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Flirten im Business?

Darf man im Business flirten? Und falls überhaupt, wie viel? Und wie?

Ein Lächeln, ein Zwinkern, ein Kompliment… wer freut sich nicht, wenn er auch im Job mal etwas Nettes sieht oder hört? Doch wie viel „Flirtfaktor“ ist im Business erlaubt?

Um diese Frage zu klären, brauchen wir zunächst eine Begriffsdefinition, denn eine Sache ist klar: Blöde Anmachen und zweideutige Angebote sind im Business tabu. Doch damit hat der Flirt an sich nicht viel tun.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen einem „Flirt“ und einer „Anmache“:

Während der Flirt nichts als das Ziel des Flirts selbst haben sollte, will die Anmache ein Ziel erreichen und ist so eindeutig zweideutig, dass es schon wieder eindeutig ist. Während die Anmache eher die plumpe Variante der Kontaktaufnahme ist, ist der Flirt raffiniert, verspielt und soll Spaß machen. Und da beginnen unsere Probleme…

Wir Deutschen haben den Ruf, keine besonders guten Flirter zu sein

Der Flirt lebt nun mal von der Unverbindlichkeit und das geht strikt gegen unsere Mentalität: Der Deutsche will Verbindlichkeit. Er schätzt das satte Geräusch eines hermetisch schließenden Dreifachglas-Fensters mit Schall- und Wärmeschutz nach KfW-Standard oder das verlässliche, kaum hörbare Schnurren einer Mercedes C-Klasse: Deutsche Ingenieurskunst – verlässlich, verbindlich und sicher.

Ja, okay – auch ein bisschen langweilig, aber dafür solide.

Wir haben es nicht so mit dem „Vielleicht“.

Doch genau das ist es ja, was den Flirt so interessant macht:

Wikipedia behauptet aktuell: Ein Flirt sei eine „erotisch konnotierte Annäherung“. Das klingt jetzt wieder, als würde man das im Business doch besser lassen.

Das DWDS (Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache) behauptet: „Durch Blicke, Gebärden, Worte oder in ungezwungenem, scherzendem Gespräch jmdm. gegenüber unverbindlich seine Zuneigung bzw. sein erotisches Interesse zu erkennen geben“. Auch da taucht die „Erotik“ zumindest als Option wieder auf und gibt dem Flirt direkt diese leichte Anzüglichkeit, die wir im Business auf keinen Fall haben wollen.

Der Duden will – ganz deutsch – gar direkt eine Beziehung: „Flirten: jemandem durch ein bestimmtes Verhalten, durch Gesten, Blicke oder scherzhafte Worte seine Zuneigung bekunden und auf diese Weise eine erotische Beziehung anzubahnen suchen“

So unterschiedlich wie diese Definitionen sind, deuten sich doch alle in eine Richtung, die wir im Berufsleben nach Maßgabe vermeiden wollen: Die Erotik.

Es sei denn…

Warum Flirten vielleicht gerade im Business ein Erfolgsgeheimnis ist:

Hören wir heute das Wort „erotisch“ dann ist der Weg im Kopf meist vorgezeichnet: Erotisch = sexuell = sexistisch, anrüchig, zweideutig etc. = hat im Business nichts verloren.

Im ursprünglichen Sinn aber bedeutet das Wort „erotisch“: Anziehend, begehrlich – eine starke Form des Begehrens und Verlangens. Ja, meistens durchaus auf der Basis, dass es sich um zwei sexuell kompatible Menschen handeln könnte. Doch das „Begehren und Verlangen“ ist es letztlich, um das wir uns in der Geschäftswelt beständig den Kopf zerbrechen:

Wie schaffen wir es, dass der Kunde unsere Produkte und Leistungen so anziehend findet, dass er sie begehrt, dass er ein Verlangen spürt? Wie bringe ich Menschen dazu, mit mir arbeiten zu wollen? Mich buchen zu wollen? Mich einstellen zu wollen?

Sprich: Mich und/oder meine Produkte zu begehren?

Genau darüber sollte sich ja auch jeder Mensch auf Partnersuche Gedanken machen, bevor er flirtet:

Wie kann ich mich selbst einem anderen Menschen so anziehend präsentieren, dass er mich begehrt und ein Verlangen nach mir spürt!?

Und da funktioniert ein „Na, biste öfter hier!?“ genauso selten, wie ein „Wolle Rose’ kaufe?!“ oder ein „Ich habe die-und-die Ausbildung und biete das-und-das an…“

Es geht also beim „echten“ Flirt im Grunde um genau dasselbe wie im Business:

Das was heute „Flirten“ heißt, nannte man früher Werbung!

