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Wie du den Mut findest für deine Träume loszugehen: Mein Weg von der Depression zum Traumleben

Wenn du das liest, dann ist das wohl der Beweis, dass nichts im Leben unmöglich ist und du dir wieder erlauben solltest, groß zu träumen. Wieso? Das verrate ich dir gleich. Aber zuerst möchte ich dich etwas fragen: 

Wie fühlst du dich? Und das meine ich nicht lapidar daher gefragt im Sinne von “Wie geht es dir?”, wo die Antwort standardmäßig “gut” lautet.

Ich meine, wie fühlst du dich tief in dir? Was bewegt dich gerade? Wie geht es deiner Seele?

Und dann frage dich, ob du dich so fühlen möchtest, wie es gerade der Fall ist? Wenn ja, freue ich mich für dich. Wenn du dich jedoch nicht so fühlst, wie du dich fühlen möchtest: Woran liegt es? Möchtest du etwas in deinem Leben verändern? Und wenn ja, warum tust du es nicht? 

Frage dich immer: Wie möchte ich mich fühlen?

“Ich kann nicht mehr, ich kündige!”. Hast du dir diesen Satz auch schon einmal gedacht? 2018 war ich am Tiefpunkt meines Lebens angekommen. Mein Vater war nach 20 schweren Jahren als Pflegefall kürzlich verstorben, ich war in einem tiefen Burnout angekommen und mein Freund hatte mich nach fünf Jahren Beziehung mit den Worten: “Ich habe dich nie geliebt”, verlassen. Jeder Tod und jeder Verlust wirft neue Sinnfragen in das Leben. Kann es doch so schnell vorbei sein. Möchte ich wirklich mein Leben weiterhin so leben, wie ich es gerade tue? Bin ich glücklich? Lebe ich an dem Ort, wo ich mich wohl fühle? Was möchte ich in diesem Leben erschaffen und hinterlassen? Erfüllt mich mein Beruf?

Wenn auf all diese Fragen die Antwort “Nein” lautet, was machst du dann?

Ich sage dir, was du machst: In der Regel gar nichts. Und das ist der fatale Fehler. Es ist ja so viel einfacher, die Stimme in dir zu ignorieren, die dir sagt, dass du nicht das Potential lebst, das eigentlich in dir schlummert, als sich mit ihr auseinanderzusetzen. Doch was ist die Konsequenz, wenn man diese Stimme nicht beachtet? 

Schleichend ging es bei mir auf die körperliche Ebene über. Erschöpfung, Depression und Antriebslosigkeit waren meine neuen Begleiter. Morgens konnte ich nicht mehr aufstehen. Nach der Arbeit lag ich weinend im Bett und jegliche sozialen Kontakte habe ich gemieden. Denn schließlich musste meine Akkus wieder aufladen, was meist zu Hause unter der Bettdecke verkrochen stattfand. “Das Wetter ist so schön, geh doch mal spazieren”, zieht nicht mehr. Das Wetter ist egal. Alles ist eigentlich egal, das Leben hat doch eh keinen Sinn. 

Wie kommt man aus dieser negativen Gedankenspirale wieder heraus? Wie schaffst du es, wieder Kraft zu schöpfen?

Erst einmal annehmen. Akzeptieren. Vor allem nach einem Verlust wie dem Tod eines Elternteils. Zu hören oder zu denken “das Leben muss weitergehen” bringt nichts, wenn du ein Trauma oder Trauer nicht verarbeitet hast. Es wird dich früher oder später wieder einholen, du wirst ewig davon wegrennen oder du wirst dein Leben nicht in deiner ganzen Schöpferkraft leben können. 

Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Fahre einen Gang zurück. Kommuniziere ganz offen an dein Umfeld: “Es tut mir leid, aber mir geht es nicht gut, mir ist nicht nach ausgehen”. Und dann weine. Verkrieche dich unter der Bettdecke. Sei aggressiv, ungeschminkt und leblos. Ja, es gehört zu dem Prozess der Transformation. 

Die Kunst an der Sache ist, zu verstehen, wann es Zeit ist, wieder aufzustreben.

