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Die Generation Thermomixer – mit einem Knopf ist das Leben fertig oder die Schnellebigkeit unserer Gesellschaft

Simone Kreuzer schreibt in ihrer wöchentlichen Kolumne über den täglichen Alltagswahnsinn. Heute gehts dem Thermomixer an den Krager … na ja, nicht nur dem Thermomixer.

Die Quetschtüten sind los

Ich sitze an der Kasse beim DM. Wieder eine Kundin, ein Vater, eine Familie, die das halbe Regal mit diesen Quetschtüten leer gekauft haben.

Quetschtüten sind die kleinen ach so nachhaltigen Tütchen von Hipp & Co, in denen Obst in eine Art Smoothie industriell umgewandelt wurden. Neuerdings auch Spaghetti Bolognese als Brei zum Trinken. Igitt!!!

Jedes Mal muss ich mich zusammenreißen, damit Sätze wie „Sind sie zu faul zum Kochen?“ oder „Weiß ihr Kind, wie eine echte Banane aussieht?“ nicht über meine Lippen kommen.

Ist es jetzt schon so weit gekommen, dass wir uns alles im Leben vorkauen lassen? Dass wir uns von der Industrie alles breigerecht liefern lassen? Weil wir selbst zu bequem, zu faul sind, ein bisschen selbst was zu tun?

Unwillkürlich muss ich an den Thermomixer denken. Das ist das gleiche Prinzip.

Der Thermomixer: Ein Gerät, das alles kann. Mit einem Knopf ist das Supermenü fertig.

Ich frage mich, welcher Typ Mensch kauft so etwas? Wie muss ich als Mensch gestrickt sein, um diesem Faulheitskonsumwahnsinn zu verfallen?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Vielleicht bin ich zu Altmodisch. Vielleicht bin ich viel zu gerne im Leben unterwegs und probiere aus. Teste mich selbst aus. Will mich und das Leben erfahren.

Gerne bin ich selbst der Koch in meinem Leben. Ich will wissen, was in meinen Töpfen drin ist. Und manche Zutaten, manche Lebensmittel, brauchen einfach eine andere Garzeit.

Ich selbst habe ja auch eine andere Reifezeit als alle anderen Menschen. Und das ist gut so und wichtig, dies zu erkennen.

Ist unsere kapitalistische Gesellschaft – das Prinzip von immer mehr haben zu wollen, losgelöst von Werten und Sinnhaftigkeit – schon so tief gesunken, dass wir alles fertig geliefert haben wollen? Den perfekten Mann. Den wohlgeformten Körper. Den großartigen Job. Die wohlerzogenen Kinder. Alles gut ausgeleuchtet, immer verfügbar. Im Supermarktregal.

Und wenn es nicht schmeckt, wird es umgetauscht und reklamiert.

Ein breiiges Leben, welches industriell hergestellt wurde. Mit wenig Biss und Herzhaftigkeit.

Dann einen guten Appetit!

Eure Simone

PS: Ich bleibe bei meinem Chaos in der Küche, wenn ich koche. Mit unzähligen Töpfchen und Pfannen. Dabei Musik hören und vor mich hin summen. Vielleicht noch ein Glas Wein dazu.

 

 


Photo by Mario Calvo on Unsplash