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Gibt es ein Recht auf Homeoffice – und welche Rechte habe ich eigentlich im Homeoffice?

Das Homeoffice erlebt während der Corona-Pandemie Hochkonjunktur. Noch immer arbeiten viele Beschäftigte im Homeoffice. In manchen Unternehmen wird das Arbeiten von zu Hause schon jetzt bis in das Jahr 2021 hinein angeordnet. Rechtlich stellen sich dabei eine Reihe von Fragen.

Kein gesetzlicher Anspruch auf Homeoffice

Wer sich nun fragt, ob er einen Anspruch gegenüber seinem Arbeitgeber auf Homeoffice rechtlich durchsetzen kann, wird meistens enttäuscht. Eine Rechtsgrundlage im Gesetz, die einen solchen Anspruch zugestehen würde, existiert noch immer nicht. Zwar gibt es durchaus Überlegungen des Gesetzgebers, einen solchen Anspruch im Gesetz zu verankern. Eine konkrete Umsetzung dieser Überlegungen erfolgte bislang aber noch nicht. Ein Anspruch kann sich daher nur aus dem Arbeitsvertrag, einem auf das Arbeitsverhältnis anwendbaren Tarifvertrag oder aus einer Betriebsvereinbarung ergeben.

Kein Zwang zum Homeoffice

Umgekehrt kann der Arbeitgeber die Beschäftigten meistens aber auch nicht zwingen, im Homeoffice zu arbeiten. Arbeitsvertraglich ist in der Regel der Arbeitsort festgelegt. Davon kann der Arbeitgeber nicht einseitig abweichen, sondern benötigt das Einverständnis des Beschäftigten. Findet sich keine Möglichkeit, den Beschäftigten vor Ort im Betrieb so zu beschäftigen, dass der Gesundheitsschutz gewahrt ist, kann es in Zeiten von Corona aber durchaus sein, dass die Gerichte in diesem Fall eine Ausnahme anerkennen. Rechtsprechung dazu existiert aber noch nicht.

Arbeitszeitgesetz gilt auch im Homeoffice

Die Schutzvorschriften zu Gunsten der Beschäftigten, die im Arbeitsverhältnis gelten, finden auch im Homeoffice Anwendung. So müssen die Regelungen zu Höchstarbeitszeit, Ruhepausen sowie das Sonn- und Feiertagsverbot eingehalten werden. Dies bedeutet auch, dass die bisherigen Arbeitszeiten und Pausen weiter unverändert gelten und die Arbeitszeit auch im Homeoffice zu erfassen ist, notfalls auch in einer Excel-Liste. Auch Regelungen zu Arbeitssicherheit und Datenschutz gelten unverändert auch im Homeoffice.

Vorsicht bei Unfallversicherungsschutz

Beschäftigte sollten besonders den Unfallversicherungsschutz im Auge behalten, denn im Homeoffice genießen Beschäftigte nur begrenzt Unfallversicherungsschutz. Private Wegezeiten sind nicht mitversichert, beispielsweise wenn der Beschäftigte in die Küche geht, um ein Glas Wasser zu trinken. Der Versicherungsschutz hängt davon ab, ob der Beschäftigte etwas erledigt, was als Arbeitsleistung zu qualifizieren ist oder damit zusammenhängt.

Wer trägt die Kosten?

Belegbare Kosten, die im Homeoffice entstehen, trägt übrigens der Arbeitgeber. Dazu gehören erhöhte Stromkosten oder Kosten für Druckerpapier und Druckerpatronen. Die Beschäftigten müssen allerdings nachweisen, dass ihnen höhere Kosten als sonst entstanden sind. Kosten, die sowieso angefallen wären, beispielsweise für eine WLAN-Flatrate, können dem Arbeitgeber nicht in Rechnung gestellt werden.

 

 

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Photo by Agnieszka Boeske on Unsplash