67 Views |  1

Was steckt hinter dem Streben nach Glück?

Was ist Glück eigentlich? Können wir danach streben? Worin macht sich das Glück bemerkbar und wie können wir zu ihm stehen?

In diesem Artikel beleuchtet Autorin und Ressortleiterin für den Bereich Happiness Beatrice diese Fragen mit Reflektion auf ihr eigenes Leben.

Zudem kannst du dir hier dein kostenloses Glückspaper herunterladen. Viel Spaß damit.

Eine unglückliche Grundlage

Ein Großteil meines Lebens hatte ich oft Schwierigkeiten mit dem Glück. Ich war als Kind nicht besonders glücklich, sondern eher ängstlich und oft im Überlebensmodus unterwegs. In meiner frühen Jugend wurde das auch nicht besser und ich schrieb sogar irgendwann in mein Tagebuch: „Ich glaube, ich werde niemals glücklich sein.“ Interessanterweise habe ich gerade letztens gelesen, dass besonders depressive Menschen gerne endgültige Ausdrücke wie „niemals“ oder „für immer“ verwenden, was sehr gut zu meinem damaligen Zustand passt.

Zugegeben, dieser Satz an sich hat mich Jahre später sehr erschrocken und ich wäre am liebsten zu meinem jüngeren Ich gegangen und hätte sowas gesagt wie: „Das ist nicht wahr. Wenn du daran glaubst, ist das eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Aber Glück ist dein Geburtsrecht und du wirst glücklich sein.“ Denn ich wusste es besser. Ich hatte dazu gelernt.

Auf dem Weg zum Glück

Doch erstmal lief ich dem Irrglauben nach wie der Großteil der Menschen in der westlichen Welt, das Glück im Außen zu suchen, was bei mir nicht unbedingt bedeutete, ich wollte neue oder tolle Dinge haben, sondern eher, dass ich in einem anderen Land sein musste, um glücklich zu sein – auf Reisen oder wohnhaft.

Ich schob eine Zeit lang mein Unglück auf Deutschland, da ich meine glücklichste Zeit zum ersten Mal nach der Schule auf Reisen, also nicht in Deutschland, hatte.

Es brauchte eine weitere unglückliche Zeit – dieses Mal im Ausland – die mich eines Besseren belehrte und damit mein wahres Streben nach Glück in die Wege leitete.

Ich war so aus der Bahn geworfen worden, dass mir nichts von meinen bisherigen Strategien half, dass es mir wieder besser ging. Doch ich wollte mich wieder fühlen, wie ich es sonst auf meinen Reisen getan hatte – glücklich, leicht, vertrauensvoll. Und ich wusste, dass das möglich war und beschloss damit, aus diesem negativen Zustand wieder herauszukommen.

Glück ist also auch immer eine Entscheidung.

Und mit dieser Entscheidung begann dann meine persönliche Reise zum Glück, die daraus bestand, erst ein Bewusstsein für bestimmte Dinge zu entwickeln und dann viel loszulassen und zu verarbeiten. Das bedeutete konkret, ich lernte negative Gedankenmuster und Überzeugungen (wie: Ich werde niemals glücklich sein) loszulassen und neue, positive zu integrieren. Zudem lernte ich mit meinen Emotionen und Ängsten gesünder umzugehen, die mich unbewusst ziemlich eingeschränkt und unglücklich gemacht hatten und auch der Umgang mit denen will gelernt sein, besonders als hochsensibler Mensch. Ich musste mich auch einfach mal trauern lassen. Also lange rede, kurzer Sinn:

Das Streben nach Glück war für mich in erster Linie das Verlernen vom Unglücklich sein bzw. das Verlernen von all dem, was mich vom Glück abhielt.

Und dafür brauchte es eine gesunde Beziehung zu mir selbst, Stichwort: Selbstliebe.

(Was nicht heißt, dass ich komplett im Glück und in der Selbstliebe angekommen bin. In Liebe mit sich leben und sich heilen ist auch eine Reise, die schätzungsweise nicht aufhören wird.)

Happiness is an inside-job

Wer innerlich unglücklich und unverbunden ist, dem bringt es nichts, wenn alle seine materiellen Träume erfüllt werden. Ich glaube sogar, dass es einen Menschen noch unglücklicher macht, wenn er merkt, dass er äußerlichen Erfolg und Reichtum hat, aber sich immer noch elendig fühlt. Wer dann nicht aufgibt, blickt hoffentlich nach Innen, um sich dem Glück in seiner Innenwelt zu widmen.

Denn vielleicht beginnt wahres Glück genau dort, im Inneren, da wir es nur dort auch kreieren und dafür empfänglich sein können, wozu auch die Redensart passt:

„Jeder ist seines Glückes Schmied.“

Bei mir hat das bedeutet, ich musste erstmal lernen, eine Schmiedin zu sein. Und es bedeutet außerdem, dass das Glück sich mit unserer Entwicklung ändert. Ein glückliches Leben oder die Vorstellung davon sah für mich in meiner Studienzeit anders aus als es jetzt für mich aussieht.

