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4 Stresstypen: Welcher Stresstyp bist du und wie kannst du deinem Stressempfinden entgegenwirken

Stress – eine Zivilationskrankheit, überrepräsentiert und unterbewertet. Schließlich haben wir ihn doch alle. Die Dauerbeschallung durch Arbeit, Kollegen, öffentliche Verkehrsmittel, Social Media und permanenter Erreichbarkeit nehmen wir schon gar nicht mehr bewusst wahr und fühlen uns irgendwann plötzlich ausgelaugt. Schnell mit einer Yogastunde verarzten, dann passt das schon. Und am nächsten Tag geht’s wieder von vorne los. 

Dass es nicht ganz so leicht ist, wird spätestens bei der Diagnose Burnout klar. Was also tun? Carien Karsten unterscheidet in ihrem Buch „Welcher Stresstyp bin ich?“ vier verschiedene Stresstypen. Um es dir etwas leichter zu machen, stelle ich dir nun meine eigene  Interpretation dieser Stresstypen vor. Und was du tun kannst, um den Stress in deinem Leben zu lindern.

Stresstyp 1 – die Ameise

Als Ameise hast du fast übermenschliche Kräfte. Du bist der Inbegriff eines Leistungsträgers und kannst Aufgaben stemmen, an die sich andere niemals herantrauen würden. Du bist unglaublich produktiv. Wenn die Aufgaben überhand nehmen und der Stress einsetzt, gibst du erst richtig Vollgas. „Jetzt noch durchhalten und danach entspannen“ ist vermutlich ein Satz, den du als Ameise häufig sagst und dann nach getaner Arbeit trotzdem emsig an irgendetwas herumpuzzelst, weil es dir einfach super schwerfällt, herunterzufahren und zu entspannen. Wird der Stress zu viel, leidest du an Schlafstörungen. Hast du das Gefühl, dass dir in der Arbeit Dinge entgleiten, weil du dich nicht konzentrieren kannst, cancelst du vielleicht deinen Urlaub – es ist ja schließlich Arbeit aufzuholen! Ein Teufelskreislauf.

Das Ameisen-Chill-Programm

Vielleicht hast du mal probiert, eine geführte Meditation zu machen. Und während du so der säuseligen Stimme zuhörst, hast du das dringende Bedürfnis, dich zu kratzen, mit dem Fuß zu wippen und die Lautsprecher irgendwo gegen die Wand zu werfen. Warum? Weil du einfach zu viel Energie hast. Dein Chill-Programm besteht aus drei Schritten.

  1. Priorisieren – schreib dir eine Liste der Dinge, die du realisieren kannst. Alles andere ist Option. Verzettel dich nicht in tausend Aufgaben.
  2. Überschüssige Stressenergie loswerden – dir tut Cardio- oder Krafttraining gut. Irgendetwas, das dich zum Schwitzen bringt. Lass es raus.
  3. Nichtstun – etwas, das dir ganz schwerfällt. Fang klein an. Nimm dir direkt nach deinem Workout 5-10 Minuten Zeit und leg dich auf den Boden. Hör auf dein pumpendes Herz. Versuch alle Muskeln loszulassen. Verlängere deine Nichtstun-Zeit jeden Tag ein bisschen mehr.

Stresstyp 2 – die Biene  

Als Biene bist du fleißig. Du arbeitest und arbeitest, immer weiter. Du hast einen starken Willen und ein schier unerschöpfliches Durchhaltevermögen. Und dann kommt dieser Punkt, an dem einfach Schluss ist. Du fühlst dich plötzlich schlapp und ausgelaugt und liegst total erschlagen auf dem Sofa. Dann geht gar nichts mehr. Du brauchst jetzt erstmal eine ganze Weile Zeit, um dich wieder aufzurappeln. Ein solcher Zusammenbruch kommt meistens überraschend für dich, weil du die Stresssignale entweder ignoriert oder nicht gespürt hast. Anzeichen für einen solchen Crash ist zum Beispiel mangelnde Konzentrationsfähigkeit und Schwindel. Außerdem neigst du dazu, Frustration bei der Arbeit in dich hineinzufressen. Dadurch baut sich innerlich viel Druck auf.

Das Bienen-Chill-Programm

Dein Hauptproblem als Biene ist, dass du zwar unglaublich fleißig bist (so wie die Ameise auch!), dein Fleiß aber eher aus deiner Willenskraft kommt und nicht vom Körper unterstützt wird. Dir fällt es schwer, deine eigenen Grenzen zu spüren und fällst bei zu viel Stress in ein apathisches Zombie-Dasein. Dein Chill-Programm besteht aus drei Schritten:

  1. Zeitmanagement – du willst zwar immer arbeiten, weil du denkst, du musst, bist aber auch sehr gut im Prokrastinieren. Feste Zeitblöcke für produktive Arbeit halten dich davon ab, den ganzen Tag beschäftigt zu sein.
  2. Kein Leistungssport – wenn du zu Stress neigst, solltest du keine zu anstrengende Sportart betreiben. Dafür hast du keine Kraft. Bewege dich lieber auf regenerierende Art, zum Beispiel bei einem Spaziergang in der Natur oder bei einer langsamen, achtsamen Yogastunde.
  3. Achtsamkeit – du musst lernen, deine Grenzen zu spüren, bevor es zum Zusammenbruch kommt. Plane dir über den Tag verteilt regelmäßig kleine Pausen ein, in denen du mit geschlossenen Augen einen Körpercheck machst. Verspannungen im Nacken? Schwindel? Leichtes Herzrasen? Dann ist es Zeit für eine längere Pause! So kannst du schlimmeren Katastrophen vorbeugen.

