Und was mache ich nun mit der illustren Königinnen-Runde?

Wir kommen nun zu Schritt zwei: Erforsche die Ursprünge deiner negativen Glaubenssätze.

Dieser Schritt ist extrem wichtig und du darfst ihn nicht überspringen, denn nur durch ihn werden deine Königinnen ihre Krone und ihr Zepter wieder an dich übergeben und bleiben allenfalls als königliche Beraterinnen an deiner Seite.

Der Schlüssel zum Durchbrechen der negativen Glaubenssätze liegt in deiner Vergangenheit. Ich weiß, das ist nicht angenehm. Trotzdem. Mach dich auf die Reise. Schau dir die Sätze an, die deine garstigen Königinnen den ganzen Tag zu dir sagen. Und dann versuche herauszufinden, wo diese Sätze ihren Ursprung haben. Führe einen inneren Dialog. Warum sagt Königin Kleinlaut, dass du wertlos bist und niemand wissen will, was du zu sagen hast? Warum? Hat dich ein Freund in der Schule immer für deine abstrusen Meinungen ausgelacht? Musstest du dir in deiner Familie Zuneigung und Liebe immer erst verdienen? 

Geh an den Ursprung des Problems. Es geht nicht darum, jemand anderem die Schuld zu geben. Es geht darum zu verstehen, wer diesen inneren Dialog in dir führt. 

Woher weiß ich, ob ich die Königinnen vom Thron gestoßen habe?

An dieser Stelle kommen wir zu meinem letzten Tipp: positive Affirmationen.

Wird dir schon schlecht, während du das hier liest? Dann regieren noch ein paar Kritikerinnen in dir. Nimm deine negativen Glaubenssätze und drehe ihre Bedeutung um. Wandle zum Beispiel „Ich bin nicht begabt genug“ in „Ich bin eine hervorragende Künstlerin“ um. 

Sag beide Sätze. Wie fühlt sich der erste an? Normal, oder? Weil du diese Realität erschaffen hast. Deine Königin hat es sich richtig bequem gemacht auf ihrem Thron. Der zweite Satz? Fühlt sich kitschig an, übertrieben, gar gelogen? Wenn du diesen inneren Widerstand spürst, dann ist das deine Kritikerin, die Angst davor hat, ihr Reich zu verlieren. Aber ich möchte dir etwas sagen: es ist dein Reich. Hol es dir zurück. Nimm dir stets nur eine einzige Affirmation vor, einen positiven Glaubenssatz, und sage ihn täglich vor dem Spiegel. Schau dir dabei in die Augen. Und mach es so lange, bist du dir glaubst. Bis deine Übung den negativen Glaubenssätzen ihre Energie geraubt hat und sie schwächer geworden sind.

Sei mitfühlend mit dir und deinen Kritikerinnen

Meine abschließende Bitte an dich: Sei sanft. Versuche nicht zu bekämpfen, sondern zu verstehen. Es geht bei dieser Übung darum, den Ursprüngen deiner negativen Glaubenssätze auf die Spur zu kommen, sodass du deine Gedankenmuster besser begreifen kannst. Mach dir klar, dass dein innerer Dialog für die Wahrheit verantwortlich ist, die du jetzt lebst. Und diese Wahrheit kannst du jederzeit beeinflussen.  

 

 

 


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