Aber…

Was ist Glück eigentlich?

Laut Wikipedia steht Glück für:

  1. den positiven Zufall oder (un)verdienten positiven Umstand, im Sinne von „Glück haben
  2. den positiv empfundenen Zustand, im Sinne von „Glück empfinden“, siehe Philosophie des Glücks, Zufriedenheit

Hier finde ich es interessant, dass im Deutschen keine Trennung gemacht wird wie es in anderen Sprachen wie Englisch (luck/happiness) oder Spanisch (suerte/felicidad) der Fall ist.

In diesem Artikel ist hoffentlich klar, dass es um den positiven Zustand geht 🙂

Für mich ist Glück letzten Endes einfach das zu leben und zu erleben, für das wir uns glücklich schätzen können, für das wir gemacht sind und mit dem wir uns in unserem Wesen und unserem Sein bestätigt fühlen. Und das sieht bei jedem von uns anders aus.

Mein Glück, das ich immer wieder erlebe, kommt mit Gefühlen von Frieden, Freiheit und Vertrauen einher, die durch ein Wechselspiel von meinem Inneren mit dem Äußeren entstehen und sich aus vielen (auch kleinen) Dingen zusammensetzt. Die führen dann dazu, dass ich durch einen Tag in Leichtigkeit gehe, ohne durch Ängste aus der Vergangenheit oder Sorgen um die Zukunft emotional belastet zu sein. Darunter kann dann auch ganz einfach ein Gespräch und Austausch mit lieben Menschen fallen. In Stimmung sein etwas zu tun und es dann auch machen (z.B. Essen, Spazieren oder Reisen gehen). Oder dass ich heute alles geschafft habe, was auf meiner To-Do Liste stand, die in der „Schmiedung meines Glücks“ eine Rolle spielt.

Die Beziehung zum Glück

Je nachdem in was für Krisen und negativen Emotionen wir uns eine Zeit lang bewegt haben, müssen einige von uns das Glück vielleicht nicht nur wieder lernen, sondern sich auch erstmal wieder erlauben. Ich weiß selbst von mir, dass ich eine Zeit lang Gutes kaum zulassen wollte, weil ich Angst hatte (wieder) enttäuscht oder verletzt zu werden. Aber wozu gibt es Krisen, wenn nicht fürs eigene Wachstum? Und wenn wir wieder geheilt sind, dürfen wir am Ende auch wieder aus den Ängsten, die uns vor erneuter Verletzung und Krise beschützen wollen, hinauswachsen. Das klingt alles vielleicht leichter gesagt als getan, aber nicht aufgeben 😉

Ich persönlich stehe meinen glücklichen Momenten sehr wertschätzend gegenüber, vielleicht auch wegen des starken Kontrasts meiner Vergangenheit. Doch Wertschätzung und Dankbarkeit spielen allgemein eine große Rolle für ein glückliches Leben und verstärken das Glück.

Wie stehst du zum Glück?

Hier sind fünf Fragen, mit denen dir deine Beziehung zum Glück bewusster werden kann und du dein Glück vielleicht neu definieren kannst. Du darfst sie gerne schriftlich beantworten.

Oder wenn du magst, kannst du dir hier auch ein Glückspaper dazu herunterladen.

  1. Auf einer Skala von 1-10, wie glücklich bist du mit dir und deinem Leben?
  2. Was war einer deiner glücklichsten Momente und was hast du da gespürt?
  3. Liebes Glück, ich finde du bist…
  4. Ich kann mich glücklich schätzen, dass…
  5. Du gehst mit einem breiten Lächeln und in reinster Glückseligkeit zu Bett. Was ist heute passiert?

Don’t worry, be happy and if not happy, be open for growth

So allgemeingültig undefinierbar das Glück auch sein mag, es trägt zu einem schönen Seinszustand bei, für den es sich lohnt zu leben. Es ist daher völlig in Ordnung, danach zu streben, was nach meiner Erfahrung vor allem bedeutet, dazu zu lernen und zu verlernen, was uns (innerlich) vom Glück abhält.

Doch dürfen wir manchmal auch einfach mal stehen bleiben und schauen, ob das Glück vielleicht schon da ist und es dann empfangen. Manchmal erscheint das Glück nämlich in Formen und Geschehnissen, in denen wir das Glück nicht erwartet haben.

Natürlich ist niemand die ganze Zeit glücklich. Aber unglückliche Zeiten laden zum Lernen und Wachsen ein. Und das ist Teil des Lebens, genauso wie das Glück.

 

Was sind deine Gedanken zum Glück?

 

 

 


Photo by Olia Nayda on Unsplash