Nachdem ich mich ausreichend zurückgezogen hatte, kam meist von einem Tag auf den anderen die Eingebung, wie ein Geistesblitz: “Genug! Ich gebe mich meinem Elend nicht länger hin! Jetzt ist es Zeit, mich dem Leben wieder zu stellen!”. 

Sich dem Leben stellen ist oft nicht so einfach, aber am Ende das beste was wir für uns selbst tun können!

In meinem Fall war “mich dem Leben stellen” die Entscheidung, mich sechs Wochen in eine psychiatrische Klinik in eine Burnout-Station zu begeben. Denn, ganz ehrlich: Wenn man im System steckt – was für eine andere Möglichkeit hat man eine Pause zu bekommen, wenn die Seele ausgebrannt ist? Eine Kündigung in einer Zeit, wo es dir mental nicht gut geht, ist wahrscheinlich nicht die weiseste Entscheidung, da man in einer Depression nicht klar denken kann, sind die Gedanken doch in einen grauen Mantel gehüllt. 

Wie fasst man in solch einer Situation wieder Mut?

Es ist schwer, sich einzugestehen, dass man aus dem Loch nur schwer ohne Hilfe wieder herauskommt. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt ist der Schmerz dein Freund. Er ist dein Freund, weil er dein größter Antreiber wird. Er bringt dich ins Handeln. “Hallo Schmerz, danke”, kann ich im nachhinein sagen. Gerade sitze ich auf meinem Balkon und überblicke das Meer. Ohne meinen Schmerz wäre ich nie hier gelandet. Aber dazu später mehr. Zurück zum mutig sein:

Sich nicht bereit zu fühlen gehört zum mutig sein dazu!

Ja, du musst mutige Entscheidungen treffen und nein, du wirst dich nicht bereit fühlen. Es kommt nicht der Moment, in dem du 100 % bereit bist, den nächsten Schritt zu gehen. Die Zweifel und Ängste bleiben. Es ist nur die Frage, wie du mit ihnen umgehst. Laufe nicht vor ihnen weg und lasse dich nicht von ihnen lähmen. Erkenne sie an, schau sie dir genau an. Akzeptiere sie und dann gehe den nächsten, kleinen Schritt. Hand in Hand mit deiner Angst, aber im Vertrauen. Bekanntermaßen besteht Mut aus den drei Buchstaben TUN. Das heißt: Tue es einfach!

Zu verkünden, dass man erst einmal sechs Wochen abwesend sein wird, fühlt sich alles andere als bequem an. Ich war so ehrlich und habe meinem Chef über meine Erschöpfung und den Aufenthalt in der Klinik berichtet, anstatt mich ohne Ankündigung krankschreiben zu lassen. Überraschenderweise haben mich viele gute Wünsche meiner Kollegen und selbst von meinem Vorgesetzten erreicht und sie haben mich für meinen Mut bewundert. Die Koffer nicht für den Urlaub sondern für eine Psychiatrie zu packen, gibt dir ein mulmiges Gefühl im Magen. Als halbe Griechin weiß ich, dass “psychi” Seele heißt und “iatros” Arzt. Ich würde mich also endlich um mein Inneres kümmern, mit der Hilfe von Seelenärzten. 

Meine Erfahrung aus der Psychiatrie

An was denkst du, wenn du “Psychiatrie” hörst? Also ich dachte an Filme wie “Shutter Island” mit Leonardo DiCaprio. Es gibt natürlich verschiedene Stationen in einer derartigen Klinik, aber man bekommt in der Burnout- und Depressionsstation davon nichts mit. Es gibt die geschlossenen Stationen und unsere Station wurde “die Schokoladenstation” genannt. Es gab Einschränkungen, wie abends um 22 Uhr auf Station sein zu müssen oder sich an Alkoholverbot zu halten, aber ansonsten war es wie eine normale Krankenstation. Der Aufenthalt in der Klinik, die Engelthal hieß und dementsprechend vielversprechend klang, gab mir die Möglichkeit, das eigene Leben komplett mit Abstand zu betrachten. Ich fühlte mich wie in einer Blase, weit weg von meinem Leben, was mir den Raum gab, einen neuen Blick auf die Dinge zu bekommen. 