Und genau wie in der Werbung heute, geht es im Flirt darum, vom jeweiligen Gegenüber zuerst die notwendige Aufmerksamkeit zu erhalten, um Interesse wecken zu können. Und ist das Gegenüber erst einmal interessiert, dann wäre es ganz wunderbar, aus diesem Interesse eben mehr als nur „Interesse“ zu machen: Ein Begehren oder ein Verlangen zu wecken… das ist es, was notwendig ist, damit wir eine – wie auch immer geartete – Beziehung miteinander beginnen können.

Marketing, 1. Semester:

Die AIDA-Formel – das uralte Prinzip der „Werbewirksamkeit“

  • Attention (Aufmerksamkeit)
  • Interest (Interesse)
  • Desire (Begehren/Verlagen)
  • Action (naja, sie wissen schon!)

Darum geht es in der Liebe – genau wie im Business.

Und hier ist der Flirt eine Steilvorlage für den Erfolg, denn einem neuen Kontakt direkt nach der Kontaktaufnahme sein Produkt oder seine Leistung anzubieten, ist im Grunde wie einem potentiellen Partner beim ersten Date wahlweise Sex oder Eheversprechen anzutragen.

Die meisten Menschen – auch die, die sich mit dem Verkaufen schwer tun, verstehen das sofort. Deshalb ist der Flirt eine gute Orientierung, für das erfolgreiche Business:

Wie funktioniert ein guter Flirt?

Der Flirt funktioniert immer dann am besten, wenn ich nichts anderes im Sinn habe, als meinem Gegenüber ein gutes Gefühl vermitteln zu wollen. Und das, ohne dass ich direkt etwas dafür haben will:

Ein Lächeln, ein Kompliment, ein gemeinsames Lachen – etwas, das meinem Gegenüber zeigt: „Ich finde Dich gut!“ und Interesse weckt. Vielleicht ja so viel Interesse, dass auch er mir ein kleines Stück entgegenkommt?

Deshalb bezeichnet man den Flirt als „Annäherungsritual“. Es geht darum, sich näher zu kommen, um bei jedem Schritt der Annäherung prüfen zu können, ob man sich dann noch etwas näher kommen möchte.

So entstehen Beziehungen: auf Basis von „Feel Good Angeboten“. Ich vermittle Dir gerne ein positives Gefühl – Du mir auch? Willst Du mehr? Dann komm doch ein Stück näher!

Wie kann das in der Praxis im Business aussehen?

  • Aufmerksamkeit erregen durch eigene Aufmerksamkeit: Bemerken Sie Dinge, die andere nicht bemerken und kommunizieren Sie sie.
  • Seien Sie authentisch – ein Kunde „kauft“ nicht das Produkt, sondern den „Verkäufer“. Sie sind nicht für „jeden“ – und das ist gut so!
  • Trauen Sie sich, gesehen und gehört zu werden – es wird Menschen geben, die über sie urteilen, na und? Einige Urteile werden sehr positiv ausfallen!
  • Seien Sie selbstbewusst und  nett – oder anders herum… Die Mischung aus beidem ist nahezu unwiderstehlich!
  • Legen Sie mehr Wert darauf, die Wünsche und Hoffnungen ihres Gegenübers zu erfahren und ein gutes Gefühl zu vermitteln, als sich und ihr Produkt anzubieten.
  • Lassen Sie dennoch keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie ein „toller Partner“ sind und etwas wirklich Gutes anzubieten haben.
  • (Er)kennen Sie Ihren Wert: Sie würden auch nicht mit jedem ins Bett gehen – also versuchen Sie auch nicht, jeden als Kunden zu gewinnen.
  • Sehen Sie es so lange „locker“, bis echtes Interesse da ist.
  • Betrachten Sie Ihre potentiellen Kunden, wie Sie einen potentiellen Partner betrachten würden: Sie möchten eine Beziehung. Eine Beziehung die gut ist, für Sie beide!

Und einen Leitsatz, habe ich aus dem Flirt gelernt:

Bevor ich erwarten kann, dass mich jemand „ernst nimmt“, muss er mich mögen!

Deshalb ist „Flirten im Business“ eigentlich ganz einfach:

Stell dir einfach die Frage: Was kann ich heute dafür tun, dass Menschen mich mögen?

 

 

 

 


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