Stresstyp 3 – der Fisch

Als Fisch bist du sehr fürsorglich. Du denkst immer zuerst an die anderen, bevor es um deine eigenen Bedürfnisse geht. Du nimmst Dinge schnell persönlich und versinkst dann schnell in den Gefühlen und Stressreaktionen, die in dir selbst entstehen. Es fällt dir schwer, nein zu sagen und bittest nur äußerst ungern um Hilfe, weil du Angst vor Abweisung hast. Wahrscheinlich machen dich deine eigenen Ängste manchmal müde. Du bist sehr empathisch und reagierst auch auf die negativen Gefühle anderer Menschen. Im Gegensatz zur Ameise und zur Biene kommt der Stress, den du empfindest, nicht von außen, sondern eher aus deinem eigenen Inneren. Schon die kleinsten Ereignisse können dich aus der Bahn werfen und du würdest am liebsten schnell hinter deine Scholle huschen, um die Situation gänzlich zu vermeiden. In einem Großraumbüro kannst du dich unmöglich konzentrieren, du bist permanent überreizt von äußerlicher Stimulation.

Das Fisch-Chill-Programm

Als Fisch bist du vor allen Dingen sehr entweltlicht und manchmal auch zerstreut. Du neigst dazu, von A nach B zu schwimmen und auf dem Weg zu vergessen, was du eigentlich wolltest. Du verlierst dich in deiner Gedankenwelt, beginnst zu grübeln. Dein Chill-Programm besteht aus diesen drei Schritten:

  1. Regelmäßigkeit – du brauchst regelmäßige Mahlzeiten und regelmäßige Zeiten für deinen Schlaf. Dieser Rhythmus lässt dich etwas stabiler durch den Tag kommen.
  2. Bewegung am Nachmittag – als Fisch wird es dir schwerfallen, dich frühs zu bewegen. Plane erfrischende Bewegungseinheiten am Nachmittag ein, damit dein Energielevel wieder steigt und du aus den Alltagsgrübeleien aussteigen kannst. Meditatives Gehen oder Dehnübungen sind ideal für dich.
  3. Sanftes Stimulieren der Sinne – erinnere dich, dein Stress kommt vor allen Dingen von Innen. Deswegen musst du dafür sorgen, ab und zu mal „nach draußen“ zu gehen. Das geht am besten über die Sinne. Tue täglich etwas, das sanft deine Sinne stimuliert: zum Beispiel malen, bewusst Musik hören, Geschirr spülen… überreize dich nicht. Das kann gegenteilig wirken.

Stresstyp 4 – die Schnecke

Allein der Gedanke an Stress stresst dich schon. Du brauchst sehr viel Zeit zur Regeneration. Du kannst dich häufig zu nichts aufraffen und fühlst dich den täglichen Herausforderungen des Lebens nicht gewachsen. Deine Feunde und Bekannte nehmen dich als dauerhaft müde wahr. Bist du ersteinmal auf der Couch versackt, bleibst du dort. Du bist wahrscheinlich wenig motiviert und daher auch nicht wirklich produktiv – das führt dazu, dass du wenig Anerkennung bekommst. Was dich stresst. Zu deinen Emotionen hast du nur einen schlechten Zugang. Auf schwierige Lebenssituationen reagierst du eher passiv. Vielleicht neigst du auch dazu, wenig Freude zu empfinden und zu zeigen. Dein Stress kommt wie beim Fisch von innen, allerdings durch eine Art „Boreout“ – du ziehst dich so sehr in dein Schneckenhaus zurück, schützt dich vor allem scheinbar Bedrohlichen, dass du große Leere in deinem Leben empfindest. 

Das Schnecken-Chill-Programm

Als Schnecke bist du Weltmeister im Vermeiden. Du vermeidest Menschen, Aktivitäten, Entscheidungen, Gedanken, Gefühle… dadurch lebst du an deinem Leben vorbei. Eine solche Lebenslangeweile kann dieselben Symptome hervorrufen wie ein Burnout. Dein Chill-Programm besteht aus folgenden drei Schritten:

  1. Finde Inspiration – du brauchst etwas, das dich motiviert und inspiriert. Frischen Wind, der dich aus deiner dunklen Wolke holt. Beginne ein neues Hobby. Oder unterhalte dich mit einem Menschen, den du inspirierend findest und lass dich davon anstecken.
  2. Verschaffe dir regelmäßig Energie-Kicks durch Bewegung – du neigst dazu, schnell und ständig müde zu sein. Bring deinen Kreislauf in Schwung, zum Beispiel mit Übungen aus dem Kundalini-Yoga.
  3. Komfortzone verlassen – dein Schneckenhäuschen ist warm und sicher, schon klar – aber tief im Inneren fühlst du dich eingeengt und deinem Schicksal ausgeliefert. Ändere das, indem du jeden Tag etwas Kleines tust, das dich aus deiner Komfortzone herausholt. Zum Beispiel mal allein in ein Café gehen. Mach dir nach jeder dieser kleinen Übungen klar, dass nichts passiert ist. Du brauchst das Gefühl der Sicherheit, aber übe dich auch im Ausbrechen.

Welcher Stresstyp bist du?

Das Modell der verschiedenen Stresstypen kannst du auf alle möglichen Lebensbereiche anwenden. Auch mit der Ernährung kann man viel machen. Wichtig ist am Ende des Tages vor allen Dingen, dass man seinen eigenen Stress spürt und bewusst und nachhaltig etwas dagegen tut.

 

 

 


Photo by Pim Chu on Unsplash