Die Zeit in der Klinik war sehr hilfreich, doch die eigentliche, innere Arbeit fängt erst an, wenn du wieder raus in das Leben gehst. Für mich war nach dem Aufenthalt klar: Ich kann, will und möchte nicht zurück in mein altes Leben. Also stellte sich die Frage: Was für ein neues Leben möchte ich mir denn erschaffen? Wovon träume ich? Ein ortsunabhängiger Job sollte es sein. Unter der Sonne leben. Frei sein. Unabhängig. 

Das Herz kennt meist die Antwort, aber die Frage ist, ob wir mutig genug sind, die Antworten zu hören. 

Wie wir es schaffen, für unsereTräume loszugehen? 

Bleibst du weiterhin in deinem gewohnten Umfeld, so wirst du keine neuen Impulse, Sichtweisen und Anregungen erhalten. Keiner meiner festangestellten Kollegen, die sich in ihrer Komfortzone pudelwohl fühlen, hätte mir den Antrieb gegeben, die Firma zu verlassen. Wirklich. Niemand hätte mir gesagt: “Tolle Träume, Christina, verlasse das Unternehmen und go for it!”.

Es sind die Menschen, die dich umgeben. 

Frage dich also: Wo sind die Menschen, die dich inspirieren? Wie kannst du dich mit ihnen umgeben? Und dann vernetze dich. Das kann sowohl online als auch offline sein. In meinem Fall wollte ich die Luft der Freiheit des ortsunabhängigen Arbeitens schnuppern und fuhr, allein nach Berlin auf ein Treffen für digitale Nomaden. Alleine reisen ist etwas, wo man die Komfortzone verlässt, aber man wird so offen für neue Begegnungen, dass man leicht mit Menschen ins Gespräch kommt. 

Und manchmal ist es ein Mensch, der uns unseren Weg neu ebnet

Der dir hilft. Der wie eine Art Wegweiser oder – wie ich es nenne – Engel plötzlich in deinem Leben auftaucht und etwas zu dir sagt oder macht, das dich bestärkt oder dir eine neue Möglichkeit gibt. Ein neuer Freund oder Begleiter. Überlege doch einmal, ob dir in deiner Vergangenheit ähnliches passiert ist? Meist ist uns das gar nicht bewusst, aber wenn du dein Leben genauer betrachtest: Gibt es zu neuen Lebensabschnitten oder für eine wichtige Entscheidung jemanden, der an deiner Seite war? Ich finde, das Leben hat mir in solchen Momenten immer einen Menschen geschickt. Das kann sowohl jemand aus der Familie, ein langjähriger Freund, ein Bekannter als auch ein neuer Mensch sein.  

In meinem Fall kam Leslie in mein Leben. Ich habe sie als eine der ersten Personen auf dem Event in Berlin kennen gelernt. Sie war 25 Jahre jung, energetisch und bereits seit zwei Jahren als Virtuelle Assistentin tätig. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch, nicht zuletzt, da wir beide eine Leidenschaft für Dancehall und Reggae haben, wie wir feststellten, und uns das automatisch verbunden hat. 

Nach dem Wochenende in Berlin war mein Handy voller neuer Kontakte und ich hatte in eine Welt geschnuppert, die einer völlig anderen Realität entsprach als meiner bisherigen. Da wusste ich: “Ich möchte auch in dieser Realität leben!”. Die Energie der Menschen, die mir begegneten, war so anders, als die Energie, die mich bislang umgab: Völlig frisch, modern und absolut ansteckend. 

Leslie ist organisatorisch eine Super-Heldin. Wenige Tage nach dem Event fand ich mich in einer WhatsApp-Gruppe mit digitalen Nomaden wieder, wo Leslie schrieb: “Habt ihr Lust auf eine mega geile, 3-wöchige Workation am Meer im schönen, sonnigen Dahab, Ägypten?”. Workation. Schon allein dieses Wort feiere ich. Es setzt sich zusammen aus “Vacation” (Engl.: Urlaub) und “Work” (Engl.: Arbeit).

Man verbringt zusammen mit ortsunabhängigen Arbeitern, in unserem Fall 12 an der Zahl, eine Zeit in einem attraktiven Reiseziel. Tagsüber arbeitet man, tauscht sich über verschiedenste Themen bezüglich Persönlichkeitsentwicklung und Unternehmertum aus und den Rest der Zeit verbringt man Urlaub miteinander: Strandtage, Restaurantbesuche, Ausflüge zum Schnorcheln oder in die Wüste und nach Feierabend ein Glas Wein am Pool. 

Und plötzlich ist alles anders

Als ob Workation nicht nach einem absoluten Traum klang! Es war gerade einmal Juni und die Workation startete im September. Das war der Plan! Es war der ausschlaggebende Punkt, dass ich den Mut fasste, meine Kündigung endlich abzugeben! Und jetzt rate ich dir: Habe einen Plan, was du nach deiner verändernden Entscheidung (in meinem Fall die Kündigung) tust. So geht es gleich weiter, du hast keine Zeit zum Überlegen und ich bin mir ziemlich sicher:

Der neue Weg wird dir Möglichkeiten bieten, von denen du jetzt nicht einmal träumst.

Deine Aufgabe ist es, deine mentale Energie hoch zu halten und die Dinge werden sich nach und nach fügen. 

Es ist soweit: Wenn uns unser Mut auf die Probe stellt

Am Tag, an dem die Kündigung gedruckt war und das Treffen mit meinem Chef im Kalender stand, hat mich der Mut vollends auf die Probe gestellt. Ich fühlte mich nicht bereit, die Kündigung wirklich abzugeben. Gewissensbisse holten mich wieder ein. Schließlich gab ich ein gutes Gehalt und einen bequemen Lebensstil auf. Aber wollte ich bequem denn überhaupt? 

Ich schob ihm die Kündigung über den Tisch mit den Worten: “Bitte nimm sie und stecke sie ein, sonst überlege ich es mir doch noch einmal anders”, und wandte meinen Kopf von ihm ab, um nicht zu sehen, wie er das Dokument in seine Tasche packte. Ich fühlte mich nicht dafür bereit und in meinem Kopf war eine Stimme, die schrie: “Was tust du da?!”. Aber ich tat es trotzdem. Die Erleichterung, die ich spürte, als ich mich von meinem Chef verabschiedete, kann ich kaum in Worte fassen. Ich war verblüfft von der Einfachheit des Handelns. Monatelang hatte ich die Vor- und Nachteile der Kündigung abgewogen und am Ende war es nur die schnelle Übergabe eines Papiers, die eine große Veränderung in meinem Leben einläuten sollte. 

Meine Mutter und beste Freundin überraschten mich an diesem Tag mit einer Party zur Kündigung. Sekt, Musik, Konfetti und gute Wünsche umgaben mich. Und wieder waren Menschen in einem entscheidenden Moment meines Lebens an meiner Seite.

Um zum Anfang zurück zu kommen: 

Wieso ist diese Artikel der Beweis, dass du dir alles erschaffen kannst, wovon du träumst?

Ich träume davon Autorin zu sein und durch den Schritt in die Ungewissheit, mich selbständig zu machen, habe ich zu meiner Passion und Kindheitsbeschäftigung zurück gefunden:  Schreiben.

In meinem Angestelltenverhältnis hätte ich es mir nie erträumt, einmal einen Artikel in einem Magazin zu veröffentlichen.

Wir alle haben von Natur aus eine unbändige Schöpferkraft in uns. Wir müssen sie nur wieder aktivieren und uns daran erinnern. Wenn ich es geschafft habe, kannst du das genauso.

Seit meiner Kündigung wohne ich in den von der Sonne geküssten Orten dieser Welt. So, wie ich es mir erträumt habe. Ich blicke beim Schreiben gerade auf das kristallklare, blaue Meer. Palmen rascheln und die malerischen Berge der Wüste zieren den Horizont. Fühle in dich hinein, gehe den ersten, kleinen, nächsten Schritt in Richtung deiner Träume. Sei mutig, auch wenn du dich nicht bereit fühlst. Je mehr du dem Leben vertraust, desto mehr Gründe wird es dir liefern, noch mehr zu vertrauen. Die Kunst ist es dich wieder bewusst mit deiner Intuition zu verbinden. 

 

 


Photo by Sean O. on Unsplash